Studie : Die Liebe und die Arbeit

Im Job auf Flirtkurs: Jeder Zehnte war schon mal in den Chef verliebt, rund 30 Prozent schon mal in einen Kollegen.
Im Job auf Flirtkurs: Jeder Zehnte war schon mal in den Chef verliebt, rund 30 Prozent schon mal in einen Kollegen.

Wie steht es um die ganz großen Gefühle und den Arbeitsplatz? Eine Umfrage bringt Überraschendes zutage

svz.de von
02. Juni 2019, 05:00 Uhr

In der bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie 2019 wurden 3.789 Singles und Liierte nach ihren Einstellungen rund um Partnerschaft und Beruf gefragt. Dabei zeigt sich: Liebeskummer kann arbeitsunfähig machen, Sex am Arbeitsplatz ist gar nicht so selten und im ersten Beziehungsjahr besteht ein besonders großes Risiko, dass die Liebe dem Job zum Opfer fällt. Besonders heikel: Männer sind eifersüchtiger auf die Kollegen ihrer Partnerin, obwohl (oder gerade weil) sie selbst gerne bei der Arbeit flirten.

Fast jeder Dritte berichtet schon einmal in einen Kollegen oder eine Kollegin verliebt gewesen zu sein

Bei der Arbeit verbringen Menschen viel Zeit – kein Wunder, dass es auch mal funkt. Fast jeder Dritte berichtet in der aktuellen ElitePartner-Studie 2019, schon einmal in einen Kollegen oder eine Kollegin verliebt gewesen zu sein (30 Prozent). Nicht selten entstehen daraus auch Beziehungen: 24 Prozent, also fast jeder vierte Befragte, hat schon einmal einen Partner im Job kennengelernt. Schwieriger wird es, wenn sich plötzlich Gefühle für einen Vorgesetzten oder eine Vorgesetzte entwickeln. Doch fast jedem Zehnten ist auch das Szenario „Verliebt in den Chef“ schon passiert (9 Prozent).

Der Kopierraum ist zum Kopieren da? Nicht selten wird der eigene Arbeitsplatz aber auch zum Schauplatz sexueller Erlebnisse. Elf Prozent der befragten Singles und Liierten geben zu, sich in Büro, Werkstatt oder Lagerraum schon einmal anderweitig vergnügt zu haben. Männer gestehen mit 14 Prozent weitaus häufiger Sex am Arbeitsplatz ein als Frauen (8 Prozent). Auch die Weihnachtsfeier oder das Team-Event sind für viele nicht nur berufliches, sondern auch amouröses Highlight des Jahres: 13 Prozent sind auf einer Firmenfeier schon einem Kollegen nahegekommen.

Weiterlesen: Jeder Sechste geht bei Liebeskummer und Co. nicht zur Arbeit

Liebeskummer schmerzt – und ein handfester Streit mit dem Partner kann für eine schlaflose Nacht sorgen. Jeder sechste Befragte (16 Prozent) gibt zu, schon einmal wegen Trennungsschmerz oder Beziehungsstreit nicht zur Arbeit gegangen zu sein. Hochgerechnet auf die aktuelle Anzahl an Arbeitnehmern in Deutschland – und angenommen jeder der 16 Prozent wäre nur genau einen einzigen Tag nicht zur Arbeit gekommen – ergeben sich insgesamt mindestens 6,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage, ein Produktionsausfall von über 774 Millionen Euro und ein Verlust an Bruttowertschöpfung von mehr als 1,4 Milliarden Euro.

Job oder Liebe? Eine Frage, die sich in Zeiten zunehmender Mobilität zunehmend stellt. Männer entscheiden sich dabei vergleichsweise häufig für den Beruf: Jeder dritte Mann (33 Prozent) würde für eine wichtige Karrieremöglichkeit die Partnerschaft hintenanstellen. Bei den Frauen sind es nur 28 Prozent. Besonders im ersten Jahr der Beziehung besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Beziehung dem Job zum Opfer fällt. 39 Prozent der Liierten, die zwischen drei Monaten und einem Jahr zusammen sind, würden die Karriere bevorzugen. Bei längerer Beziehungsdauer ist es nur noch jeder Vierte. Umgekehrt sind 56 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen bereit, für den Job des Partners in eine andere Stadt zu ziehen.

So groß die Flirtfreudigkeit der Männer ist, so misstrauisch sind sie auch, wenn es um ihre Partnerin geht

Wie vorsichtig Männer und Frauen beim Büroflirt sein sollten, untermauern die Ergebnisse der Studie. Für jede zweite Frau – unabhängig vom Beziehungsstatus – ist ein Flirt am Arbeitsplatz völlig tabu. Liierte Frauen sind erwartungsgemäß besonders abgeneigt (54 Prozent), aber auch 41 Prozent der Single-Frauen möchten unter keinen Umständen mit Kollegen anbandeln. Männer sind offener, nur für gut jeden Dritten (36 Prozent) kommt ein Flirt am Arbeitsplatz gar nicht in Frage. Im Gegenteil: Mehr als jeder fünfte Mann sagt sogar, dass er gern am Arbeitsplatz flirtet (21 Prozent; Frauen: 12 Prozent). Besonders brisant: Selbst vergebene Männer flirten noch lieber als Single-Frauen (liierte Männer: 19 Prozent, Single-Frauen: 14 Prozent). Und ihre Flirtfreudigkeit hat den befragten Männern nicht nur Positives beschert. Bei jedem Zehnten hat ein Flirt am Arbeitsplatz schon dem Ruf geschadet (Frauen: 6 Prozent).

So groß die Flirtfreudigkeit der Männer ist, so misstrauisch sind sie auch, wenn es um ihre Partnerin geht. Jedenfalls zeigen sich die befragten Männer recht schnell eifersüchtig, wenn die Liebste nach Feierabend noch mit dem Team unterwegs ist. 17 Prozent der Männer sehen es ungern, wenn ihre Partnerin etwas mit Arbeitskollegen unternimmt (Frauen: 11 Prozent). Besonders junge, liierte Männer unter 30 – die gleichzeitig auch besonders flirtfreudig sind (21 Prozent) – zeigen sich vergleichsweise empfindlich, was Unternehmungen mit Kollegen betrifft (19 Prozent). Je jünger, desto auskunftsfreudiger: Die Studienergebnisse deuten auf einen Wandel der Unternehmenskultur hin. Von den über 60-Jährigen gibt gerade einmal jeder Fünfte an, auch mit Kollegen über die eigene Beziehung zu sprechen. Unter den Jüngeren scheint es dagegen normal, sich am Arbeitsplatz auch über die Partnerschaft auszutauschen – fast jeder Zweite tut das (30 bis 39 Jahre: 48 Prozent). Männer reden dabei übrigens genauso häufig über ihre Beziehung wie Frauen.

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