Beziehungsende : Schluss und Schuldgefühle

Trennungsschmerz: Nach dem Beenden einer Partnerschaft können einen Schuldgefühle plagen.  Foto: dpa
Trennungsschmerz: Nach dem Beenden einer Partnerschaft können einen Schuldgefühle plagen. Foto: dpa

Für das Beenden einer Beziehung gibt es kein Drehbuch. Doch woher kommen Schuldgefühle und wie werden Sie sie wieder los?

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08. September 2019, 05:00 Uhr

Schuldgefühle kommen häufig vor und können hartnäckig und belastend sein. „Was hätte ich anders machen können?“, „Wie konntest du mir das antun?“ oder „Was ist aus uns geworden?“ – diese Fragen beschäftigen viele Menschen nach dem Scheitern einer Partnerschaft. Wir machen uns Vorwürfe, hinterfragen unsere Entscheidungen und unser Verhalten und suchen nicht selten die Gründe dafür, dass die Beziehung am Ende ist bei uns.

Woher Schuldgefühle?

In einer Beziehung tragen fast immer beide Partner gleich viel Verantwortung für ihr Gelingen oder Scheitern. Eine Bilderbuchtrennung ohne Trennungsschmerz gibt es in den seltensten Fällen. Doch wer die ganze Schuld für das Trennungsdesaster bei sich sucht, neigt zu Irrationalität. Unser Blickwinkel ist eingeschränkt und stellt nur eine Person ins Rampenlicht der Schuld. Denn Vorwürfe nach einer Trennung entstehen durch ein schlechtes Gewissen, Unsicherheiten und aus dem Gefühl heraus, dass man sich falsch verhalten hat.

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Gründe dafür gibt es viele: Der Klassiker ist der Seitensprung. Er bringt Leid, ist konkret, greifbar und lässt wenig Spielraum für Interpretationen oder Ausreden. Er stellt für viele das Höchstmaß an Verrat dar und kann im Nu alles zerstören, was sich ein Paar aufgebaut hat. Oft ist es für denjenigen, der fremdgegangen ist, schwer, die Schuldgefühle nach der Trennung loszuwerden. Vor allem, wenn sich daraus eine neue Beziehung nach der Trennung entwickelt – schließlich ist man selbst nun glücklich, während der andere leidet.

Doch auch verbale Entgleisungen sorgen für starke Schuldgefühle nach einer Trennung. Vor allem in Konflikthochphasen kommt es oft zu Kommunikationsproblemen auf beiden Seiten. Eine Trennung ist ein Ausnahmezustand. Klar, dass man in solchen Momenten nicht ganz rational handelt. Aus Wut und Enttäuschung sagen wir daher Dinge, die wir später bereuen. Ging es uns zunächst darum, den (Ex-)Partner maximal zu verletzen, bedauern wir die Giftpfeile, die wir abgeschossen haben, im Nachhinein. Dazu zählt auch das Ziehen der Mitleidskarte: Indem derjenige, der verlassen wurde, klammert, die Trennung nicht wahrhaben will und betont, wie schlecht es ihm geht, setzt er seinen ehemaligen Partner unter Druck. Unfaire Äußerungen und „emotionale Erpressung“ sind daher oft der Grund für ein schlechtes Gewissen nach der Trennung.

Lügen, Misstrauen und Desillusionierung können uns ebenfalls mit Schuldgefühlen nach einer Trennung plagen. Je intensiver eine Partnerschaft ist, desto langfristiger und größer sind auch Pläne, die wir miteinander schmieden. Sei es eine gemeinsame Wohnung, ein Umzug in eine andere Stadt oder gar ein Eheversprechen – platzt der Beziehungstraum, müssen zwangsläufig beide Seiten ihr Leben neu sortieren. Da wir uns verantwortlich für den anderen fühlen, führen derartige Veränderungen schnell zu einem schlechten Gewissen .

Und auch Kinder sind häufig ein Grund dafür, dass sich Trennende mit Selbstvorwürfen plagen. Schließlich wünscht man sich ein stabiles Umfeld für Nachwuchs und vergisst darüber schnell die eigenen Bedürfnisse.

Schuldgefühle loswerden

Eine gescheiterte Beziehung zu verarbeiten, ist schmerzhaft und erfordert Zeit. Doch egal, ob jemand verlassen wurde oder selbst Schluss gemacht hat: Niemand ist allein Schuld an dem Scheitern einer Beziehung. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt, um Schuldgefühle nach einer Trennung zu überwinden.

In fünf Schritten loslassen

1. Trennungsgründe bewusst machen: Eine Beziehung scheitert nie ohne Trennungsgrund. Sei es, dass einer der Partner fremdgegangen ist, unehrlich war, geklammert hat oder sich einfach beide auseinander gelebt haben. Für wenigstens einen der Beteiligten war die Beziehung nicht mehr erfüllend genug. Machen Sie sich bewusst, dass es nicht reicht, wenn nur einer von beiden glücklich war.

2. Szenen aufarbeiten: Überlegen Sie, welche Situationen besonders an Ihrem Gewissen nagen und zu Schuldgefühlen nach der Trennung führen. Reflektieren Sie aber genauso kritisch das Verhalten Ihres Ex-Partners. Übernehmen Sie Ihren Anteil am Scheitern und lassen Sie seinen/ihren bei ihm/ihr.

3. Sich entschuldigen: Auch wenn die Trennung am Ende die richtige Entscheidung war, bereuen Sie vielleicht die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Partner umgegangen sind. Suchen Sie noch einmal ein klärendes Gespräch, entschuldigen Sie sich und erklären Sie Ihre Beweggründe mit neutralen Worten. Dies können Sie persönlich, aber auch in schriftlicher Form machen.

4. Sich selbst verzeihen: Um inneren Frieden schließen und die Schuldgefühle nach der Trennung überwinden zu können, müssen Sie sich selbst vergeben. Akzeptieren Sie, dass Sie in den betroffenen Situationen so gehandelt haben, wie Sie es für richtig hielten – auch wenn Sie heute vielleicht anders darüber denken.

5. Eigene Bedürfnisse anerkennen: Jeder hat das Recht, in einer Beziehung glücklich zu sein. Folglich hat auch jeder das Recht sich zu trennen. Schließen Sie mit der Vergangenheit ab und verzeihen Sie sich und Ihrem Ex-Partner für das Fehlverhalten – denn mit Schuldgefühlen nach einer Trennung lässt sich keine Beziehung retten. Ein Neuanfang nach der Trennung ist für alle Beteiligten besser, als in einer unglücklichen Beziehung zu verharren.

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