Lesertelefon Extra: Sicherer Sex : Kondom für den Mann, Femidom für die Frau

Kondome schützen nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft, sondern auch vor der Ansteckung mit HIV. dpa
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Kondome schützen nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft, sondern auch vor der Ansteckung mit HIV. dpa

Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen hat in den vergangenen Jahren europaweit zugenommen. Wie werden sie übertragen? Wie kann man sich schützen? Diese und andere Fragen beantworteten gestern unsere Expertinnen.

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30. November 2012, 10:14 Uhr

Die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen (STI, sexually transmitted infections) hat in den vergangenen Jahren europaweit zugenommen. Wie werden sie übertragen? Wie kann man sich schützen? Diese und andere Fragen beantworteten beim gestrigen Telefonforum unserer Zeitung Expertinnen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Fragen und Antworten im Überblick:

Ich bin schwul. Mein Freund und ich haben uns auf HIV testen lassen und dann entschieden, ohne Kondom miteinander zu schlafen. Mein Freund hat aber außer mir noch andere Partner, sodass ich nicht sicher bin, ob er sich irgendwo ansteckt. Sollte ich einen erneuten Test machen?

Das hätte nur Sinn, wenn Sie sich von Ihrem Freund trennen oder Kondome verwenden. Denn sonst könnten Sie sich ja jederzeit bei ihm anstecken. Indem Sie Kondome nutzen, wären Sie auch besser vor anderen sexuellen übertragbaren Krankheiten (STI) geschützt.

Vor ein paar Tagen habe ich kleine Pusteln an meinen Oberschenkeln entdeckt. Kann das darauf hindeuten, dass ich mich mit HIV infiziert habe?

Es gibt keinerlei spezifische Symptome, über die man zweifelsfrei auf eine Ansteckung mit HIV schließen kann. Sie sollten die Hautveränderungen aber einem Arzt vorstellen. Ob man sich mit HIV infiziert hat, lässt sich nur durch einen HIV-Antikörper-Test feststellen. Da sich die Antikörper erst bilden müssen, kann der Test frühestens zwölf Wochen nach dem Risiko eine HIV-Infektion sicher ausschließen. Die Gesundheitsämter bieten den Test anonym an. Der Test wird immer mit einer Beratung verbunden.

Persönliche Gespräche vor oder nach einem Test kann man aber auch mit der HIV-Telefonberatung der BZgA (Telefon 0221/892031) oder mit den Aidshilfen vor Ort führen.

Kann man sich bei intensiven Küssen mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten anstecken?

HIV wird nicht über Speichel übertragen. Selbst wenn Ihr Partner HIV-positiv wäre – für eine Ansteckung reicht die im Speichel enthaltene Menge an HI-Viren nicht aus. Der Austausch von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) ist allerdings beim Küssen möglich. Bei einer Syphilis-Infektion können sich zum Beispiel Geschwüre im Mund bilden, bei einer Tripper-Infektion kann die Rachenschleimhaut entzündet sein. Dann wäre eine Ansteckung auch beim Küssen möglich.

Mein Cousin hat mir erzählt, dass er HIV-positiv ist. Worauf müssen wir in der Familie nun aufpassen?

Bei alltäglichen sozialen Kontakten wird HIV nicht übertragen – weder durch Husten oder Niesen, noch bei der Krankenpflege und auch nicht durch die gemeinsame Nutzung von Toilette und Bad. Eine HIV-Infektion kann nur stattfinden, wenn frisches Blut, Samen- oder Scheidenflüssigkeit, die eine genügend große Menge HI-Viren enthalten, in den Körper eines anderen Menschen gelangen. Wenn sich Ihr Cousin eine blutende Verletzung zuzieht, sollten Sie Latexhandschuhe vor der Wundversorgung anziehen.

Meine Tochter kommt jetzt in das Alter, wo man sexuelle Kontakte zum anderen Geschlecht aufnimmt. Was können wir ihr raten, damit sie sich nicht ansteckt?

Sie können das Selbstbewusstsein Ihrer Tochter fördern, so dass sie stark genug ist, bei sexuellen Kontakten auf der Nutzung von Kondomen zu bestehen. Gegen Hepatitis A und B hilft eine Impfung, ebenso gegen die Humanen-Papilloma-Viren (HPV). Die HPV-Impfung bezahlt für zwölf- bis 17-jährige Mädchen die Krankenkasse.

Mit welchen Methoden kann man sich sowohl vor HIV als auch vor den anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen?

Indem man beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet, schützt man sich vor HIV und verringert die Wahrscheinlichkeit, sich STI zuzuziehen. Für Frauen gibt es Femidome – das ist ein kondomähnlicher Schlauch, mit einem Ring zum Einführen in die Scheide. Der äußere Ring schützt zusätzlich den Scheideneingang. Beim Oralsex kann man das Risiko mindern, indem der Mann Kondome benutzt und indem bei der Frau Dental Dams angewendet werden. Das sind dünne Latextücher, mit denen der Genital- oder Analbereich abgedeckt werden kann.

Hier kann man sich informieren:

– Das Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten ist von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr besetzt. Die Experten sind unter der 01805/555 444 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz) oder über die Festnetz-Nummer 0221/892031 erreichbar. Dort erfahren Sie auch die Adressen der Aidshilfen und der Gesundheitsämter in Ihrer Nähe.
– Kostenlose Info-Materialien zum Thema kann man bei der BZgA unter bzga.de, Rubrik Infomaterial/Aidsaufklärung ansehen und gleich bestellen.
– Unter gib-aids-keine-chance.de oder kurz gakc.de ist die zentrale Website der Aids-Kampagne zu erreichen. Weitere Adressen sind aidsberatung.de, machsmit.de sowie welt-aids-tag.de, unter der man die Plattform für den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember findet. loveline.de ist eine Jugendhomepage zu Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Verhütung.

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