Können Sie Erste Hilfe?

<strong>Bevor der Rettungsdienst</strong> eintrifft, sind oft Ersthelfer am Unfallort gefragt.<foto>dpa</foto>
Bevor der Rettungsdienst eintrifft, sind oft Ersthelfer am Unfallort gefragt.dpa

svz.de von
20. März 2013, 10:21 Uhr

Was tun, wenn es auf der Straße kracht und es Verletzte gibt? Nach schweren Verkehrsunfällen entscheiden oft Minuten über Leben und Tod. Doch um die Erste-Hilfe-Kenntnisse der deutschen Autofahrer ist es nicht gut bestellt, wie eine Studie des ADAC und des DRK ergeben hat. Richtig helfen kann demnach nur jeder Dritte. "Es liegt vor allem daran, dass die Kenntnisse lange zurückliegen", sagte Ralf Resch vom ADAC. "Die Bereitschaft zu Erster Hilfe ist da, aber bei den Fähigkeiten mangelt es gewaltig." Dennoch liegt Deutschland mit der Quote von einem Drittel europaweit an der Spitze. Diese zehn Regeln sollten Helfer im Ernstfall beachten:

1) Unbedingt helfen

Erste Hilfe zu leisten, ist nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Pflicht. Wer bei einem Autounfall mit Verletzten weiterfährt, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. Deshalb gilt: Das eigene Auto mit Abstand zum Unfallort abstellen und Hilfe anbieten. "Es gibt bei der Ersten Hilfe eigentlich keine Fehler. Nur den, nicht zu helfen", sagt Lars Menzel, Erste-Hilfe-Ausbilder der Johanniter.

2) Eigene Sicherheit

"Wenn ich mich selbst in Gefahr bringe, ist niemandem geholfen", sagt Peter Sefrin, DRK-Bundesarzt. Das heißt: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen und nicht auf der Fahrbahn laufen. Auf der Autobahn sollten Helfer hinter der Leitplanke zur Unfallstelle gehen.

3) Unfallstelle absichern

Gerade auf Schnellstraßen passieren oft Folgeunfälle. Deshalb sollte die Unfallstelle sofort abgesichert werden. Dazu stellt der Ersthelfer das Warndreieck auf Landstraßen in 100 Metern, auf Autobahnen in 200 Metern Entfernung auf. Wichtig: Nicht auf die Fahrbahn stellen, sondern an den Rand, sonst könnte es umgefahren werden.

4) Notruf absetzen

Bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten muss möglichst rasch die 112 gewählt werden. Auf Details der Verletzungen komme es zunächst nicht an, sagt Sefrin. Ein grober Überblick genügt: Wo ist der Unfall passiert, wie viele Personen sind verletzt, und sind Menschen bewusstlos?

5) Wiederbelebung

Bei einem Bewusstlosen sollten Helfer sofort kontrollieren, ob der Verletzte noch atmet. Atmet der Patient nicht, muss der Helfer schnell mit der Herz-Druck-Massage und der Beatmung beginnen. Dazu drückt er im Wechsel 30-mal auf den Brustkorb des Verletzten und beatmet ihn 2-mal über den Mund oder über die Nase.

6) Wunden versorgen

Nicht jede Wunde muss vom Ersthelfer versorgt werden. "Man sollte sich auf die stark blutenden Stellen konzentrieren", sagt Sefrin. Beim Versorgen ist es wichtig, Handschuhe zu tragen und nur frisches Verbandzeug zu benutzen. Um die Blutung zu stillen, sollte der Arm oder das Bein hochgelagert werden.

7) Motorradfahrer versorgen

Bei einem Motorradfahrer kann besonders der Helm zur Gefahr werden. Denn bei Bewusstlosigkeit könnte der Fahrer ersticken. Außerdem ist eine Beatmung nicht möglich. Deshalb sollte der Helm in diesem Fall runter - aber sehr vorsichtig, falls die Halswirbelsäule verletzt ist.

8) Schock lindern

Bei Unfällen erleiden die Betroffenen oft auch einen Schock. Erste Anzeichen sind blasse Haut, starkes Zittern oder Schwitzen. Hier hilft es, wenn der Ersthelfer die Beine der Person erhöht lagert.

9) Wärme spenden

Gerade im Schockzustand kühlen Unfallopfer schnell aus - auch an heißen Sommertagen. Deshalb sollten Ersthelfer Verletzte mit einer Wolldecke oder einer Rettungsfolie aus dem Verbandkasten zudecken. Die silberne Seite gehört nach unten.

10) Trösten und Beistehen

Ein schwerer Verkehrsunfall ist für die Opfer - neben den körperlichen Verletzungen - auch eine große psychische Belastung. Deshalb ist es wichtig, dass der Ersthelfer tröstet und beruhigt. "Oft reicht es schon zu sagen, dass man da ist und Hilfe kommt", sagt Menzel.

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