Lesertelefon Extra: Alkohol : Keinen Alkohol gegen den Durst

Nur wer seinen Alkoholkonsum als Problem sieht, kann daran etwas ändern.dpa
Nur wer seinen Alkoholkonsum als Problem sieht, kann daran etwas ändern.dpa

Alkohol ist in Deutschland die am meisten konsumierte legale Droge. Alkoholmissbrauch kann auf Dauer zu körperlichen und geistigen Schäden, zu Problemen in der Familie, bei der Arbeit und im Freundeskreis führen.

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06. September 2012, 10:17 Uhr

Alkohol ist in Deutschland die am meisten konsumierte legale Droge. Leider geht nicht jeder verantwortungsbewusst damit um. Alkoholmissbrauch kann auf Dauer zu körperlichen und geistigen Schäden, zu Problemen in der Familie, bei der Arbeit und im Freundeskreis führen. Die Suchtberater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Heike Ross-Helmig und Thomas Weßling, klärten beim gestrigen Lesertelefon Extra auf. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Mein Mann steht morgens auf und fängt an zu trinken. Der Arzt hat ihm schon gesagt, dass das zu viel ist. Seine Trinkerei macht mich fertig. Er reagiert aber nicht auf meine Bitte, es zu lassen. Ich bin verzweifelt, was soll ich tun?

Wenn Ihr Mann nicht bereit ist, sich zu ändern, dann bleibt Ihnen nur, sich selbst zu verändern, um wieder mehr Freude am Leben zu haben und um zu lernen, mit der Situation umzugehen. Hilfe finden Sie bei Suchtberatungsstellen, die auch Angehörige von Alkoholkranken beraten, und bei Selbsthilfegruppen. Adressen gibt es im Internet, zum Beispiel unter bzga.de oder unter dajeb.de.

Ich habe Angst, dass mich jemand sieht, wenn ich wegen des Alkoholkonsums meines Mannes zu einer Beratungsstelle gehe. Er würde das auch nicht erlauben.

Sie müssen Ihren Mann nicht fragen, ob Sie zu einer Beratungsstelle gehen dürfen. Das tun Sie ja für sich selbst. Denn Sie sehen die Gesundheit Ihres Mannes und den Zusammenhalt der Familie in Gefahr und brauchen Hilfe. In den Beratungsstellen gibt es immer verschiedene Angehörigen-Gruppen, so dass niemand gleich auf ein Alkoholproblem Ihres Mannes schließen kann, der Sie dort hineingehen sieht. Außerdem, die Umwelt weiß meist besser über Alkoholprobleme von anderen Personen Bescheid, als man wahrhaben will. Ich rate Ihnen auch deshalb, eine Beratungsstelle aufzusuchen, weil damit Ihrem Mann klar wird, dass Sie jetzt das Problem von Ihrer Seite aus ernsthaft angehen. Vielleicht setzt sich dadurch auch in seinem Kopf etwas in Bewegung.

Soll ich meinem Mann drohen, auszuziehen, wenn er nicht mit dem Trinken aufhört? Ich befürchte aber, er wird trotzdem weiter trinken.

Überlegen Sie sich genau, ob Sie wirklich willens und in der Lage sind auszuziehen. Leere Drohungen nützen nichts. Wenn es Ihnen wichtig ist, die Partnerschaft aufrecht zu erhalten, können Sie versuchen, innerhalb des Hauses oder der Wohnung Grenzen zu ziehen und sich Ihren eigenen Bereich zu schaffen. Will Ihr Mann mit Ihnen Zeit verbringen, können Sie vereinbaren, dass er nüchtern zu dem Date kommt und dass auch kein Alkohol getrunken wird.

Mein Sohn (53) betrinkt sich jeden Abend. Das macht mich sehr traurig. Was kann ich tun?

Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann. Wenn er sich täglich betrinken möchte, dann kann er das tun. Die Frage ist, ob er darin ein Problem sieht oder nicht. Wenn es für ihn so in Ordnung ist, dann kann ihn nichts auf der Welt daran hindern. Wenn er aber darin selbst ein Problem sieht, kann er seinen Lebensstil ändern. Aber niemand wird kommen und ihm die Hand auf den Kopf legen und ihn so einfach von der Lust auf den Alkohol befreien. Dazu muss er selbst aktiv werden. Hilfe findet er bei Suchtberatungsstellen, die mit ihm Möglichkeiten einer Therapie besprechen und die ersten Schritte einleiten können. Sie können ihm nur sagen, dass Sie sich Sorgen um seine Gesundheit machen und dass Sie gern mit ihm zusammen bis ins hohe Alter leben würden.

Früher trank mein Mann nicht, aber in letzter Zeit kommt er oft betrunken nach Hause. Er verschwindet dann gleich im Bett, überhört meine Vorwürfe. Was soll ich machen?

Mit ihm zu reden, wenn er betrunken ist, hat wenig Sinn. Suchen Sie sich am nächsten Tag ein paar ruhige Minuten und sprechen Sie sachlich über Ihre Beobachtungen in der Nacht. Fragen Sie auch, warum er in letzter Zeit so viel trinkt. Vielleicht finden Sie gemeinsam eine Lösung, wie sich die Situation ändern lässt.

Bis zu welcher Grenze kann der Körper Alkohol tolerieren, so dass er nicht schadet?

Laut Weltgesundheitsorganisation liegt die gesundheitlich unbedenkliche Grenze bei erwachsenen Frauen bei 10 Gramm reinem Alkohol am Tag, bei Männern bei etwa 20 Gramm. Zu Ihrer Orientierung: 10 Gramm reiner Alkohol stecken zum Beispiel in einem Achtel-Liter-Glas Wein, in einem Viertel-Liter-Glas Bier oder in einem doppelten Schnaps. Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein, damit man sich nicht an den Alkohol gewöhnt.

Mein Mann und ich trinken öfter Alkohol und ich nehme an, dass es hin und wieder zu viel ist. Wie könnte man die Menge reduzieren, ohne gleich Abstinenzler zu werden?

Trinken Sie generell immer zuerst mindestens ein alkoholfreies Getränk. Das löscht den Durst und Sie können alkoholische Getränke dann in geringerer Menge und langsamer genießen. Trinken Sie zu oder zwischen alkoholischen Getränken immer Mineralwasser. Benutzen Sie für alkoholische Getränke kleine Gläser bzw. schenken Sie die Gläser weniger voll. Legen Sie ganz bewusst mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche ein. Schaffen Sie es so nicht, weniger zu trinken - dann zögern Sie nicht, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden.

Ich habe zurzeit einen stressigen Job. Ein paar Gläser Rotwein helfen mir abends, mich zu entspannen. Aber ich merke am nächsten Tag, dass ich nicht richtig fit bin. Wie komme ich vom Alkohol weg?

Versuchen Sie andere Entspannungsvarianten: Nehmen Sie ein warmes Bad oder atmen Sie zehnmal am offenen Fenster tief ein, bereiten Sie sich einen beruhigenden Tee zu, laufen Sie eine große Runde um den Block oder fahren Sie eine schöne Strecke mit dem Fahrrad oder schließen Sie sich einer Yoga oder Tai-Chi- oder Walking-Gruppe an. Bestimmt fällt Ihnen selbst noch etwas ein, das Ihnen Entspannung bringen kann. Kommen Sie so nicht weiter, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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