tIPPS FÜR Fluggäste : Keine Entschädigung bei Streik

Stillstand bei Lufthansa: Was Passagiere wissen müssen, wenn ihr Flug durch den heutigen Pilotenstreik beeinträchtigt wird.
Stillstand bei Lufthansa: Was Passagiere wissen müssen, wenn ihr Flug durch den heutigen Pilotenstreik beeinträchtigt wird.

Piloten bestreiken Lufthansa heute zwischen 8 und 24 Uhr. Was Passagiere jetzt wissen müssen:

svz.de von
08. September 2015, 16:14 Uhr

Nach knapp einem halben Jahr Pause müssen sich Passagiere der Lufthansa heute wieder auf Flugausfälle und auch Verspätungen einrichten, weil die Piloten streiken. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder aufgerufen, von morgens 8 Uhr bis Mitternacht die Arbeit niederzulegen.

Grund für den Streik sind erneut gescheiterte Gespräche mit dem Lufthansa-Management über Arbeitsplatzsicherheit und Tarifverträge. Ziel der inzwischen 13. Streikrunde seit April 2014 sind alle Langstrecken-Abflüge aus Deutschland sowie die reinen Frachtflüge.

Wenn wegen eines Streiks Flüge ausfallen oder sich massiv verspäten, sind Fluggäste nicht ohne Rechte. Was Kunden und Passagiere in diesem Fall wissen müssen:

Einschränkungen: Die Lufthansa will nach eigener Aussage trotz des heutigen Streiks möglichst viele Passagiere ans Ziel bringen. Es werde entgegen der Cockpit-Ankündigung ein Großteil der Flüge stattfinden, erklärte ein Konzernsprecher. Dazu wird ein Sonderflugplan veröffentlicht (siehe Infobox).

Außerdem sollen so viele Passagiere wie möglich auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden, um sie doch noch ans Ziel zu bringen. Die Mehrkosten dafür trägt Lufthansa.

Trotz Streik ans Ziel: Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter haben die Verpflichtung, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Sprich: Sie müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans gewünschte Ziel bringen. Verschiebt sich der Flug durch den Streik um wenige Stunden, kann es reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Dauert es länger, müssen die Airline und die Reisveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zum geplanten Ziel transportieren – sofern das möglich ist – oder auf andere Flüge umbuchen. Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Die Lufthansa bietet bei dem aktuellen Streik Umbuchungen sowohl auf andere Airlines als auch auf andere Flugtermine an. Bedingungen für die Umbuchung: Das Ticket für einen Flug am 8. September muss vor dem 7. September 2015 ausgestellt worden sein, und das neue Reisedatum muss am oder vor dem 8. Dezember 2015 liegen. Außerdem dürfen sich Abflugs- und Ankunftsort gegenüber dem ursprünglichen Ticket nicht ändern.

Gestrandet: Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft müssen gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, müssen die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Entschädigung: Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtsprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks der Fall. Eine Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

Pauschalreise: Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadenersatz gibt es jedoch nicht.

Autoren: C. Ebner/ M. Zehender

Info: Auf der Homepage www.lufthansa.com finden Passagiere Informationen und auch den Sonderflugplan. Darüber hinaus steht die Hotline +49 69 86799799 zur Verfügung.

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