Grippeschutzimpfung : Kassen zahlen Vierfach-Impfstoff

Bevor die Grippe-Saison startet, kann man sich jetzt schon dagegen impfen lassen. Foto: dpa/Franziska Gabbert
Bevor die Grippe-Saison startet, kann man sich jetzt schon dagegen impfen lassen. Foto: dpa/Franziska Gabbert

Neue Grippesaison steht vor der Tür - Schutzimpfungsrichtlinie wurde angepasst

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11. September 2018, 05:00 Uhr

In den Apotheken gehen dieser Tage die Lieferungen des Impfstoffes für die kommende Grippesaison ein. Für Kunden der gesetzlichen Kassen gab es bisher keine verbindliche Regelung, ob für Risikogruppen wie Alte oder chronisch Kranke ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden und bezahlen sei. Das ist jetzt anders. Nach der aktualisierten Schutzimpfungsrichtlinie sollen auch diese Kassen die Kosten für einen Vierfach-Impfstoff übernehmen. „Einsatz und Kostenfrage sind endlich geklärt“, zeigt sich der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Detlef Haffke, erleichtert.

Auf vielfache Kritik reagiert

Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, die Vierfachimpfung zur Regelleistung zu machen, folgte vielfacher Kritik daran, dass in der vergangenen Grippesaison nicht alle gesetzlichen Krankenkassen bereit gewesen waren, die Impfung mit dem teureren Vierfachimpfstoff statt mit einem preisgünstigeren Dreifach-Impfstoff zu bezahlen. Die Grippewelle 2017/2018 war mit über 1600 Toten die schwerste seit Jahren in Deutschland. Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) 333 567 Menschen. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten dürfte weit darüber liegen. Fast ein Fünftel der registrierten Grippepatienten (18 Prozent) mussten wegen der Schwere der Erkrankung in eine Klinik eingewiesen werden.

Ein möglicher Grund für die Schwere war nach Ansicht einiger Experten der meist verwendete Dreifach-Impfstoff. Denn in ihm war der in der Saison 2017/18 mit 68 Prozent dominierende Virus Typ B der Yamagata-Linie nicht enthalten. Den breiter wirksamen und teureren Vierfach-Impfstoff mussten die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen aber meist selbst bezahlen. Privatpatienten wurden bereits in der Vergangenheit mit dem Vierfach-Wirkstoff geimpft. Kritiker sahen darin einen Beleg für eine Zweiklassenmedizin.

Nach der neuen Schutzimpfungsrichtlinie haben nun auch folgende Patientengruppen der gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf eine Vierfachimpfung gegen Grippe:

  • alle Personen ab 60 Jahre
  • alle Schwangeren
  • Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z. B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten, z.B. Multiple Sklerose, angeborene oder erworbene Immundefekte oder HIV) sowie
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
    Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierter Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z.B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz.

Geimpft werden sollten laut Haffke im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem:

  • Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal) und
  • Personen in Einrichtungen mit Publikumsverkehr
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können.

Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) , weist aber darauf hin, dass berufliche Indikationen grundsätzlich keine (Pflicht-)Leistung der GKV, sondern Sache der Arbeitgeber seien.
Haffke rät außerdem auch Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln dazu, sich impfen zu lassen. Zwar schütze das nicht vor der Vogelgrippe, doch könnten so Doppelinfektionen vermieden werden. Der KVN-Sprecher weist außerdem darauf hin, dass viele gesetzliche Krankenkassen sogar Grippeschutzimpfungen für Versicherte, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen, als freiwillige Satzungsleistungen anböten. Patienten, die unsicher seien, ob ihre Kasse die Kosten übernehme, sollten unbedingt bei ihrer Krankenkasse nachfragen, meint Haffke. Als optimaler Zeitraum für eine Impfung gelten die Monate Oktober und November. Es dauert bis zu zwei Wochen, bis sich der Impfschutz aufgebaut hat.

Die Dreifach-Grippeimpfstoffe enthalten die Bestandteile von zwei Subtypen des Influenza-A-Virus und eines B-Virus.Im Einzelnen sind das:
 

  • A/Michigan/45/2015 (H1N1)pdm09-like virus,
  • A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)-like virus,
  • B/Colorado/06/2017-like virus,
    Im Vierfachimpfstoff ist zusätzlich die Komponente „B/Phuket/3073/2013-like virus“ enthalten.
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