Verlagsserie rund um die Gesundheit : (K)ein Schlag aus heiterem Himmel

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Ein Schlaganfall kündigt sich häufig an. Mit Schwindel, Taubheitsgefühl und Gesichtsfeldeinschränkungen sollte man deshalb umgehend einen Arzt aufsuchen.

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21. Juni 2012, 10:12 Uhr

Plau am See | Wie ein Blitz aus heiterem Himmel habe jemanden "der Schlag" getroffen, wird oft behauptet - tatsächlich aber kündigt sich ein Schlaganfall oft schon Wochen oder Monate zuvor an, weiß Sabine Fuhrmann, Neurochirurgin am MediClin Krankenhaus Plau am See. Doch Schwindel, Taubheitsgefühl, Gesichtsfeldeinschränkungen oder auch Missempfindungen werden, wenn sie nach kurzer Zeit wieder verschwinden, von den meisten Menschen ignoriert.

Tatsächlich aber können sich dahinter die ersten Anzeichen eines Schlaganfalls oder einer Transitorisch Ischämische Attacke (TIA) verbergen. Beide sind durch dieselben Symptome gekennzeichnet und könnten von Laien daher nicht unterschieden werden, erklärt die Plauer Neurochirurgin.

Häufigkeit
Knapp 270 000 Schlaganfälle ereignen sich nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jährlich in Deutschland, etwa 70 000 davon sind Wiederholungs-Schlaganfälle. Jeder fünfte Schlaganfall-Patient stirbt innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Nach Krebs- und Herzerkrankungen sind Schlaganfälle damit hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Weltweit sind sie sogar die zweithäufigste Todesursache.

Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten behält dauerhafte Behinderungen zurück. Das Durchschnittsalter bei Männern liegt bei 70 Jahren, bei Frauen sind es 75 Jahre. Doch auch Jüngere kann es treffen: Etwa zehn Prozent der Schlaganfälle treten bei unter 40-Jährigen auf. Selbst Neugeborene und Kinder erkranken - etwa 300 im Jahr, so schätzt die Stiftung.

Symptome
Bei den folgenden Symptomen sollten Sie nicht zögern, einen Notarzt zu alarmieren:

>Sehstörungen, insbesondere Einschränkungen des Gesichtsfeldes , Probleme mit dem räumlichen Sehen so wie das Auftreten von Doppelbildern;

>Sprach- oder Sprachverständnisstörungen, also beispielsweise stockendes, abgehacktes Sprechen, aber auch das Verdrehen von Buchstaben oder Silben; die Beeinträchtigungen können so weit gehen, dass Betroffene gar nicht mehr sprechen können; treten Sprachverständnisstörungen auf, begreift der Betroffene nicht mehr, was gesagt wird;

>plötzlich eintretende Lähmungserscheinungen auf einer Körperseite mit dem typischen Merkmal eines herunterhängenden Mundwinkels, auch Taubheitsgefühl oder ein gestörtes Berührungsempfinden;

>Schwindel mit Gangunsicherheit;

>starker Kopfschmerz, mitunter einhergehend mit Übelkeit und Erbrechen.

Ursachen
Ursache eines Schlaganfalls sind in den meisten Fällen durch Blutgerinnsel oder Plaques verstopfte Blutgefäße im Gehirn - Mediziner sprechen dann von unblutigen Schlaganfällen. Etwa jeder fünfte Schlaganfall ist ein blutiger, das heißt, ein Gefäß im Kopf platzt oder reißt, so dass Blut in die Schädelhöhle austritt.

Der Effekt ist in beiden Fällen der gleiche: Es kommt zu einer Minderversorgung der Gehirnzellen mit Blut oder Sauerstoff - und dadurch zu den oben beschriebenen Symptomen. Bei einer Transitorisch Ischämische Attacke bilden sie sich bereits nach kurzer Zeit, spätestens jedoch nach 24 Stunden, zurück, so Sabine Fuhrmann.

So lange sollte aber niemand warten! Denn: "Je länger Hirnareale nicht oder nicht ausreichend durchblutet werden, desto mehr Hirnzellen sterben unwiederbringlich ab", warnt die Medizinerin. Und: "Je länger man wartet, desto mehr wird auch das umgebende Gewebe geschädigt." Zwar könnten andere Hirnareale zumindest teilweise die Funktion der geschädigten mit übernehmen - darauf verlassen sollte sich aber niemand.

Diagnostik
Zwei bis drei, spätestens aber sechs Stunden nach Auftreten der ersten Symptome muss mit der Behandlung begonnen werden, betont Sabine Fuhrmann. In Plau am See, der Klinik in Mecklenburg-Vorpommern mit der ältesten zertifizierten Schlaganfall-Spezialstation (Stroke unit), legt man deshalb Wert auf kurze Wege. Computertomografie (CT), Kernspintomografie und direkte Gefäßdarstellungen durch Angiographie sind in nebeneinanderliegenden Untersuchungsräumen möglich. "Findet man dabei etwas, das die Gefäßblockade ausgelöst hat, kann versucht werden dieses Hindernis zu beseitigen - entweder medikamentös durch systemische Lyse-Therapie oder interventionell über einen arteriellen Katheter", erläutert die Plauer Medizinerin.

Neurochirurgische Fachkenntnis ist besonders bei "blutigen Schlaganfällen" gefragt, dann muss eventuell der Schädel geöffnet werden, um die Blutung stoppen und ausgetretenes Blut entfernen zu können.

Im intensivmedizinischen Spezialbereich der Plauer Stroke unit werden die Patienten anschließend einige Tage rund um die Uhr überwacht und weiter betreut, bevor sie dann in die ebenfalls im Haus befindliche Frührehabilitationsabteilung verlegt werden können. Hier geht es darum, die Patienten wieder zu einem selbstständigen Leben zu befähigen - die einen müssen wieder lernen zu gehen, andere bekommen Sprechtraining oder Unterstützung bei anderen alltäglichen Verrichtungen wie der Körperpflege oder der Nahrungsaufnahme.

Risikofaktoren
Übergewichtige, Raucher, Menschen mit Bluthochdruck, Arteriosklerose, hohem LDL-Cholesterinspiegel und/oder Diabetes sind besonders gefährdet. Auch Stress und Alkoholmissbrauch (und die damit einhergehende Leberschädigung, die die Blutgerinnung verändert) gelten als nicht zu unterschätzende Risikofaktoren.

Durch die - gegebenenfalls auch medikamentöse - Behandlung dieser Grunderkrankungen, vor allem aber durch eine gesunde Lebensweise lassen sich also viele Schlaganfälle verhindern.

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