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Ratgeber

21. November 2017 | 07:39 Uhr

Ratgeber : Ist die Abfindung hoch genug?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht jeder, der einige Jahre vor dem Renteneintritt eine Zahlung erhält, kann sich sicher sein, keine neue Stelle mehr suchen zu müssen

Eine Abfindung erhalten, statt bis zur Rente zu ackern – das klingt attraktiv. Doch lohnt sich das für jeden? Das sei nicht pauschal zu beantworten, sagt Rechtsanwalt Martin Schafhausen aus Frankfurt am Main. Es gebe es viele Konstellationen, in denen Arbeitnehmer durch eine Abfindung Verluste vor und nach Renteneintritt hinnehmen müssten. Das gelte vor allem für Männer und Frauen, die noch mehrere Jahre bis zum Beginn der Altersrente überbrücken müssten. Denn die Auszahlung der Abfindung kann sich auf viele Bereiche auswirken:

Arbeitslosenversicherung:

Hier sollten Arbeitnehmer an mögliche Risiken denken. Denn kündigt der Arbeitgeber nicht von sich aus, kann dies zu einer Sperrfrist von zwölf Wochen führen, bis das Arbeitslosengeld ausgezahlt wird.

Krankenversicherung:

„Solange ich angestellt oder arbeitslos gemeldet bin, bin ich versichert“, erklärt Schafhausen. Wer aber kein Arbeitslosengeld erhalte, müsse sich selbst versichern. Der Beitrag könne dann höher ausfallen als bisher. Die Kosten hängen bei einer sogenannten freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung auch von der Höhe der Abfindung ab. „Muss der Arbeitnehmer sich nach Beendigung seines Beschäftigungsverhältnisses freiwillig weiterversichern, ist die Abfindung bei der Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen zu berücksichtigen“, erklärt Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen in Berlin. Es sei denn, der Betreffende ist über eine Familienversicherung abgesichert und erhält seine Abfindung als Einmalzahlung. Dann werde das Geld in der Regel nicht zum Gesamteinkommen gezählt und der Anspruch auf Mitversicherung bleibe grundsätzlich erhalten, sagt Gottfried. Jeder Fall sei einzeln zu prüfen.

Gesetzliche Rente:

Grundsätzlich können Arbeitnehmer mit 63 Jahren vorzeitig in Rente gehen. Aber nur, wenn man 35 Jahre lang eingezahlt habe, sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Dann müssen sie mit Abschlägen von bis zu 14,4 Prozent rechnen. Doch Vorsicht: Eine Firma dürfe eine Abfindung kürzen, wenn der Angestellte vorzeitig in Rente gehe, sagt Wolfgang Wawro, Experte des Deutschen Steuerberaterverbandes.

Arbeitnehmer sollten gegebenenfalls prüfen, ob sie ihre Mindestversicherungszeit auch erreichen, wenn sie ihren Job vorzeitig aufgeben und keinen neuen annehmen, rät von der Heide. Würden sie diese nicht erfüllen, gäbe es später keinen Rentenanspruch. Wer hier Schwierigkeiten erwartet, kann freiwillig weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Zwischen 84,15 Euro und 1 131,35 Euro pro Monat liegen die derzeitigen Sätze, erklärt von der Heide. „Wer ein Jahr lang den Mindestbeitrag zahlt, erhöht dadurch seine spätere Rente um etwa 4,41 Euro monatlich, beim Höchstbetrag sind es 59,35.“

Steuern:

Bei einer Einmalzahlung könne die Fünftelregelung angewendet und die Steuerlast reduziert werden, sagt Wawro. Aber nur, wenn der Arbeitnehmer durch die Abfindung in dem einen Jahr mehr verdient habe, als er mit einem Einkommen erzielt hätte. Das lohne sich vor allem bei mittleren Einkommen, Großverdiener merkten davon nichts. „Wer mehrere Jahre vor Renteneintritt aufhört, kann mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass die Abfindung über zwei bis drei Jahre gezahlt wird“, rät Wawro. Hier nutze die Fünftelregelung nämlich nichts mehr. Wer allerdings seine Abfindung in dem Jahr erhält, in dem er auch in Rente geht, kann von der Fünftelregelung profitieren. „Es kommt darauf an, wie groß der Abstand zum Renteneintritt ist und in wie vielen Monaten der Arbeitnehmer in dem Jahr schon gearbeitet hat“, erklärt Wawro. Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient von Januar bis Juni 18 000 Euro brutto. Er erhält im Juni oder Juli eine Abfindung von 36 000 Euro und bezieht von Oktober bis Dezember 4 500 Euro Rente. Eigentlich müsse er 15 237 Euro Einkommenssteuer zahlen. Durch die Fünftelregelung seien es aber nur 10 111 Euro, sagt Wawro.

 

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