Serie Finanz-Wissen : In die Bildung investieren

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Teil 16: Die Anlage mit der höchsten Rendite ist das eigene Finanzwissen

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15. Mai 2017, 07:30 Uhr

Bildung ist die Grundvoraussetzung für den beruflichen und damit auch finanziellen Erfolg. Schon in der Schule werden hierfür die Grundlagen gelegt. Auch das Elternhaus kann viel für den finanziellen Erfolg der Kinder tun, indem es sie Werte wie Ehrgeiz, Fleiß, Ausdauer und Zuversicht lehrt und die Kinder nach Kräften unterstützt und fördert. Der Staat steht in der Pflicht, hierbei aktiv mitzuwirken. Leider entwickelt sich das deutsche Bildungssystem im globalisierten und dynamischen Wirtschaftsumfeld kaum weiter.

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Humankapital

Der Begriff Humankapital ist in Deutschland negativ belegt, da er oft auf eine Wertung des Menschen und seiner Leistungsfähigkeit für die Volkswirtschaft reduziert wird. Die Wirtschaftswissenschaft bezeichnet das Humankapital als das auf Ausbildung und Erziehung beruhende Leistungspotenzial der Arbeitskräfte. Der Begriff erklärt sich aus den zur Ausbildung dieser Fähigkeiten hohen finanziellen Aufwendungen und der damit geschaffenen Ertragskraft. Es wird davon ausgegangen, dass Humankapital bewusst durch den Einsatz von Ressourcen (Lernen, Trainieren) produziert werden kann.

Bildung und Ehrgeiz

Die Grafik soll ein Versuch sein, aufzuzeigen, wie sich Bildung als auch Ehrgeiz auf das eigene Humankapital (besser Bruttoerwerbseinkommen bzw. Humanvermögen) auswirken können. So zeigt sie deutlich, dass ein Studium nur dann eine nachhaltige Investition in das eigene Humanvermögen ist, wenn dieses zielgerichtet erfolgt und in einen entsprechend dotierten Job mündet.

Fachkräfte sind gesucht

Die Aussichten, mit einem guten Facharbeiterabschluss einen vergleichsweise guten Job zu bekommen, waren selten so gut. Auszubildende erhalten im Gegensatz zu Studenten während der Ausbildungszeit ein Gehalt. Obwohl nach einem erfolgreichen Studium in der Regel ein höher dotierter Job winkt, bedarf es etliche Jahre, bis ein Student nach dem Abschluss mit seinem kumulierten Gehalt den Facharbeiter einholt. Wird das Studium nicht in der Regelstudienzeit abgeschlossen, verschiebt sich dieser Zeitpunkt noch weiter in die Zukunft.

Unstete Lebensläufe

Zugegeben! Die Grafik setzt eine idealtypische, geradlinige Gehaltsentwicklung voraus, die so in der Praxis nur selten vorkommt. Vorübergehende Arbeitslosigkeit, familiäre Veränderungen aber auch durch Weiterbildung ermöglichte Gehaltssprünge finden hier keine Würdigung. Jedoch zeigt sie ganz deutlich, dass Ehrgeiz und Bildung Grundbedingungen für finanzielle Erfolge sind.

Fortbildung = lebenslange Rendite

Bildung kostet Geld. Doch dieses Geld ist gut angelegt. Für einen Meisterlehrgang oder ein Fernstudium kommen schnell 10 000 Euro an Kosten zusammen. Gut investiertes Geld, wenn dadurch eine Gehaltserhöhung in Aussicht steht. Allein 100 Euro mehr im Monat bedeuten hier 12 Prozent Bruttorendite auf diese Investition. Und das jedes Jahr! Das schafft keine noch so gute Geldanlage.

Viele Arbeitgeber sind sogar bereit, diese Kosten zu übernehmen.

Es geht um Millionen

Wenn es um Finanzplanung geht, sprechen wir von teils mehreren Millionen Euro, die innerhalb des Erwerbslebens verdient werden. Die Investition beginnt schon im Kleinkindalter durch die elterliche Erziehung, geht über die Schule, die Berufsausbildung oder das Studium hinaus bis in das Rentenalter. Ein Teil von Ihrem Humanvermögen erhält der Staat über Steuern und Sozialabgaben. Wie der verbleibende Anteil ausgegeben oder investiert wird, hängt jedoch ganz allein von Ihnen ab. Da jeder verdiente Euro nur einmal ausgegeben werden kann, ist es wichtig, richtige Entscheidungen zu treffen.

Über 70 Prozent Psychologie

Finanzielle Bildung ist zu über 70 Prozent psychologische Bildung. Es ist die Fähigkeit, seinen Lebensinhalt zu finden, Ziele zu formulieren, Lösungswege zu suchen, abzuwägen und umzusetzen. Viele finanzielle Fragen lassen sich nicht nur durch Produkte, sondern oft schon durch eine veränderte Einstellung, Sicht- und Verhaltensweise klären. Eigenverantwortung und Zielstrebigkeit sind für den finanziellen Erfolg notwendig.

Kommentar von Andreas Borsch: Versagen der Politik

Ein Bildungssystem, welches auf verfassungsrechtlich geschützte Kleinstaaterei aufbaut, in dem Chancengleichheit ein Fremdwort ist, in dem Kompetenzen gelehrt werden, die gestern gebraucht wurden, ist für die Zukunft nicht gerüstet. Menschen müssen mehr können als nur Fachwissen. Menschen müssen in der Lage sein, aus der Vielzahl an Informationen das Wichtige herauszufiltern und miteinander verbinden zu können.

Finanzielle Bildung bedarf der Fundierung im Rahmen der ökonomischen Bildung. Wenn private Haushalte finanzielle Dienstleistungen nachfragen, werden sie vor vielfältige Probleme gestellt, wie komplexe und undurchschaubare Produkte oder irreführende Werbung. In der Schule wird das notwendige Wissen kaum vermittelt. Finanzielle Entscheidungen können lebenslange Konsequenzen nach sich ziehen, weshalb möglichst frühzeitig mit der finanziellen Bildung begonnen werden sollte.

Schon 2004 wies Ilse Aigner (damalige Verbraucherschutzministerin) auf die Notwendigkeit der finanziellen Bildung in Schulen hin und präsentierte eine entsprechende Studie. Was ist seitdem passiert? Nichts! Weder auf Bundes- geschweige auf Landesebene. Ein schriftliches Angebot meinerseits dazu an die Bildungsministerin Birgit Hesse im März dieses Jahres blieb bis heute unbeantwortet. Das nenne ich eine klare Botschaft!

Honorarberater Andreas Borsch aus Schwerin ist gelernter Bankkaufmann und seit elf Jahren als Honorarberater für Mandanten in ganz Deutschland tätig. Regelmäßig schreibt er nicht nur Artikel für unsere Zeitung, sondern auch für die Internetseite cashkurs.com von Dirk Müller (Mr. DAX – Börsenprofi, Bestsellerautor, Politikberater). Für die TV-Ratgeberreihen „Markt“ und „Plus-Minus“ stand er ebenfalls schon als Experte zur Verfügung. In unserer Serie beantwortet Borsch auch Fragen unserer Leser. Was passt besser zu meinen Finanzen: Miete oder Eigenheim? Schreiben Sie uns dafür einfach per E-Mail an ratgeber@svz.de.




 

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