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Ratgeber

19. November 2017 | 13:32 Uhr

Ratgeber : Im Taxi ist der Kunde König

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Manchmal wünscht man sich doch, man wäre in ein anderes Taxi gestiegen. Doch was muss sich ein Taxikunde eigentlich gefallen lassen und was darf er für sein Geld verlangen? Experten klären über die Fahrgastrechte auf.

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erstellt am 03.Apr.2012 | 10:19 Uhr

Auf den Sitzen klebt Schmutz, das Auto stinkt nach Zigarettenqualm, und der Fahrer quasselt ohne Punkt und Komma: Manchmal wünscht man sich, man wäre in ein anderes Taxi gestiegen. Doch was muss sich ein Taxikunde eigentlich gefallen lassen und was darf er für sein Geld verlangen? Experten klären über die Fahrgastrechte auf:

Müssen Fahrgäste am Taxistand den Wagen ganz vorne nehmen?

Nein, sie haben freie Wahl. "Hier greift der Grundsatz der Vertragsfreiheit", erklärt Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands. Wer also lieber in eine Mercedes E-Klasse als in eine B-Klasse einsteigen will, muss keine Rücksicht auf die Reihenfolge in der Taxischlange nehmen. Auch bei der Bestellung können Kunden Wünsche äußern und zum Beispiel nach einem Modell mit umweltfreundlichem Hybridantrieb fragen. "Die Taxizentralen werden versuchen, das zu arrangieren - dann kann sich aber die Wartezeit verlängern", gibt die ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner zu bedenken.

Müssen Kunden ein Ekel-Taxi akzeptieren?

Ein Fahrzeug, das innen schmutzig ist oder nach Zigarettenrauch riecht, dürfen Kunden ablehnen. Die Anfahrtspauschale muss in diesem Fall nicht bezahlt werden. Am besten steigen Kunden dann gar nicht erst ein. Denn wer den Zustand eines Taxis erst nach der Abfahrt beanstandet, muss die Zeche bis zu der Stelle zahlen, an der er sich absetzen lässt. "Eine Beförderungsleistung ist dann ja erbracht", sagt Grätz. Seit 2008 gilt in deutschen Taxen ein striktes Rauchverbot. Das heißt, dass der Fahrer auch in Pausen in seinem Wagen nicht qualmen darf.

Können Fahrgäste auf extrem kurze oder lange Touren bestehen?

Kurzstrecken dürfen Taxifahrer nicht ablehnen, selbst wenn die Reise nur wenige Meter zum nächsten Bäcker gehen soll. Bei langen Touren sieht die Sache allerdings anders aus: "Über sein Pflichtfahrgebiet hinaus, das jeweils in der örtlichen Taxiordnung festgelegt ist und mindestens bis an die Stadtgrenze reicht, darf ein Taxifahrer frei entscheiden, ob er eine Tour annimmt", erklärt die Anwältin Daniela Mielchen aus Hamburg. "Mit einem Taxi nach Paris - da muss der Fahrer nicht mitspielen."

Sind Umwege zum Fahrtziel erlaubt?

Nein, der Fahrer muss das Wunschziel des Kunden immer auf dem kürzesten Weg ansteuern. Für Umwege, etwa um eine Baustelle oder einen Stau zu umfahren, benötigt er die Zustimmung des Fahrgastes, erläutert Grätz. Bemerkt der Kunde eine unerwünschte Extratour, sollte er nach der Fahrt unter Vorlage der Ordnungsnummer und einer Quittung mit Start- und Zielvermerk Anzeige erstatten. Weicht der gezahlte Betrag deutlich vom Regeltarif für die Tour ab, gibt es womöglich Geld zurück.

Dürfen weitere Fahrgäste zusteigen?

Nur dann, wenn der Kunde, der den Wagen herausgewunken oder bestellt hat, damit einverstanden ist. Nach eigenem Ermessen darf der Fahrer unterwegs keine weiteren Fahrgäste aufnehmen.

Charts oder Chansons - wer bestimmt die Musik im Wagen?

Auch in einem Taxi ist der Kunde König: Er bestimmt, wie das Auto wohin fährt, ob das Radio läuft oder die Fenster geöffnet werden. Wenn der Taxifahrer Musik hört, die dem Fahrgast nicht gefällt, wenn er in einer Tour quasselt oder während der Fahrt über andere Verkehrsteilnehmer flucht, kann man ihn bitten, das zu unterlassen - und er hat sich daran zu halten.

Darf man Bleifuß-Taxifahrer zur Räson bringen?

Hat ein Passagier das Gefühl, dass der Taxifahrer zu schnell unterwegs ist, sollte er diesen unbedingt auffordern, vom Gas zu gehen, rät Schattenkirchner. Stoße man damit auf taube Ohren, sei das ein triftiger Grund für eine Anzeige bei der Taxizentrale oder dem städtischen Ordnungsamt.

Wo kann man sich über einen Taxifahrer beschweren?

"Unzufriedene Fahrgäste können sich direkt beim Taxiunternehmen, der Taxizentrale oder der städtischen Ordnungsbehörde beschweren", sagt Mielchen. Dafür sollte man die Ordnungsnummer kennen, die auf einem gelben Aufkleber rechts in der Fahrzeugheckscheibe steht. Als Beleg für die Fahrt werde eine Quittung benötigt.

Haben Taxikunden Anspruch auf Kindersitze?

Ein Taxi muss nicht mit Kindersitzen ausgestattet sein. Aber da Kinder einen Anspruch auf Beförderung haben, muss ein Fahrer laut Grätz einen Ersatzwagen mit Kindersitzen anfordern, wenn er selbst keine an Bord hat. Im Taxi müsse von mehreren Kindern, die einen Sitz der Klasse I benötigen (9 bis 18 Kilogramm Körpergewicht), mindestens eines vorschriftsmäßig gesichert sein. Und mindestens zwei von mehreren älteren Kindern müssten einen Sitz der Klasse II (15 bis 25 Kilogramm) bekommen. Babyschalen bräuchten Taxiunternehmen nicht bereitzustellen. Mielchen empfiehlt, beim Bestellen eines Taxis auf mitreisende Kinder hinzuweisen.

Dürfen Hunde im Taxi mitfahren?

Grundsätzlich ja, denn es besteht eine allgemeine Mitnahmepflicht für Tiere. "Wenn der Fahrer aber eine Allergie oder Angst vor einem Hund hat, darf er ablehnen", erklärt Grätz. Dann müsse er aber einen Kollegen anfordern, der die Fahrt übernimmt.

Wie viel Wechselgeld muss ein Taxifahrer bereithalten?

Einige Taxiordnungen der Städte und Landkreise sehen laut Schattenkirchner vor, dass der Fahrer mindestens auf 50-Euro-Scheine, in einigen Fällen sogar auf 100-Euro-Noten Wechselgeld herausgeben können muss - mehr aber auch nicht. Wenn ein Kunde mit einem 200- oder 500-Euro-Schein bezahlen will, sollte er das vorher mit dem Fahrer abklären. Hat ein Taxifahrer zu wenig Wechselgeld dabei, muss er notfalls zu einer Bank oder einer Tankstelle fahren, um zu wechseln. Die Extratour darf er dem Kunden aber nicht berechnen. Auch wer in einem Taxi mit EC- oder Kreditkarte bezahlen will, kündigt das am besten vor der Fahrt an, denn Kartenzahlung ist in vielen Fahrzeugen zwar möglich, aber nicht die Regel, erklärt Mielchen.

Wie viel Trinkgeld ist üblich?

Nach kurzen Fahrten hält es Grätz für angemessen, auf den nächsten Eurobetrag aufrunden, nach längeren Touren auf den übernächsten.

Darf ein Taxifahrer Kunden die Mitnahme verweigern?

Auch Taxifahrer haben Rechte: "Wenn ein Fahrgast eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Fahrbetriebs darstellt, kann ihm die Mitnahme verweigert werden", erklärt Grätz. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Kunden stark betrunken und deshalb in Pöbellaune sind oder eine ansteckende Krankheit haben.

Muss der Fahrer Liebeleien auf der Rückbank dulden?

"Bis zu einem gewissen Maß wird er das tun", sagt Grätz. Kuscheln und Knutschen ist also erlaubt. Schattenkirchner ergänzt: "Der Fahrer hat in seinem Auto sozusagen ein Hausrecht." Deshalb könne er Liebeleien verbieten, wenn es ihm zu viel wird.

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