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Ratgeber

22. November 2017 | 06:54 Uhr

Hilfe bei der Jobsuche

vom

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erstellt am 04.Apr.2012 | 08:56 Uhr

Wer bei der Suche nach einem Job einen privaten Arbeitsvermittler einschalten will, kann seit diesem Monat einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) beantragen. Hintergrund ist die Reform der Arbeitsmarktinstrumente. "Eine wichtige Neuerung betrifft die Erweiterung des Empfängerkreises im Vergleich zum früheren Vermittlungsgutschein", sagt Dirk Wanka vom Landesverband MV des Rings der Arbeitsvermittler. "Nun können auch Nichtleistungsempfänger, Berufsrückkehrer, ehemalige Selbstständige, Beschäftigte in Transfergesellschaften oder Personen, die noch gar nicht arbeitslos sind, aber bereits eine Kündigung haben, einen AVGS beantragen." Wanka befürchtet jedoch, dass das Verfahren in der Umsetzung verkompliziert werde. Die wichtigsten Fakten zur Reform der Arbeitsmarktinstrumente hat Kathrin Neumann zusammengestellt.

Was kann über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein gefördert werden?

Den Gutschein gibt es in drei Varianten - für Maßnahmen bei Trägern, für private Arbeitsvermittlung sowie für Maßnahmen bei Arbeitgebern.

Maßnahmen bei einem Träger: "Dabei werden Kenntnisse erprobt und weiterentwickelt oder geschaut, ob sich jemand für einen Tätigkeitsbereich eignet", erklärt Dr. Manuela Stenzel, Bereichsleiterin bei der Agentur für Arbeit Schwerin. "Ziel und Dauer der Maßnahme sind im Gutschein festgelegt." Damit kann sich der Betreffende selbst auf die Suche nach einem passenden Angebot machen. Daneben gibt es weiter die Möglichkeit, Arbeitsuchende in eine Maßnahme zu schicken.

Maßnahmen bei Arbeitgebern: Sie sollen den Einstieg in Arbeit erleichtern. Der Arbeitgeber kann während einer betrieblichen Trainingsmaßnahme den Arbeit suchenden kennenlernen, kann schauen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten er besitzt. Das Praktikum kann jetzt bis zu sechs Wochen dauern. Auch dabei gilt: Dauer und konkrete Zielsetzung legt der Berater fest und vermerkt sie auf dem Gutschein. Neben den Gutscheinen ist auch weiterhin die Zuweisung in eine Trainingsmaßnahme möglich.

Private Arbeitsvermittlung: Gefördert wird die erfolgsbezogen vergütete Arbeitsvermittlung in versicherungspflichtige Beschäftigung. Die vermittelten Arbeitsverhältnisse müssen mindestens drei Monate dauern und dürfen nicht bei einem Arbeitgeber sein, bei dem man innerhalb der letzten vier Jahre schon einmal gearbeitet hat.

Wer kann den Gutschein bekommen?

Laut Gesetz sind das Ausbildungsuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitsuchende und Arbeitslose. Damit ist der Kreis der möglichen Empfänger deutlich größer als beim alten Vermittlungsgutschein. Es könnten also auch Arbeitnehmer sein, die ihre Kündigung erhalten haben, ehemalige Selbstständige auf Jobsuche, Absolventen von Hoch- und Fachschulen oder Auszubildende, die für die Zeit nach ihrer Ausbildung eine Arbeit suchen, so Manuela Stenzel. Sie können einen Gutschein bekommen - müssen aber nicht. Der Berater prüfe im Rahmen seiner Ermessensausübung, ob die Maßnahme bei der beruflichen Eingliederung helfen würde. Dirk Wanka rät allen Arbeit suchenden, einen Gutschein zu beantragen. Auch bei ALG-II-Empfängern ist er eine Ermessensleistung.

Einen Rechtsanspruch haben nur Arbeitslosengeld-I-Bezieher, die mindestens sechs Wochen arbeitslos sind und drei Monate lang nicht vermittelt wurden. Sie müssen einen Gutschein für die private Arbeitsvermittlung erhalten.

Wo kann man den Antrag stellen?

Egal ob schon Leistungsempfänger oder nicht - der Antrag muss bei der zuständigen Arbeitsagentur bzw. dem örtlichen Jobcenter gestellt werden. Wichtig: "Erst muss der Antrag gestellt werden, dann kann man bei einem Träger oder privaten Arbeitsvermittler unterschreiben", betont Manuela Stenzel. Vorher zu unterschreiben, sich verbindlich anzumelden oder sogar schon mit der Maßnahme zu beginnen, sei förderschädlich.

Wie lange gilt ein Gutschein?

Das wird für Maßnahmen bei Trägern oder Arbeitgebern mit Blick auf das Förderziel individuell festgelegt, so Stenzel. Bei Gutscheinen für die private Arbeitsvermittlung seien es meist drei bis sechs Monate. Danach könnte ein neuer gewährt werden, wenn die Voraussetzungen noch erfüllt sind. "Beim Wechsel in einen anderen Rechtskreis (zum Beispiel von ALG I in ALG II, d. Red.) endet die Gültigkeit immer", erklärt Caren Gospodarek-Schwenk, Geschäftsführerin des Jobcenters Schwerin.

Neben der zeitlichen Befristung lässt das Gesetz auch eine regionale Beschränkung zu. "Wenn ein Spezialist die passende Maßnahme nur in Hamburg findet, wird man das aber nicht tun."

Was hat sich noch geändert?

- Berufliche Weiterbildung: Um sie gefördert zu bekommen, muss man deren Notwendigkeit nachweisen. Bisher waren dazu vier Jahre Tätigkeit in einem ungelernten Bereich nötig. Jetzt werden auf diese vier Jahre auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Pflege Angehöriger und der Kinderbetreuung angerechnet.

- Eingliederungszuschuss: Er wird an Arbeitgeber gezahlt, um die konkrete Minderleistung des eingestellten Arbeitnehmers, die über eine normale Einarbeitung hinausgeht, finanziell auszugleichen. Er kann bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgeltes betragen und bis zu zwölf Monate lang (bei Älteren ab 50 bis zu 36 Monate) gezahlt werden. Einen Eingliederungsgutschein gibt es nicht mehr.

- Zweiter Arbeitsmarkt: "Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt (zumeist rund 900 Euro, d. Red.) und den Beschäftigungszuschuss gibt es nicht mehr", so Caren Gospodarek-Schwenk. Neu sei dafür die Förderung von Arbeitsverhältnissen. Langzeitarbeitslose mit mindestens zwei in der Person liegenden Vermittlungshemmnissen können mit bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgeltes gefördert werden. Die Förderdauer ist auf maximal 24 Monate innerhalb von fünf Jahren begrenzt. Die Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung - besser bekannt als 1-Euro-Job - gibt es weiter.

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