Ratgeber: Die Maschen der Langfinger : Gelegenheit macht Taschendiebe

Wenn Kinder zu Taschendieben werden, sollten Eltern mit ihnen über eine 'Wiedergutmachung' reden. dpa
Wenn Kinder zu Taschendieben werden, sollten Eltern mit ihnen über eine "Wiedergutmachung" reden. dpa

Die großen Weihnachtsmärkte haben ihre Tore geöffnet. In Einkaufszentren und Innenstädten wird der Trubel von Tag zu Tag größer. Paradiesische Zustände für Langfinger. Wir haben deren häufigsten Tricks zusammengestellt.

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26. November 2010, 08:19 Uhr

In Rostock und Schwerin haben die großen Weihnachtsmärkte ihre Tore geöffnet. In Einkaufszentren und Innenstädten wird der Weihnachtstrubel von Tag zu Tag größer. Paradiesische Zustände für Langfinger. "Taschendiebe lieben Gedränge und unübersichtliche Menschenmengen", sagt Kriminalhauptkommissar Michael Schubbe von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Schwerin. "Stadtfeste, Public Viewing und Adventsmärkte bieten ihnen günstige Gelegenheiten - und genau die benötigen sie." Schubbe geht davon aus, dass die Täter planvoll vorgehen. Ganz genau weiß man das nicht immer. "Die Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl ist sehr gering." Wer nicht um sein Weihnachtsgeld erleichtert werden möchte, müsse einfach besser sein als die Ganoven. Rein äußerlich ist ein Taschendieb nicht von einem harmlosen Passanten zu unterscheiden. "Es kann auch der ältere Herr im Anzug sein", so Schubbe. Wer den Wettlauf mit den Langfingern dennoch gewinnen will, muss deren Maschen kennen und die Rollen, in die sie schlüpfen. Wir haben die häufigsten Tricks zusammengestellt. Eines habe alle gemein: "Die Taschendiebe müssen die Distanz, die fremde Menschen zueinander für gewöhnlich halten, überbrücken."

Der Tourist

Ein angeblicher Besucher der Stadt erkundigt sich nach einem - möglichst komplizierten - Weg. Damit das Opfer richtig abgelenkt ist, wird ein großer Stadtplan vor ihm ausgebreitet. Während man mit dem Finger über die Landkarte wandert und schön abgelenkt ist, greift der Komplize zu.

Der Rempler

Beim Einsteigen in die Straßenbahn oder auf der Rolltreppe wird man angerempelt. Während sich der Schubser wortreich entschuldigt, sich erkundigt, ob man sich etwas getan habe, geht ein zweiter Täter an die Tasche. "Wird man angerempelt, ist es durchaus sinnvoll, sofort nachzufassen, ob noch alles am richtigen Platz ist", sagt Michael Schubbe. "Im Gedränge sollte man bewusst auf seine Sachen achten."

Der Tolpatsch

Mit einer leckeren Bratwurst in der Hand stolpert der Entgegenkommende dem Opfer direkt in die Arme. Der Senf landet auf der Jacke. Natürlich macht sich der Tolpatsch sofort daran, den Fleck zu bekämpfen und sich tausendfach zu entschuldigen. Die Distanz ist überbrückt, der fingerfertige Taschendieb - oder aber ein Mittäter - kann sich bedienen.

Der Frager

"Wissen Sie, wo die Cornflakes stehen?" Mit dieser oder ähnlichen Fragen werden potenzielle Opfer im Supermarkt abgelenkt. Während sie überlegen und erklären, kann sich ein Komplize an der Handtasche bedienen, die im Einkaufswagen steht. "Die Handtasche einschließlich Portmonee im Einkaufswagen zu deponieren, ist eine weit verbreitete Angewohnheit", sagt Michael Schubbe. "Aber damit liefert man Langfingern Gelegenheit, auf die sie sonst warten müssen."

Der Geldwechsler

Ein 2-Euro-Stück in 50-Cent-Stücke umzutauschen - so eine kleine Bitte kann doch kein Mensch abschlagen. Wenn das Opfer das Münzfach des Portmonees geöffnet und die 50-Cent-Stücke herausgefischt hat, legt der Mann das 2-Euro-Stück ins Portmonee - und bedient sich gleichzeitig bei den Scheinen.

Der Tischnachbar

Die Kleidung im Café an die einige Meter entfernte Garderobe zu hängen, ist vielen viel zu gefährlich. Sie hängen die Jacke lieber über ihren Stuhl. Doch im eigenen Rücken hat man sie naturgemäß noch weniger im Blick. Setzt sich der Dieb an den nahen Nebentisch, kann er sich mit einem Griff nach hinten leicht bedienen.

Der Bettler

Diese Masche ist besonders mies, weil damit in der Regel Kinder in die Spur geschickt werden. Stoßen sie auf einen hilfsbereiten Mitmenschen, halten sie ihr Bettelschild so weit über die geöffnete Geldbörse, dass sie sich unbeobachtet bei den Scheinen bedienen können.

Der Helfer

"Darf ich Ihnen die Tasche abnehmen?" Welcher Senior will bei so einem Angebot schon "Nein" sagen. Doch der vermeintliche Helfer schafft die Treppen viel schneller und hat auch noch Zeit, in den Taschen nach dem Portmonee zu suchen. "In vielen Fällen haben die Täter die Opfer vorher an der Supermarktkasse beobachtet", sagt Michael Schubbe. "Deshalb sollte man beim Bezahlen da rauf achten, dass nicht jeder sehen kann, wie viel Geld im Portmonee ist."

"Wer sich vor Taschendieben schützen will, sollte immer auf die natürliche Distanz zu anderen Passanten achten", rät Michael Schubbe und gibt weitere Tipps, wie man sich vor dreisten Langfingern schützen oder im Falle eines Falles den Schaden gering halten kann. "Man sollte nur so viel Geld mitnehmen, wie man für das Einkaufen braucht", betont der Kriminalhauptkommissar. "Außerdem muss man nicht alle Kredit- und ec-Karten dabeihaben." Papiere, Portmonee und ec-Karten trägt man am besten verteilt und nah am Körper, idealerweise in verschlossenen Innentaschen. Auch Brustbeutel und Geldgürtel sind zu empfehlen. Taschen sollten verschlossen sein und mit dem Verschluss zum Körper hin getragen werden. Dabei werden sie am besten fest unter den Arm geklemmt oder vorn getragen. Wer zusammen mit Nachbarn oder Freunden zum Shoppen geht, steht im Ernstfall nicht allein da.

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