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Ratgeber

25. November 2017 | 06:33 Uhr

Gefürchtetes Punktekonto

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2011 | 06:01 Uhr

Das Prinzip ist klar: Bei vielen Verkehrsdelikten drohen Punkte auf dem Flensburger Konto. Nur echte Raser aus der Kategorie "Tempo 100 vor dem Kindergarten" haben ein prall gefülltes Punktekonto in Flensburg? Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Auch viele andere Verkehrssünden können den Punktestand in die Höhe treiben, vor allem bei Wiederholungstaten.

Mit diesem "Flensburg", von dem häufig die Rede ist, ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit Hauptsitz in der Ostseestadt gemeint, das das Verkehrszentralregister verwaltet. "Für jedes Verkehrsdelikt mit einem Bußgeld von 40 Euro oder mehr gibt es einen Eintrag im Register", sagt KBA-Sprecher Stephan Immen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Punktzahl und Bußgeldhöhe - nach dem Motto: 80 Euro gleich 2 Punkte - besteht aber nicht. Wer zum Beispiel bei Nebel ohne Licht fährt, zahlt 40 Euro und bekommt 3 Punkte. Wer sich dagegen nicht an die Kindersitzpflicht hält, muss ebenfalls 40 Euro bezahlen, erhält aber nur 1 Punkt. Vielen sei nicht klar, dass zum Beispiel auch falsches Parken mit bis zu 50 Euro und 1 Punkt geahndet werden könne, wenn dadurch Rettungsfahrzeuge behindert werden, sagt Katharina Bauer vom ADAC. Wiederholungstäter können sogar empfindlicher zur Kasse gebeten werden, weil Behörden und Gericht einen gewissen Spielraum haben. Einzig auf die Anzahl der Punkte haben auch sie keinen Einfluss.

Generell kursiere im Bereich der Verkehrsdelikte viel gefährliches Halbwissen: So sei die Promillegrenze von 0,5 den meisten bekannt. Nur wenige denken aber daran, dass auch bei geringeren Promillewerten auffälliges Fahrverhalten als Trunkenheitsfahrt gewertet und entsprechend bestraft wird.

Wie viele Punkte es wofür gibt, kann im Internet abgerufen werden. Dort findet sich auch ein Formular, mit dem der aktuelle Punktestand erfragt werden kann. Wer 8 oder mehr Zähler gesammelt hat, erfährt das automatisch: Dann gibt es eine erste Verwarnung der Behörde. Abbauen lassen sich Punkte durch ein freiwilliges Aufbauseminar bei einer Fahrschule. Ein solcher Kurs entlastet das Konto um bis zu 4 Punkte. Er kann aber nur einmal alle fünf Jahre besucht werden. Wer 14 oder mehr Punkte gesammelt hat, wird zum Aufbauseminar verpflichtet.

Die andere, deutlich günstigere Methode zum Punkteabbau ist regelgerechtes Fahren. Einträge aus Ordnungswidrigkeiten werden nach zwei Jahren gestrichen, Punkte aus Straftaten je nach Schwere des Delikts nach fünf oder zehn. "Voraussetzung ist aber, dass es in dieser Zeit keinen weiteren Eintrag gab", sagt Stephan Immen. Wer also jedes Jahr einmal beim Rasen oder einem anderen Delikt erwischt wird, schleppt unter Umständen auch noch die Verkehrssünden von vor zehn Jahren mit sich herum.

Ab 18 Punkten gibt es vor einem Fahrverbot kein Entrinnen: Automatisch wird dann die Fahrerlaubnis entzogen. Betroffene müssen mindestens sechs Monate auf ihren Führerschein verzichten. Um sie zurückzubekommen, ist in der Regel eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) erforderlich. Für besonders schwere Delikte wie Unfallflucht oder Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss kann die Fahrerlaubnis auch schon eher einkassiert werden.

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