Gefährlicher Filmriss

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20. November 2009, 11:12 Uhr

"Trink nicht so viel, bleib nicht so lange und steig nicht zu Fremden ins Auto" - Eltern geben ihren Kindern viele Tipps, bevor diese am Abend ausgehen. Wer tanzt und sich amüsiert, trinkt oft nebenbei. Was für die meisten bisher kein Thema war, ist, das Getränk an der Bar auch im Auge zu behalten. Denn sogenannte K.-o.-Tropfen, klammheimlich in den Drink gekippt, machen jeden innerhalb kürzester Zeit zum willenlosen Opfer.

Die enthaltenen Wirkstoffe machen je nach Dosierung hilflos, handlungsunfähig, bewusstlos und können sogar zum Tod führen. Straftäter nutzen diese Hilflosigkeit. Erst im Nachhinein bemerken die Opfer, dass sie im Dämmerzustand ausgeraubt oder gar sexuell missbraucht wurden.

K.-o.-Tropfen sind meist flüssig und farblos. Durch den Eigengeschmack des Getränkes lassen sie sich nicht herausschmecken. Erste Symptome sind Schwindel und Übelkeit. Sie treten etwa zehn bis zwanzig Minuten nach der Einnahme auf. Zunächst können die Subs tanzen euphorisierend und enthemmend wirken. Dann setzt eine plötzliche Müdigkeit ein. Erst nach Stunden kommt der Betroffene wieder zu sich und fühlt sich extrem verkatert. Viele berichten von einem totalen Filmriss. Meist gibt es ein böses Erwachen.

Unerklärliche Schmerzen und Verletzungen Die Opfer spüren, dass etwas geschehen ist, sie haben Schmerzen und Verletzungen, die sie sich nicht erklären können. Die Ungewissheit darüber, was passiert ist, macht vielen zu schaffen.

Die Beweislage ist schwierig, weil die Tropfen nur für kurze Zeit im Körper nachweisbar sind. Doch genau in diesem Zeitraum sind die Betroffenen nicht handlungsfähig. Das persönliche Schamgefühl der Opfer verhindert, dass sie zur Polizei gehen.

Auch wenn in diesem Jahr nur ein einziger Fall in Mecklenburg-Vorpommern bekannt ist - "Wie hoch die Dunkelziffer ist, wissen wir nicht", sagt Olaf Seidlitz, Sprecher des Landeskriminalamtes. Ein 29-jähriger Mann hatte bei einem Volksfest in Boizenburg Kindern Bier mit K.-o.-Tropfen angeboten. Erst als zwei 13-jährige Jungen davon gekostet hatten, verriet er, dass dem Getränk der unerlaubte Zusatz beigemischt war. Polizeibeamte stellten das Fläschchen sicher, der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Hagenow verantworten.

Seidlitz rät, bei Partys, in Diskotheken und bei anderen Verantstaltungen keine offenen Getränke von Fremden entgegenzunehmen und diese nicht unbeobachtet stehen zu lassen. Manchmal sind die Täter auch in Gruppen unterwegs. Der eine sorgt für ein Ablenkungsmanöver, während der Komplize die K.-o.-Tropfen ins Getränk schüttet.

Wenn es schon zu spät ist und Schwindel und Übelkeit eingesetzt haben, sollte man Freunde oder das Personal um Hilfe bitten. Das Gleiche gilt, wenn man offenbar ohne Grund völlig enthemmt und euphorisch ist - auch wenn es Spaß macht. Im Übrigen sollte man lieber seinem Instinkt vertrauen. Wer sich auf einer Party unwohl fühlt, sollte sie verlassen.

In Mecklenburg-Vorpommern spielen K.-o.-Tropfen vor allem als Partydroge eine Rolle. Der Wirkstoff GHB steht für Gamma-Hydroxy-Buttersäure, in der Partyszene wird die Substanz auch "Liquid Ecstacy" genannt. GHL, einst als Narkosemittel entwickelt, wird heute aber in der Medizin kaum noch angewendet.

Mit der Internetseite ko-tropfen-nein-danke.de will das "Netzwerk Kontra K.O.-Drogen Berlin" auf diese Gefahr aufmerksam machen und zeigen, wie man sich davor schützen kann. Junge Leute, Eltern und Pädagogen finden hier Informationen. Die Macher der Seite geben weitere Tipps, wie man verhindert, dass man selbst oder Begleiter Opfer solcher K.-o.-Attacken werden. Auch Maßnahmen für den Fall, dass man plötzlich die Wirkung eines Betäubungsmittels verspürt, und Ratschläge für Opfer solcher Delikte finden sich auf der Seite.

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