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Ratgeber

21. November 2017 | 01:58 Uhr

Ratgeber : Gefährliche Irrtümer über Zecken

vom

Sie sind winzig klein, aber sehr gefährlich: Zecken können Krankheiten wie Borreliose und die noch gefährlichere Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen. Nach wie vor halten sich einige gefährliche Irrtümer:

svz.de von
erstellt am 25.Aug.2012 | 02:43 Uhr

Sie sind winzig klein, aber sehr gefährlich: Zecken können Krankheiten wie Borreliose und die noch gefährlichere Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Mehr als 1700 Borreliose-Fälle wurden in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr registriert, fast 400 mehr als 2010. Vor fünf Jahren waren es gerade 569 Fälle. Nach wie vor halten sich einige gefährliche Irrtümer:


Zecken lassen sich im Wald vom Baum fallen
Das sind gleich zwei der am weitesten verbreiteten Irrtümer über die Spinnentiere überhaupt: Spaziergänger fürchten sich immer wieder vor Zecken, die angeblich in den Baumkronen der Wälder sitzen und sich von dort auf die Wanderer fallen lassen. Das Risiko, am Ziel vorbei zu fallen und anschließend wieder viele Meter zurück in die Baumkronen klettern zu müssen, wäre für die kleinen Tierchen aber viel zu groß. Die Wahrheit ist viel simpler: Die kleinen Achtbeiner sitzen nicht in den Baumkronen, sondern auf niedrigen, nur bis zu etwa eineinhalb Meter hohen Gräsern, Büschen und Sträuchern. Sie sind also auch auf Wiesen und in Parks anzutreffen und nicht nur im Wald. Das ist nämlich schon der zweite Irrtum. Von diesen Pflanzen lassen sich die Zecken ganz leicht abstreifen, wenn der Spaziergänger vorbeigeht. Mit dem sogenannten Hallerschen Organ können sie bestimmte Bestandteile des Schweißes wie Buttersäure und Ammoniak, aber auch das ausgeatmete Kohlendioxid registrieren und so ein potenzielles Opfer erkennen.


Zecken muss man herausdrehen
Da fragt man sich nur: links herum oder rechts herum oder ist das egal? In Wahrheit weisen weder der Stechapparat (Hypostom) noch die Mundwerkzeuge ein Gewinde auf und so muss man die Tiere auch nicht in irgendeine Richtung drehen. Am besten löst man eine festsitzende Zecke mit einer speziellen Zeckenzange, die einen immer enger werdenden Schlitz aufweist. Damit wird die Zecke möglichst weit vorne am Kopf eingekeilt und dann gezogen. Wichtig ist, dass man den Kopf mit erwischt und dieser nicht in der Wunde stecken bleibt.

Normale breite Pinzetten quetschen den Zeckenleib und drücken so mögliche Krankheitserreger zu einem gewissen Teil sogar noch in die Wunde. Feinmotoriker können auch mit sehr spitzen Pinzetten gute Ergebnisse erzielen, da sich die Tiere damit sehr genau fassen und handhaben lassen. Eine kleine Lupe kann dabei hilfreich sein. Übrigens ist es wichtig, möglichst schnell zu handeln und zwar sobald eine Zecke entdeckt wurde. Im Gegensatz zu den FMSE-Erregern wird zumindest die Borreliose erst zeitversetzt nach mehreren Stunden übertragen. Wer schnell genug ist, kann das verhindern.


Mit Klebstoff lassen sich zecken besonders gut lösen
Der Effekt ist der gleiche wie beim Quetschen mit einem ungeeigneten Werkzeug: Die Zecke wird (tödlich) verletzt, hat zuvor aber noch reichlich Zeit, Krankheitserreger in die Wunde zu übertragen. So schnell stirbt so eine Zecke nämlich nicht. Die Spinnentiere sind robuste Naturen und wahre Überlebenskünstler. Im Labor haben Wissenschaftler schon Exemplare untersucht, die zehn Jahre lang überlebten, ohne auch nur ein einziges Mal Nahrung zu sich zu nehmen.


Waschmaschinenwäsche tötet Zecken zuverlässig ab
Forscher haben herausgefunden, dass die meisten Zecken sogar Waschmaschinenwäschen bis zu 40 Grad Celsius unbeschadet überstehen können. Erst ab 60 bis 70 Grad Celsius wurden die Achtbeiner im Versuch wirklich zu 100 Prozent abgetötet. Wasser ist ohnehin ungeeignet, sich der Zecken zu entledigen. Versuche haben gezeigt, dass die Achtbeiner unter Wasser sogar mehrere Wochen überleben können, ihre Larven häuteten sich im Labor sogar im Wasser. Selbst 24 Stunden im Gefrierfach mit minus acht Grad Celsius überstanden die meisten Tiere unbeschadet. Erst minus 20 Grad brachten nach 24 Stunden eine 100-prozentige Mortalität.


Entfernte Tiere schnellstens wegwerfen
Das kann nach hinten losgehen. Ist die Zecke nicht tot, lebt sie auch im Papierkorb oder Mülleimer noch weiter und stellt dort immer noch eine potenzielle Gefahr dar. Manche Mediziner empfehlen sogar, die Zecken, die sich schon festgesaugt haben, nach dem Entfernen in einem ausbruchsicheren Frühstücksbeutel einzuschließen und sie dann einzufrieren. So lässt sich das Spinnentier später noch im Labor auf eventuelle Krankheitserreger untersuchen. Wegwerfen kann man sie danach immer noch. Der Abfluss des Waschbeckens ist allerdings keine gute Idee, denn Wasser kann den Tierchen so schnell nichts anhaben.


Zeckenspray ist die beste zur Vorsorge
Leider kann kein Spray und auch kein Hausmittelchen (Knoblauch) einen 100-prozentigen Schutz vor Zecken bieten, auch wenn Teilerfolge möglich sind. Am besten ist es, sich auch während des Spazierganges mehrfach gegenseitig abzusuchen und dabei möglichst auch auf die winzig kleinen Nymphen zu achten. Festes, geschlossenes und vor allem hohes Schuhwerk sowie enganliegende Kleidung sind ebenfalls hilfreich. Für Hunde gibt es inzwischen gut wirksame Präparate, die die Zecken abhalten bzw. beim Stechen sofort absterben lassen.


Man kann man sich gegen Zeckenbisse impfen lassen
Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen. Allein die Lyme-Borrelliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können zu gefährlichen Hirnhaut- und Gelenkentzündungen, Herzerkrankungen, Lähmungen und sogar zum Tod führen. Wer oft im Wald oder in hohem Gras unterwegs ist, kann sich impfen lassen. Aber auch eine Impfung gewährt keinen sicheren Schutz vor allen Krankheitserregern, die Zecken übertragen können.

FSME ist nicht behandelbar, Borreliose hingegen ist zwar mit Medikamenten behandelbar, muss aber auch erst einmal als solche erkannt werden. Hinweise kann (muss aber nicht) die sogenannte Wanderröte geben, ein bis zu faustgroßer roter Fleck um die Einstichstelle herum, oft mit hellerem Zentrum.

Allerdings trägt nicht jede Zecke automatisch auch gleich sämtliche Krankheitserreger in sich. FMSE-Übertäger sind vor allem aus Süddeutschland bekannt, Borreliose allerdings können die Tiere in ganz Deutschland in sich tragen.

 

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