Gefährliche Blutsauger im Unterholz

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Zecken sind nicht nur extrem wiederstandsfähig. Sie übertragen auch gefährliche Krankheiten auf ihren Wirt. ddp

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26. Juli 2010, 06:21 Uhr

Sie sitzen an Gräsern, Farnen und anderen Pflanzen - bevorzugt im Unterholz von Laub- und Mischwäldern, Parkanlagen, naturnah angelegten Gärten und überall dort, wo die Luftfeuchtigkeit besonders hoch ist. Hier lauern Zecken auf Menschen oder Tiere, von deren Blut sie sich ernähren können. Das Tückische: Beim Blutsaugen können die Zecken Bakterien oder Viren aufnehmen, die beim nächsten Stich auf den nächsten Wirt übertragen werden können. In Mitteleuropa sind es vor allem zwei Krankheiten, die durch den Holzbock - die hier am häufigsten vertretene Zeckenart - weiter verbreitet werden können: die durch einen Virus ausgelöste Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und die durch ein Bakterium verursachte Borreliose.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden in diesem Jahr bereits 427 Borreliose-Infektionen gemeldet, so die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus), Anja Neutzling. "Im Vorjahr hatten wir zum gleichen Zeitpunkt 225." Regionale Häufungen gäbe es nicht, die Infektionen seien aus fast allen Landkreisen gemeldet worden.

Bevölkerung und Ärzte mehr für Thema sensibilisiert

Warum die Fallzahlen sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt haben, kann auch im Lagus niemand mit Bestimmtheit sagen: Eine mögliche Erklärung ist Neutzling zufolge, dass den Zecken sowohl bei den Ärzten als auch bei der Bevölkerung insgesamt mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Es könne sich also um eine relative Zunahme handeln, weil mehr Erkrankungen diagnostiziert würden. "Eine absolute Erhöhung der Fallzahlen ließe sich mit der Klimaerwärmung und der sich dadurch vergrößernden Zeckenpopulation erklären - gibt es mehr Zecken, steigt auch die Gefahr, mit einer Borrelien tragenden Zecke in Berührung zu kommen", so die Lagus-Sprecherin. Abzuwarten bleibe die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf: "Der Borreliose-Erkrankungsgipfel lag in Mecklenburg-Vorpommern sowohl 2008 als auch 2009 im August", weiß Anja Neutzling.

Positiv ist immerhin die Bilanz in Sachen FSME: Von den im vergangenen Jahr deutschlandweit 313 gemeldeten Krankheitsfällen betraf kein einziger Mecklenburg-Vorpommern. Das Gros der Fälle wurde dem Berliner Robert-Koch-Institut zufolge in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen registriert - wer dort lebt, aber auch, wer eine Urlaubsreise in diese Risikogebiete plant, sollte sich gegen den FSME-Erreger impfen lassen. Impfstoff ist, anders als zum Teil in zurückliegenden Jahren, gegenwärtig hierzulande ausreichend vorhanden, versichert Anja Neutzling.

Dass die zurückliegende Hitzephase die Zecken-Population verkleinert haben könnte, ist nach Ansicht der Mitarbeiter des Instituts für durch Zecken übertragbare Krankheiten im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd unwahrscheinlich: Die Tiere seien extrem widerstandsfähig und könnten zwei bis drei Jahre ohne Wirt überleben, so Institutsmitarbeiter Björn Horitz. Auch der lange, kalte Winter und das kühle Frühjahr hätten ihnen nichts anhaben können. In den letzten besonders heißen Wochen hätten sich die Blutsauger wie die meisten Menschen an schattige Plätze zurückgezogen. Denn hohe Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit seien für die Parasiten in der Tat lebensbedrohlich: Ohne Flüssigkeit würden sie regelrecht austrocknen. Deshalb hätten sie sich nicht nur an schattige, feuchte Plätze zurückgezogen, die Blutsauger hätten ihre Nahrungssuche auch überwiegend auf die kühleren Morgenstunden beschränkt.

Mit langer Kleidung und Repellents schützen

Jetzt aber sind Holzbock und Co. wieder den ganzen Tag über aktiv. Anja Neutzling rät daher zu konsequentem Zeckenschutz - denn gegen den Borreliose-Erreger gäbe es keine Impfung. Hier helfe nur, lange, helle, geschlossene Kleidung und feste Schuhe zu tragen. Bei kleinen Kindern sollte eine Kopfbedeckung dazu kommen. Für Spaziergänger jeden Alters sei es empfehlenswert, die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Unbedeckte Körperstellen sollten mit Zecken abwehrenden Mitteln (Repellents) geschützt werden. Ratsam sei es, nicht von Wegen abzuweichen und insbesondere dichtes Unterholz, Gebüsch und hohes Gras zu meiden. Nach jedem Spaziergang sollte man den Köper gründlich nach Zecken absuchen. Am Folgetag sollte man diese Sichtkontrolle sicherheitshalber wiederholen.

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