Blüht im Winter : Zaubernuss-Samen fliegen ähnlich wie Gewehrkugeln

Die Blüten einer chinesischen Zaubernuss hängen an den Zweigen der exotischen Pflanze in einem Garten. /dpa
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Die Blüten einer chinesischen Zaubernuss hängen an den Zweigen der exotischen Pflanze in einem Garten. /dpa

Die Blüten der Chinesischen Zaubernuss sehen spektakulär aus. Besonders ausgeklügelt verschleudert die Pflanze auch ihre Samen. Freiburger Forscher erinnert das an Gewehrkugeln.

svz.de von
07. August 2019, 11:16 Uhr

Die Samen der Chinesischen Zaubernuss fliegenähnlich wie Gewehrkugeln durch die Gegend. Das schreiben Forscher derAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg im «Journal of the Royal SocietyInterface».

Das weggeschleuderte Saatgut kann dabei mit deutlich mehrals 20.000 Umdrehungen pro Minute rotieren. So werde der Flug derSamen stabilisiert, und es werde eine effektive Ausbreitungerleichtert. Das Saatgut erreiche eine maximale Geschwindigkeit von12,3 Meter pro Sekunde, umgerechnet 44,3 Kilometer pro Stunde. DieForscher haben zudem berechnet, dass die Samen bei optimaler Flugbahnbis zu 18 Meter weit herausgeschleudert werden.

Die Untersuchung belege erstmals detailliert, wie die ChinesischeZaubernuss sich verbreite, sagte Hauptautor Simon Poppinga derDeutschen Presse-Agentur. An der Studie sei rund ein Jahr gearbeitetworden. Die in Teilen Chinas heimische Zaubernuss ist den Expertenzufolge auch in Deutschland eine beliebte Zierpflanze mit im Winterduftenden gelben Blüten.

Im Gegensatz etwa zum Springkraut würden die Samen nicht durch eineExplosion in die Umgebung geworfen. Bei der chinesischen Zaubernussseien die Samen von einer holzigen Kapsel umgeben. Diese trockne mitder Zeit aus, schrumpfe und verforme sich. «Dadurch entstehen eingroßer Druck auf die Samen sowie eine Auswurfmechanik, durch dieSamen mit enormer Wucht in die Luft geschleudert werden», sagtePoppinga. «Die Früchte der Pflanze wirken wie trocknendeQuetschkatapulte, die ihre Samen mehrere Meter entfernt ausstoßen.»Dieses komplexe Naturphänomen erleichtere die effektive Freisetzungdes Saatguts.

Entstanden sei die Studie durch Zufall. Die Pflanze, die ingemäßigten Breiten als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendetwird, gebe es auch in Freiburg im dortigen Botanischen Garten derUniversität. Als ein Zweig mit Früchten in einem Büro der Uni stand,habe es regelmäßig geknallt und Samen seien durch die Luft geflogen.«Diesem Phänomen wollten wir dann auf die Spur kommen.»

Die Studie liefere die Grundlage für weitere Untersuchungen, sagteThomas Speck, ein weiterer Studienautor. Die Mechanik der Pflanze,die für den Katapultwurf der Samen sorge, könne technischenEntwicklungen ein Vorbild sein. Zudem könne die Art der Ausbreitungdieser Pflanze zum Beispiel für Umweltschutz und zum Erhalt andererbedrohter Pflanzenarten weiter erforscht werden.

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