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Garten und Blumen

23. November 2017 | 10:41 Uhr

Kolumne : Visitenkarten des Loslassens

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beate Schöttke-Penke über die Zeichen des ganz normalen Werdens und Vergehens.

Den Duftjasmin am Südgiebel unseres Hauses haben wir im Februar vor 19 Jahren gepflanzt. Notiert in meinem ersten Garten-Tagebuch, auf der ersten Seite. Die folgenden enthalten zahlreiche Visitenkarten von Pflanzen, die es in unserem Garten heute nicht mehr gibt. Die Clematis ‘Niobe’ pflanzte ich im April des gleichen Jahres an der Vorderfront des Hauses. Heute weiß ich, ich hätte für sie einen schattigeren und feuchteren Platz auswählen müssen. Mit den einjährigen Zwergstrohblumen, Strandflieder, Papierknöpfchen und Judaspfennig wurden in den Anfangsjahren erste brach liegende Flächen besät. Hier sind seit Jahren nun langlebige Stauden angesiedelt. Mit der Pflanzung des Hundszahns und der scharlachroten Anemone Coronaria ‘Hollandia’ im November 1998 hatte ich kein Glück – an ein Blühen im Jahr darauf kann ich mich nicht erinnern. Auch die Ansiedlung der weißen Herbstanemone ‘Honorine Jobert’ 2004 glückte nicht; Jahre später erst im zweiten Anlauf. Im August 2006 pflanzte ich einen weißen Hibiskus syriacus ‘Red Heart’. Auf dem Pflanzschild im Garten-Tagebuch ist der stolze Einkaufspreis von 75 Euro vermerkt. Das Gehölz zählt heute ebenfalls nicht mehr zum Inventar unseres Gartens. Bei der Staudengärtnerin meines Vertrauens erwarb ich im Herbst 2007 einen Blutwurz mit weißer Blüte – beim besten Willen kann ich mich nicht daran erinnern, wohin ich ihn gepflanzt und was aus ihm geworden ist.
Bei dem Gartenschriftsteller Jürgen Dahl las ich jüngst, dass die Visitenkarten der Pflanzen für ihn Bilder des Todes seien, Totenzettel. Ich sehe es positiver: Die Notizen in meinem Garten-Tagebuch sind Zeichen des ganz normalen Werdens und Vergehens. Zu den Tugenden des Gärtnerns gehört eben nicht zuletzt auch das Loslassen!

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