Kolumne : Unkraut jäten mit Begeisterung?

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28. Juni 2015, 23:18 Uhr

Wieviel Gärtner haben Sie, fragte mich kürzlich ein Gartenbesucher. Ich antwortete auf die Frage, die ich in letzter Zeit häufiger gestellt bekomme, mit meinem üblichen Spruch: „Ich habe einen fleißigen Mann!“ Und dachte mir gleichzeitig: Ich bin auch nicht faul. Der Gartengast seufzte lautstark: „Der Arme!“ Normalerweise argumentiere ich in solchen Momenten, dass wir uns freiwillig für unseren großen Garten entschieden haben, dass wir die Arbeit darin als erfüllend erleben. Im Fall des besagten Besuchers hatte ich allerdings das Gefühl, dass diesen meine Worte vielleicht erreichen, aber bestimmt nicht überzeugen würden. Beim Nachdenken über die Begebenheit fiel mir ein Zitat der britischen Schriftstellerin Virginia Woolf ein. Sie schrieb einmal: „Den ganzen Tag Unkraut gejätet und die Beete fertig gemacht in einer eigentümlichen Art von Begeisterung, die mich dazu brachte, zu sagen: Das ist Glück!“ Gärtner wissen sicher, wovon die Rede ist. Ob der Gartenbesucher auch jemals diesen Enthusiasmus empfunden hat?



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