Bestattungskultur : Tomatenpflanzen auf dem Grab

Warum nicht Tomaten auf dem Friedhof pflanzen, wenn sie eine besondere Bedeutung für den Verstorbenen hatten?
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Warum nicht Tomaten auf dem Friedhof pflanzen, wenn sie eine besondere Bedeutung für den Verstorbenen hatten?

Gartenbauingenieur und Buchautor Christoph Killgus spricht sich im Interview für individuelle Gestaltung der letzten Ruhestätte aus

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24. September 2017, 21:00 Uhr

Auf deutschen Gräbern herrscht Ordnung. Pflanzen in Reih und Glied. Warum, fragt sich Buchautor und Gartenbauingenieur Christoph Killgus. Damit spricht er sich im Interview mit Simone A. Mayer nicht für die Vernachlässigung der Gräber aus, sondern plädiert für deren individuelle Gestaltung.

Sie haben ein Buch zur Grabgestaltung geschrieben. Warum ist es lohnenswert, sich um ein Grab zu kümmern?

Christoph Killgus: Viele empfinden die Verantwortung für ein Grab eher als Last. Zum einen, weil es eben etwas ist, wonach man gucken muss. Zum anderen, weil man oft die Vorstellung hat, man muss bestimmte Vorschriften einhalten. Es muss ordentlich aussehen, und wenn das nicht der Fall ist, gucken einen die Leute komisch an. Viele haben das Gefühl, sie müssen es genauso wie die anderen machen und sich einfügen in diese Gemeinschaft auf dem Friedhof. Dabei kann es Freude machen, wenn man das Grab ein Stück weit als eigenes und ganz persönliches Gärtchen ansieht – gerade wenn man in der Stadt außer Balkon und Terrasse sonst keine Grünfläche hat.

Sie schlagen vor, das Grab für das Hobbygärtnern zu nutzen?

Ja, es ist ein kleiner Garten. Ich glaube, es ist ein erster hilfreicher Schritt, es so zu nennen. Denn Garten ist ein Wort, das viel positiver besetzt ist als Grab. Der andere große Ansatz ist zu sagen, ich gestalte diesen kleinen Grabgarten so persönlich, wie ich das bei einem anderen Garten auch tun würde. Hier kann man Pflanzen setzen, die man gerne mag. Oder man hatte eine enge Beziehung zu dem, der gestorben ist, und bringt mit dem, was man auf das Grab pflanzt, ein Stück weit die Verbundenheit zum Ausdruck. Vor allem am Anfang kann das Trauerbewältigung sein.

Wie kann das aussehen?

Wenn der Verstorbene Imker gewesen ist, setze ich Pflanzen, die Bienen anziehen – so dass es auf dem Grab summt und lebendig ist durch diese kleinen Bienchen. Oder er hatte einen Bezug zur Landwirtschaft – warum dann nicht in einer Ecke Weizen säen? Das mag vielleicht gestalterisch nicht der absolute Hit sein, aber damit wird die Bepflanzung persönlich. Oder eine Nachbarin hat für das Grab ihres Mannes eine Rose aus dem Vorgarten verpflanzt. Die hatte ihm besonders gut gefallen.

Gilt das nur für Pflanzen? Nein, ich denke da an meine eigene Oma, die einen ausgehöhlten Naturstein im Vorgarten hatte. Das ist ihr Grabstein geworden. Und jeder aus der Familie erkennt sofort, das ist ihr Stein. Und jeder denkt damit auch an das Frühere im Vorgarten. Persönlich gestalten kann man auch mit einer Farbe, zu der die Person eine besondere Liebe hatte.

Wenn ich auf Symbole verzichten möchte, wie könnte die etwas andere Grabgestaltung dann aussehen? Sehr viele Leute mögen heute eher etwas Naturhaftes. Aber auf den Friedhöfen sieht man picobello gestaltete Gräber, alle Pflanzen sind gleich groß und stehen in Reih und Glied. Es darf auf dem Grab auch mal etwas naturhafter und wilder aussehen. Das ist kein Plädoyer für eine Vernachlässigung, aber es ist auch überhaupt nicht schlimm, wenn im Herbst mal auf einem Grab buntes Herbstlaub liegt.

Das kann doch wunderbar sein! Es gibt hier oft reflexartige Pflegegedanken, weil die anderen Leute meinen könnten, dass das unordentlich aussieht. Aber wenn es einem gefällt und wenn der Verstorbene gerne im Wald spazieren gegangen ist, was gibt es Schöneres, als wenn etwas buntes Herbstlaub auf dem Grab liegt?

Schränken Friedhofsverwaltungen die Grabbepflanzung ein?

Die Satzungen sind ortsabhängig. Aber sie sind in letzter Zeit zunehmend lockerer geworden. Es gibt ein publik gewordenes Beispiel: Letztes Jahr hat eine Frau in Bayern auch aus persönlichen Gründen eine Tomate auf ein Grab gesetzt. Die Stadtverwaltung hat gesagt, das geht nicht. Aber die Öffentlichkeit hat sich sehr auf ihre Seite gestellt. Dann war die Tomate doch möglich.

Simone A. Mayer

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