Kolumne : Komm ins umblühte Haus

Bei einem Besuch in einem Garten bei Bremen fotografierte ich jüngst einen lauschigen Pavillon mit der Botschaft über der Tür: Komm in mein umblühtes Haus!

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01. März 2016, 15:00 Uhr

Bei einem Besuch in einem Garten bei Bremen fotografierte ich jüngst einen lauschigen Pavillon mit der Botschaft über der Tür: Komm in mein umblühtes Haus! Schöner hätte die Einladung nicht formuliert sein können. Sich niederlassen zwischen Farben und Düften, eine gute Tasse Kaffee oder Tee genießen, ein gutes Gespräch führen, sich der Muße hingeben – das alles verspricht, dem Paradies ein Stückchen näher zu kommen.
In diesen Tagen nun stieß ich beim Stöbern in fremden Gartenbücherregalen erneut auf die Worte. Ein Buch über Lauben, Pavillons und Gartenhäuser in Fotografie und Literatur war so überschrieben. Der Lyriker und Kunstschriftsteller Dieter Hoffmann verweist darin auf eine Gedichtzeile von Gottfried Benn, die für den Buchtitel variiert worden sei. Dabei habe der Dichter gar kein Haus gehabt, weder Wohnhaus noch Gartenhaus noch Laube. Stattdessen blickte er von seiner Wohnung aus auf die Straße, von seiner Praxis als Arzt für Hautkrankheiten auf einen dunklen Berliner Hinterhof. „Sein Ithaka“, schreibt Dieter Hoffmann, „war reine Illusion, Sehnsuchtsmotiv, Gegenwelt, Erinnerung an den lange verlassenen elterlichen Pfarrgarten.“

Beim Lesen dieser Worte ging mir durch den Kopf, wie erfüllend es doch ist, wenn man im Leben einen realen Sehnsuchtsort gefunden hat. Ein eigenes Haus vielleicht. Besser noch ein umblühtes!

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