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Entspannung im Garten : Grubbern und Graben machen glücklich

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erstellt am 12.Apr.2013 | 12:02 Uhr

Gewichte stemmen, joggen oder auf dem Ergometer strampeln - um frisch in den Frühling zu starten und dabei auch noch abzunehmen, kann man fleißig Sport treiben. Muss man aber nicht unbedingt. Gartenarbeit tut es auch. Dabei ist man nicht nur an der frischen Luft und tankt - je nach Wetterlage - viel Sonnenlicht, sondern verbrennt auch ordentlich Kalorien.

Hackt zum Beispiel ein 70 Kilogramm schwerer Mann rund eine halbe Stunde Holz, sind mehr als 200 kcal weg. Beim Graben und Kompostieren verbraucht er etwa 175 kcal, beim Rasenmähen 192. Selbst das Pflanzen und Unkrautjäten verbrennen mit jeweils rund 160 kcal noch einiges an Energie. "Gartenarbeit ist Muskelarbeit und Bewegung zugleich", sagt Privatdozent Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie an den Helios Kliniken Schwerin. "Außerdem macht sie Spaß und tut deshalb der Psyche gut."

Das sieht Thomas Henschel, der in Rostock eine Praxis für Gartentherapie betreibt, genauso. Dabei geht es nicht darum, Kranke durch ein bisschen Herumpusseln in der Erde von ihrem Leiden abzulenken. "Gartentherapie ist die bewusste Anwendung gärtnerischer Tätigkeiten bei bestimmten Krankheitsbildern", definiert er den Ansatz, der so neu gar nicht ist. "Schon um 1900 wurden viele Kliniken, Heime und Irrenanstalten so gebaut, dass sie von Gärten oder Parks umgeben waren, oft sogar über eine Gärtnerei verfügten, wo die Patienten oder Bewohner gärtnerisch tätig waren", so Henschel. In den USA gibt es sogar das Berufsbild des Gartentherapeuten mit zertifizierten Ausbildungswegen.

Gärtnern beeinflusst den Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise. Die frische Luft, die Sonne und die Bewegung selbst sorgen für thermische Reize. Die Pflanzen wirken mit ihren Farben, Düften, ihrem Geschmack oder ihren heilenden Kräften positiv auf den Menschen. "Außerdem erlebt man als Gärtner den Spannungsbogen von der Aussaat bis zur Ernte mit, greift bewusst in die Prozesse in seiner Umgebung ein", erklärt der Gärtner und Landschaftsarchitekt. "Und man hat Erfolgserlebnisse. Denn die Pflanze wächst fast garantiert, egal wie man sie eingesetzt hat. Die Natur gleicht Fehler aus."

Weil man sich bei der Gartenarbeit auf eine Tätigkeit konzentrieren muss und einfache Handgriffe wiederholt erledigt, ohne groß darüber nachzudenken, kann man dabei auch Stress und Spannungen abbauen. "Das hat fast schon etwas Meditatives", sagt der Therapeut. Gartenarbeit ist sehr vielseitig. Beim Aussäen von Löwenmäulchensamen werde die Feinmotorik geschult, während das Umgraben eine schweißtreibende Arbeit ist, bei der man ordentlich zupacken muss.

Vor allem bei psychosomatischen Erkrankungen wie Burnout, Depressionen oder Stress-Erscheinungen, bei denen Körper und Seele betroffen sind, ist die Gartentherapie ein möglicher Behandlungsansatz. Aber auch in der Rehabilitation, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, in der Altenpflege oder bei der Versorgung von Dementen sei sie hilfreich. Thomas Henschel, der bei seinem Therapieangebot mit dem Botanischen Garten in Rostock kooperiert, geht daher auch in Pflegeheime - selbst wenn diese keinen Garten haben. "Dann pflanze ich mit den Bewohnern eben Tomaten in Töpfe, die sie dann pflegen können", erklärt der Therapeut.

Vor mehr als 15 Jahren, als er die Außengestaltung einer Reha-Klinik plante, hatte Thomas Henschels Weg zum Gartentherapeuten begonnen. "Die Außenanlagen sollten nicht nur das äußere Bild des Hauses verschönern, sondern den Patienten Ansätze bieten, aktiv zu werden", erinnert sich der Landschaftsarchitekt. "Mit diesem Ziel haben wir damals viele interessante Gespräche geführt." Auch wenn es damals nur bei den Gesprächen blieb - der Ansatz, Menschen mit Hilfe von Gartenarbeit zu helfen, ließ Thomas Henschel nicht mehr los. Wohl auch, weil die Gartentherapie eine Brücke zwischen seinen beiden Berufen schlägt. Bis vor zwei Jahren absolvierte er dann eine berufsbegleitende Weiterbildung an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien.

Stress abbauen, Spaß am Werden und Wachsen haben, sich bewegen, Farben, Formen und Gerüche genießen - all das wirkt nicht nur auf psychisch Kranke positiv, sondern auf jeden Menschen. Laut einer Studie der University of Texas reduziert Gartenarbeit sogar das Lungenkrebsrisiko - bei Nichtrauchern um rund 50 Prozent, bei ehemaligen Rauchern immerhin um 40 Prozent. Und in der Fachliteratur wird sie als eine Form von Bewegung empfohlen, die das persönliche Risiko für Adipositas, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.

Damit die private Gartentherapie jedoch nicht Rücken und Gelenke ruiniert, sollte man beim Buddeln, Schnippeln, Jäten, Pflanzen und Grubbern ein paar Tipps beachten:

1. Aufrechte Haltung

Häufig werkeln Hobbygärtner mit gekrümmtem Rücken in der Erde herum, um sich nach getaner Arbeit mit schmerzverzerrtem Gesicht und in die Hüften gestützten Händen langsam wieder in die Senkrechte zu begeben. Wer sein Rückgrat schonen möchte, sollte möglichst aufrecht arbeiten. Dazu müssen die Stiele der Arbeitsgeräte lang genug sein. Deshalb ist es gut, wenn Harke, Hacke und Co. einen verstellbaren Stiel haben, der an die Größe jedes Familienmitglieds angepasst werden kann. Bei Spaten und Schaufeln empfehlen sich ergonomisch geformte Modelle, die die Last verringern. Auch beim Spaten ist die Höhe wichtig. Er sollte nur bis zur Hüfte gehen. Ist er höher oder niedriger, wird die Arbeit anstrengender. Zudem sollten die Arbeitsgeräte nicht zu schwer sein.

2. Rückenschonend heben

Blumen gießen, Kübelpflanzen schleppen, Säcke mit Kompost holen - im Garten sind häufig schwere Dinge zu bewegen. Wer seine Knochen schonen will, kann sich diese Arbeiten aber leichter machen. Den Blumenkübel sollte man nicht allein schleppen, sondern zumindest zu zweit. Noch besser ist es, ihn in der Schubkarre zu transportieren. Beim Heben sollte man mit geradem Rücken in die Knie gehen und die Last dicht am Körper heben. Auch beim Gießen lassen sich die Belastungen minimieren. Statt einer Zehn-Liter-Kanne kann man eine Fünf-Liter-Kanne nehmen - macht fünf Kilogramm weniger. Noch besser ist es, mit dem Gartenschlauch von Beet zu Beet zu ziehen. Und bei einigen Schlauchwagen muss man sich nicht einmal zum Aufrollen des Schlauches bücken.

3. Knieschoner verwenden

Nicht alle Arbeiten lassen sich im Stehen erledigen. Besser als hocken oder knien ist es, sich auf einen kleinen Stuhl zu setzen und Geräte mit etwas längerem Stiel zu nutzen. Wer ganz nach unten will, sollte nur ein Knie auf den Boden setzen - und dafür ein Polster benutzen. Im Handel gibt es Kissen, Knieschoner zum Überstreifen und auch Arbeitshosen, in die die Schoner eingearbeitet sind. Zwischendurch sollte man immer mal aufstehen oder die Haltung verändern. Übrigens: Wer Hochbeete hat, kann sich das Knien und Hocken ganz ersparen.

 

 

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