Kolumne : Garten ohne Einwanderer?

Von Beate Schöttke-Penke

svz.de von
20. März 2016, 23:16 Uhr

In diesen Zeiten, in denen das Fremde, und wie viel wir davon zulassen wollen, die Nachrichten bestimmt, versuche ich mir meinen Garten vorzustellen ohne die Gewächse, die Pflanzenjäger aus aller Welt nach Europa und in unsere Gärten gebracht haben. Ohne Narzissen beispielsweise, die im 17. Jahrhundert aus Südwesteuropa und Nordafrika in die Kultur kamen, wäre der Frühling in unserem Garten nur halb so schön. Ohne Kartoffeln, Tomaten und Gartenbohnen, die spanische Eroberer aus Südamerika mitbrachten, wären wir um delikate Gartengenüsse beraubt. Ohne Prärielilien, die ursprünglich nur Nordamerika bevölkerten, wäre unsere Wiese unter Obstbäumen im Mai ohne blaue Wogen. Ohne Zierlauch, deren Vorfahr einst als Ackerlauch wild im Mittelmeerraum wuchs, würden unseren Staudenbeeten wichtige Akzente fehlen. Ohne Phlox, Rote Sonnenhüte, Goldrute und Astern, die allesamt in den Prärien Nordamerikas beheimatet sind, würde das große Beet am Schwimmteich im Hochsommer nicht so spektakulär blühen können. Und ohne Hortensien, Chinaschilf oder die geliebten Funkien aus Ostasien würde unserem Garten Wesentliches fehlen.
In drei großen Wellen, so las ich jüngst, kam über die Hälfte aller Gehölze, Zwiebelgewächse, Stauden, Bäume und Büsche, die wir heute pflanzen, nach Europa. Mein Garten ohne Einwanderer? Kaum vorstellbar. Und wahrscheinlich ziemlich trostlos!

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