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Was Blumen aussagen : Ein bunter Strauß voller Symbolik

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erstellt am 13.Feb.2013 | 05:57 Uhr

Blumen sagen bekanntlich, und nicht nur am Valentinstag, mehr als tausend Worte - aber was eigentlich genau? Die sogenannte "Sprache der Blumen", bei der jeder Blume eine bestimmte Bedeutung zugemessen wird, geht auf Lady Mary Wortley Montagu zurück, die den Blumen-Code Anfang des 18. Jahrhunderts im Orient entdeckte und zuerst in England, später dann in der ganzen Welt bekannt machte. Heute ist er jedoch bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Was eine rote Rose zu sagen hat, weiß wohl jeder, oder auch ein Vergissmeinnicht. Bei weißen Lilien und auch weißen Nelken wird es schon schwieriger. Aber zumindest die älteren Floristen werden wohl nie auf die Idee kommen, weiße Blumen in einen Valentinstagsstrauß mit einzubinden, gelten diese doch traditionell als Grabschmuck.

Auch wenn sich beim Blumenbinden heutzutage immer mehr der Gedanke durchsetzt "erlaubt ist was gefällt", so war das doch keineswegs immer so. Im viktorianischen England, aber auch in Deutschland, den Niederlanden, in Frankreich und Amerika kursierten gleich mehrere Bücher und unzählige handschriftliche Listen über die verborgene Symbolik der Blumen.

Margeriten stellten die Geduld auf die Probe

Jeder einzelnen von ihnen wurde darin eine bestimmte Bedeutung zugemessen, mit der sich Liebende versteckte Botschaften zukommen lassen konnten. Schneeglöckchen etwa wurden laut Mary Chaunceys Buch "Das Blumengeschenk" von 1853 überreicht, um Trost zu spenden, wohingegen Margeriten dem Beschenkten bedeuteten, er möge sich doch bitte noch eine Weile gedulden. Wer Glück hatte, fand als Dank für so viel Rücksichtnahme in seinem Blumenstrauß dann vielleicht sogar noch Portulakröschen, die "wollüstige Liebe" versprachen. Mit ein bisschen Phantasie konnten Liebende auf diese Art und Weise umfangreiche und fein nuancierte Nachrichten austauschen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes indirekt "durch die Blume gesagt". Daher auch die Redewendung.

Die "Sprache der Blumen" erfreute sich schnell großer Beliebtheit und so entwickelte sie sich im 18. und 19. Jahrhundert vor allem von England ausgehend zu einer weltweiten Mode, die bald immer ausgefeiltere und seltsamere Blüten trieb. Nicht nur die Blume selbst, auch ihre Farbe und ihr Alter transportierten geheime Nachrichten und Anspielungen. Von Bedeutung konnte auch sein, wie und wo die Dame von Welt ihr Blumenbouquet zu einem festlichen Anlass trug: direkt über dem Herzen oder lediglich ins Haar gesteckt?

Am Anfang des weltweiten Trends stand die Orientreise der Lady Mary Wortley Montagu, deren Gatte Edward Wortley Montagu 1716 britischer Botschafter am Osmanischen Hof in Istanbul wurde. Hier in der Türkei stieß die Lady erstmals auf den Blumen-Code, der später durch ihre öffentlich gemachten Briefe zuerst in England, dann in der ganzen Welt bekannt wurde.

Eine Blume - viele Widersprüche

Einen zweiten Urheber des blumigen Trends haben Historiker wie die US-Amerikanerin Susan Loy ebenfalls in der Türkei ausfindig machen können, und zwar in Aubry de la Mottraye, der sich am Hofe des schwedischen Königs Karl XII. aufhielt, welcher zu Beginn des 18. Jahrhunderts dort einige Jahre im Exil verbracht hatte.

Susan Loy geht allerdings nicht nur davon aus, dass der in der Türkei aufgefundene Blumen-Code seine Wurzeln in noch weitaus älteren persischen Quellen hat, sondern auch, dass diese blumige Sprache eigentlich nur in der Literatur verwendet wurde, etwa um in Gedichten die Reime etwas aufzupeppen. "Einer der verbreitetsten Irrtümer ist es, zu glauben, dass es in der Vergangenheit einen Konsens über die Bedeutungen gegeben hätte, die jeder kannte", sagt Loy. "Das ist ganz sicher nicht so." Mehr noch: "Niemals war die Sprache der Blumen eine verbreitete Art der Kommunikation. Wenn überhaupt, dann wurde sie nur von Poeten verwendet", ist sich die Expertin sicher.

Interessanterweise gelte das aber nicht nur für die alten türkischen und persischen Quellen, meint Loy, sondern eben auch für die zahlreichen handschriftlichen Listen und Bücher mit Blumen-Codes, die im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug um die ganze Welt antraten. Denn "ganz im Gegenteil sogar gibt es viele unterschiedliche Deutungen, und jede Kultur assoziiert eben etwas ganz anderes mit den verschiedenen Blumen".

Hinzu kommt noch, dass aufgrund der Beliebtheit der Blumen-Codes schnell jeder von jedem abschrieb und etwas hinzudichtete, so dass bald für jede einzelne Blume ein heilloses Durcheinander unterschiedlicher Bedeutungen, sowie gewollter und ungewollter Mehrdeutigkeiten existierte, die sich oft sogar widersprachen. So konnte etwa die Blüte der Aloe vera einmal "Sorgen und Niedergeschlagenheit" bedeuten, ein anderes Mal "Aberglaube" oder "Verbitterung" oder "vom rechten Glauben abkommen". Und heutzutage denken wir bei Aloe vera vielleicht doch wohl eher an Hautpflegeprodukte als an eine Blume, die uns etwas sagen will.

Dennoch: So ganz freimachen können wir uns auch heute nicht von der Sprache der Blumen und ihrer Symbolik. Ein schöner großer Strauß mit frischen roten Rosen wirkt eben doch ganz anders als ein alter welker Kopfsalat, oder?

 

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