Der Gärtner im Zwiespalt

svz.de von
13. Juli 2015, 10:07 Uhr

„Ich habe die Lust zu reisen gegen einen Rosenstrauch eingetauscht“, sagte einmal Hugo von Hofmannsthal und brachte damit den Zwiespalt des Gärtners auf den Punkt. Der nämlich will in der Regel nicht weg aus der eigenen Idylle, weil er ja dann zu viel verpassen würde, weil der Garten nachher schrecklich aussieht und weil es doch im eigenen Garten genug zu erleben gibt. Wilhelm Busch, ein großer Gartenfreund, meinte einst, das Erleben der eigenen Scholle sei „nicht weniger bemerkenswert als Alpen und Meer, als Japan und China“. Zuweilen jedoch wird der Tapetenwechsel verlockend. Wenn der Gärtner fremde Gärten besuchen kann, ist er nämlich in seinem Element. Dann gilt die Maxime La Rochefoucalds: „Trennung vermindert die mittelmäßigen und verstärkt die großen Leidenschaften.“ Und manchmal, vielleicht sogar oft, kehrt der Reisende dann zurück wie einst die britische Schriftstellerin und Gärtnerin Vita Sackville-West: „Ich brachte von einem solchen Besuch so viele Ideen heim, dass ich mir wie ein überschäumendes Sektglas vorkam. So viele, dass ich nicht weiß, wo ich beginnen soll.“

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