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Garten und Blumen

18. Oktober 2017 | 13:26 Uhr

Kolumne : Der Boden zieht die Sorgen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Beate Schöttke-Penke

An der Hauswand blüht in diesen Tagen erstmals die Clematis ‘Blekitny Aniol’, mit hellblauen, an den Rändern gewellten Blüten. Die polnische Sorte hatte ich im letzten Jahr in der Clematisgärtnerei Münster erworben, bei einer Reise mit Gartenfreunden. Gern erinnere ich mich an die mittägliche Stunde, als wir bei strömendem Regen in der Gärtnerei ankamen und uns die Mitarbeiter großzügig ihren Arbeitsraum überließen. Inmitten von Erde und Pflanzenschnitt am Boden bereiteten wir unser Picknick aus und genossen die regensichere Stunde und unser Beieinandersein.
Auch in diesem Jahr war mit den Gartenfreunden ein Ausflug geplant. Die Fahrroute stand, Verabredungen waren getroffen und langsam stieg die Vorfreude. Doch einen gemeinsamen Tag wird es so nicht mehr geben. Eine Gartenfreundin war im Krankenhaus, schon auf dem Weg der Genesung und ist dann plötzlich gestorben.
Für solche Nachrichten gibt es kaum Worte; sie hauen einem die Füße weg und man fragt nach dem WARUM. Geht in den Garten, arbeitet vor sich hin, kehrt mit den Gedanken immer wieder zu der Nachricht zurück, erinnert sich an gemeinsame Momente, an die Eigenart des jetzt nicht mehr Lebenden, sucht nach Trost.
Eine Gartenbesitzerin gestand mir einmal, dass sie den Tod des eigenen Sohnes nur verwunden hat, weil sie ihren Garten hat. Der kann Halt geben, die Zuversicht obsiegen lassen, den Glauben an das Leben zurückgeben. Der Boden zieht die Sorgen und der Wind bläst sie weg, lautet ein Sprichwort. Das mag stimmen, braucht aber seine Zeit.

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