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Garten und Blumen

19. November 2017 | 09:48 Uhr

Blühendes Gemüse und alte Sorten

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2010 | 06:49 Uhr

Muess | Zwei Tage lang den eigenen Garten öffnen und mit Wildfremden über die eigene grüne Oase fachsimpeln - für eingefleischte Städter ist das offenbar ein schwieriger Schritt. Bei der landesweiten Aktion "Offene Gärten" machten am Wochenende zwar 113 Teilnehmer mit, aus Schwerin aber nur ein einziger: der Dorfschullehrergarten im Freilichtmuseum Mueß. Volker Janke, der die Parzelle nach historischen Unterlagen aus dem Jahr 1888 anlegte, gehört um Organisationsteam der "Offenen Gärten". Er schaut trotz der kleinen Resonanz vor Ort fröhlich in die Zukunft: "Mit 60 Teilnehmern haben wir vor vier Jahren angefangen, jetzt sind es fast doppelt so viele. Der Zenit ist noch nicht erreicht."

Das Konzept der Aktion ist erstaunlich schlicht: Man lässt einfach sein Gartentor unverschlossen. Ob zusätzlich noch Kaffee und Kuchen angeboten, Pflanzen verkauft oder Führungen veranstaltet werden, darf jeder Gartenbesitzer individuell entscheiden. In einer Broschüre sind alle Teilnehmer mit ihren Besonderheiten beschrieben und weitere "grüne Termine" vermerkt.

Einfach und gleichzeitig spektakulär ist auch der Dorfschullehrergarten, der im Freilichtmuseum präsentiert wird. Besucht werden kann er an jedem regulären Museums-Öffnungstag, nur die Expertengespräche sind selten so ausgiebig möglich wie am Sonnabend und Sonntag. Volker Janke räumte beispielsweise gründlich mit den klassischen Klischees auf: Dass wir heute mit dem Stichwort "Bauerngarten" ein Blütenmeer aus Pfingstrosen, Sonnenblumen, Stockrosen, Dahlien, Storchenschnabel oder Lavendel verbinden, habe mit der Realität vor mehr als 100 Jahren wenig zu tun, so der Historiker. In den Gärten damals ging es in erster Linie um die Ernährung der Familie. "Die Blume des Bauerngartens ist das blühende Gemüse. Schließlich brauchte man neue Samen", erklärt der Garten-Fan. Auch in Mueß blühen Spinat, Fenchel oder Pastinake, nebenan stehen 30 verschiedene Erbsensorten, verschiedene Salate, etliche Kartoffeln oder Bohnen mit ungewohnten Namen. "Artenarmut, Sortenvielfalt - das war das Überlebens-Konzept des Bauerngartens gegen Schädlinge und schwieriges Wetter", sagt Janke. Der Dorfschullehrergarten verfolgte obendrein pädagogische Ziele: Die Schüler bewirtschafteten ihn und lernten so Ordnung, Pünktlichkeit und Disziplin. Zum Ende der Schulzeit bekam jeder von ihnen einen Obstbaum aus der eigenen Baumschule geschenkt.

Heute kümmert sich Andrea Franiel um den Mueßer Dorfschullehrergarten. Nur zwölf Stunden in der Woche. "Das reicht", sagt sie. Schnecken, Melde, Franzosenkraut oder Stare - die Feinde des Gärtners - sind für sie kein Problem. Leben und leben lassen ist im Museum die Devise.


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