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Garten und Blumen

23. September 2017 | 06:02 Uhr

Nistplatz : Bei dir im Garten piept’s wohl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Man möchte meinen, wo es grün ist, findet man Tiere. Doch Vögel brauchen ein vielfältiges Nahrungsangebot und Unterschlüpfe.

Den meisten Menschen fällt es nicht auf, wenn Vögel im eigenen Garten fehlen. Dabei kann es etwas herrlich Beruhigendes haben, den Tieren zuzusehen: Wie sie kleine Beeren in den Büschen pflücken, im Boden nach Würmern picken oder wie sie im Teich planschen. Und man beobachtet über Wochen das hektische Treiben eines brütenden Paares in der Hecke. Bis die Kleinen davonfliegen. Aber dazu muss man Kleiber, Rotkehlchen, Stieglitz, Gimpel und Co. erst mal in den Garten locken. Von alleine fliegen sie unsere monotonen Kulturen kaum mehr an.

Denn ihnen fehlt Vielfalt. Statt nur einer weiten Rasenfläche brauchen Vögel viele Sträucher, Hecken und Bäume. Und das sind am besten Pflanzen, die hierzulande auch in der Natur vorkommen. „Heimische Pflanzen haben den großen Vorteil, dass deren Früchte häufiger von Vögeln gefressen werden als die der Exoten“, erklärt Julian Heiermann vom Naturschutzbund (Nabu). „Auch sind die Insekten häufig auf Wirtspflanzen, also spezielle heimische Pflanzenarten, angewiesen.“ Und Insekten sind schließlich Vogelnahrung.

Heiermann empfiehlt zum Beispiel für den Garten Liguster, Wildrosen, Weißdorn und Pfaffenhütchen. Auch Schneeball, Vogelbeere, Felsenbirne, Europäische Eibe, Hagebutte, Faulbaum, Europäische Eibe gehören zu den heimischen Gewächsen, die Vögeln viel bieten. Prof. Peter Berthold rät zum unkomplizierten Schwarzen Holunder. „Seine Blüte ziehen extrem viele Insekten an – also die Vogelnahrung“, erklärt der ehemalige Direktor der Vogelwarte vom Max-Planck-Institut für Ornithologie. „Dazu zählen auch holunderspezifische Blattläuse, die keinerlei Probleme bereiten werden.“ Und natürlich sind da die Holunderbeeren, die etliche Vogelarten zum Fressen gern haben.

Auch ein dicht gewachsener Efeu an Haus- und Garagenwänden ist ein Vogelmagnet. „Efeu ist ein idealer Schutz und Nistplatz, und er zieht als Herbstblüher sehr viele Insekten an“, erklärt Berthold. Auch seine Beeren helfen den Vögeln: Sie reifen im Frühling heran und können von den Tieren während der anstrengenden Phase der Aufzucht ihrer Jungen vertilgt werden.

Auch andere Beerensträucher, Obstpflanzen und in großen Gärten sogar Streuobstwiesen sind ideal. Berthold rät allerdings, bei größeren Grundstücken neben Laub- und Obstbäumen auch Nadelbäume wie Fichten oder Kiefern zu pflanzen. „Als immergrüne Bäume bieten sie im Winter verschiedenen Vogelarten Schutz“, erklärt er.

Vögel sind also eigentlich ziemlich einfach zufriedenzustellen: Sie brauchen Nahrung und ein Heim. Das alles muss man nicht auf dem gesamten Grundstück bieten – was Freunde des englischen Rasens beruhigen mag. Es empfiehlt sich, in einer Ecke des Grundstücks Sträucher zusammenzusetzen, die Beeren, Samen, Insekten sowie Nistmöglichkeiten bieten. Ornithologe Berthold rät sogar dazu, solche Bereiche sich selbst zu überlassen sowie einige Stellen des Gartens nicht zu mähen.

Sogar abgestorbenes Holz, zu einem Haufen aufgestapelt, ist in einer solchen Ecke noch wertvoll: Es bietet den Tieren eine Versteckmöglichkeit, etwa der Zaunkönig schätzt das. Für große Gärten bietet sich an, abgestorbene Bäume stehen zu lassen. „Zum Beispiel Spechte, Kleiber und unsere Meisenarten profitieren hiervon“, erklärt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz. Spechte schlagen Höhlen hinein, die anderen Vogelarten nutzen sie danach. Der Experte betont daher auch: „Alte Obstbäume sollten bitte nicht gefällt werden. Wenn man waldnah wohnt, kann dann sogar ein Waldkauz einziehen.“ Und gerade alte Bäume seien ideale Plätze für Bruthöhlen.

Aber ein Zuhause für die Tiere kann auch winzig klein sein: ein Vogelhäuschen etwa. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nistkasten angenommen wird, ist gewöhnlich sehr hoch.“

Autor: Christian Teichmann

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