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Wie Kraftfahrer die Schockpreise abfedern können : Früher schalten – später tanken

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Der Benzinpreis so hoch wie noch nie. Und doch müssen die meisten Autofahrer am Ende wieder die Zapfsäule ansteuern. Bleibt also nur, den nächsten Besuch an der Tankstelle hinauszuzögern. Wir sagen Ihnen, wie es geht.

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erstellt am 21.Aug.2012 | 09:48 Uhr

Preisschock an der Tankstelle: Mehr als 1,70 Euro werden mancherorts für einen Liter Super E10 verlangt. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1,69 Euro und damit so hoch wie noch nie. Das kann und will eigentlich niemand mehr bezahlen und doch müssen die meisten Autofahrer am Ende wieder die Zapfsäule ansteuern. Sie sind auf das Fahrzeug angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Bleibt also nur, den nächsten Besuch an der Tankstelle hinauszuzögern – durch spritsparendes Fahren. Auf 20 bis 30 Prozent beziffern Experten das Einsparpotenzial. Wir sagen Ihnen, wie es geht.

Fahren oder gehen?

Wer das Auto stehen lässt, spart das meiste Geld. Das ist natürlich nicht immer machbar – aber oft. „Kaltstarts mit Strecken unter vier Kilometern sind besonders kostspielig“, erklärt das Umweltbundesamt (UBA). Ein Mittelklassewagen verbrauche direkt nach dem Start hochgerechnet rund 30 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Abgesehen davon sei auch der Verschleiß bei Kurzstrecken besonders hoch. Insbesondere in der Stadt dauert die Autofahrt durch Parkplatzsuche, Staus und Umleitungen oft sogar länger als der Fußweg. Wenn sich Fahrten schon nicht vermeiden lassen, ist es zumindest sinnvoll, mehrere Einzeltouren zusammenzulegen.

Niedrige Drehzahlen

Je höher die Drehzahl, umso höher der Verbrauch. „Kraftfahrer sollten deshalb zügig beschleunigen, früh hochschalten und dann betont untertourig fahren“, rät Katharina Bauer vom Automobilclub ADAC. Schon bei rund 2000 Umdrehungen je Minute sei es Zeit für den nächsten Gang. Für die, die keinen Drehzahlmesser haben, gilt: bei Tempo 30 in den dritten, bei Tempo 40 in den vierten und bei Tempo 50 in den fünften Gang schalten, so das Umweltbundesamt. So lange der Motor ruckelfrei Gas annimmt, muss auch nicht wieder heruntergeschaltet werden.

Wer spritsparend fahren möchte, darf das Gaspedal auch auf Landstraßen nicht zu weit durchdrücken. Mit steigender Geschwindigkeit steigt der Spritverbrauch überproportional. Wer statt 110 km/h nur 90 km/h fahre, spart laut UBA auf 100 Kilometer rund 23 Prozent Kraftstoff.

Vorausschauend fahren

„Bei jeder Bremsung wird Energie vergeudet“, betont Katharina Bauer. „Besser ist es deshalb, vorausschauend zu fahren.“ Soll heißen: Rechtzeitig vor einer Kreuzung oder einer Ampel den Fuß vom Gas nehmen und das Auto mit eingelegtem Gang rollen lassen. Ist der Sicherheitsabstand groß genug, kann man auch auf die Fahrmanöver des Vordermannes ohne Vollbremsung reagieren.

Ist an Ampel oder Bahnübergang eine etwas längere Standzeit absehbar, ist es effektiver, den Motor abzuschalten.

Entbehrliche Verbraucher

Klimaanlage, Heckscheiben- oder Standheizung verbrauchen Strom und damit auch Kraftstoff. Die Klimaanlage erhöht den Benzinverbrauch um bis zu zwei Liter auf 100 Kilometer, die Standheizung zieht laut ADAC bis zu 0,5 Liter pro Stunde. Diese Aggregate sollte man deshalb nur einschalten, wenn man sie wirklich braucht. Außerdem sollte man die Klimaanlage nicht zu weit herunterregeln. 25 Grad Celsius empfiehlt das Umweltbundesamt.

Räder und anderer Ballast

Ob der volle Bierkasten im Kofferraum oder der Fahrradgepäckträger auf dem Dach – jedes Kilogramm mehr und jedes zusätzliche Anbauteil erhöhen den Spritverbrauch zum Teil erheblich. Das Auto zu entrümpeln, Gepäckträger und Dachboxen nach Gebrauch sofort zu demontieren, ist für Spritsparer deshalb unverzichtbar. Allein ein Dachträger ohne Fahrräder steigert den Verbrauch um rund fünf Prozent.

Auch beim Transport der Fahrräder sollte der sparsame Autofahrer abwägen. Zwei Räder auf dem Dach erhöhen laut ADAC-Test den Verbrauch um rund 40 Prozent. Sind sie hinter dem Fahrzeug auf der Anhängerkupplung montiert, sind es „nur“ 18 Prozent. Wer den Platz dafür hat, sollte das Rad deshalb besser im Innenraum mitfahren lassen. Bei langen Strecken und hohen Geschwindigkeiten kann es sinnvoller sein, sich am Urlaubsort einen Drahtesel zu leihen.


Richtiger Reifendruck

Der Reifendruck hat erheblichen Einfluss auf den Benzindurst des Autos. Ist er um 0,5 bar zu niedrig, erhöht sich der Verbrauch um rund fünf Prozent, wie das UBA vorrechnet. Mache – je nach Fahrzeug – pro Jahr um die 84 Euro. Der Druck sollte deshalb regelmäßig überprüft und mindestens auf den Herstellerwert – häufig zu finden in der Tankklappe – gebracht werden.

Leichtlauföl und Tricks

Leichtlauföl soll die Reibung im Motor verringern, der dadurch leichter dreht und so weniger Energie verbraucht. Allerdings ist dieses Öl deutlich teurer als herkömmliches. Dennoch: Laut ADAC-Untersuchung kann sich sein Einsatz lohnen, insbesondere für Fahrer, die überwiegend auf Kurzstrecken unterwegs sind. Überwiegen Autobahnfahrten, ist der Spritspareffekt deutlich geringer und damit auch die Chance, dass sich das Leichtlauföl rechnet.

Wichtig ist auch die Wartung des Fahrzeugs. Abgenutzte Zündkerzen, verschmutzte oder verstopfte Luftfilter können den Kraftstoffverbrauch um bis zu zehn Prozent erhöhen.

Keine lohnende Investition sind nach ADAC-Auffassung dagegen angebliche Benzinsparwundermittel. „Egal ob Pille, Magnet oder Ölzusatz – im Test hat sich bei keinem Mittel ein messbarer Einspareffekt gezeigt“, betont Katharina Bauer. Das Geld könne man besser zur Tankstelle tragen.

Die Tankstelle

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – diese Devise gilt auch fürs Tanken. Wer also den Weg zur Zapfsäule antreten will, sollte sich vorher informieren, wo es Diesel oder Benzin gerade am günstigsten gibt. Der ADAC bietet Mitgliedern eine entsprechende Übersicht auf seiner Homepage. Alle anderen finden im Internet zum Beispiel unter clever-tanken.de die Daten. Für Schwerin variierten die E10-Preise gestern zwischen 1,649 und 1,699 Euro pro Liter. Wenn die günstigere Tankstelle weiter entfernt ist, lohnt der Umweg dorthin allerdings nicht.

Auch auf die Zeit kommt es an. „Wir haben festgestellt, dass es in der Regel am Abend günstiger ist“, sagt Katharina Bauer. „Gegen 18 Uhr hatten wir die besten Preise.“


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