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Lesertelefon Extra: Fonds : Freibetrag für künftige Kursgewinne

vom
Aus der Onlineredaktion

Experten beantworteten gestern Fragen zu Fonds und zur Investmentsteuerreform. Für Privatanleger steigt die Steuerbelastung unter dem Strich nicht

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Wir haben Aktienfonds, die 2008 und in den Jahren davor gekauft wurden. Deren Wert ist seitdem erheblich gestiegen. Bisher waren die Kursgewinne dieser Fonds bei einem Verkauf steuerfrei, ab 2018 sollen Kursgewinne ja steuerpflichtig werden. Sollen wir die Fonds daher besser vor Jahresende verkaufen?

Aus steuerlicher Sicht ist ein Verkauf noch in diesem Jahr nicht nötig. Denn Kursgewinne, die bis Ende 2017 anfallen, bleiben über 2017 hinaus steuerfrei. Nur Kursgewinne, die ab dem 1. Januar 2018 entstehen, sind künftig grundsätzlich steuerpflichtig. Da aber für diese künftigen Kursgewinne der Gesetzgeber einen steuerlichen Freibetrag von 100 000 Euro pro Person vorgesehen hat, werden die meisten Sparer auch künftige Kursgewinne von sogenannten Altbeständen, also vor 2009 erworbenen Fondsanteilen, steuerfrei einnehmen können.

Wir haben einen Teil unserer Ersparnisse in verschiedenen Fonds angelegt. Was ändert sich mit der Investmentsteuerreform ab 2018 für uns? Müssen wir mit höheren Steuern rechnen?

Neu ist, dass ab 2018 Fonds für bestimmte Erträge Steuern in Höhe von 15 Prozent zahlen müssen, was bisher nicht der Fall war. Dadurch können die Fonds entsprechend weniger an ihre Anleger ausschütten als bisher. Um das auszugleichen, erhalten Fondsanleger ab 2018 einen steuerfreien Anteil für Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne aus Investmentfonds. Dieser steuerfreie Anteil beträgt künftig bei Aktienfonds grundsätzlich 30 Prozent, bei Mischfonds 15 Prozent und bei offenen Immobilienfonds 60 Prozent oder 80 Prozent, wenn der Schwerpunkt der Anlagen im Ausland liegt. Wichtig zu wissen: Die Steuerbelastung steigt für Privatanleger unter dem Strich nicht.

Ich spare seit 15 Jahren regelmäßig in einen Aktienfonds. Nun haben wir an den Börsen inzwischen Rekordkurse und ich weiß nicht, wie es weitergeht. Soll ich mit dem Aktiensparen weitermachen?

Wir können zwar auch nicht in die Zukunft sehen, doch wir gehen angesichts der günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen davon aus, dass regelmäßiges Sparen mit Aktienfonds auf längere Sicht attraktiv bleibt. Freilich muss man nach dem Höhenflug an den Aktienbörsen mit Rückschlägen rechnen. Doch dann würden Sie für Ihren Sparbeitrag auch mehr Fondsanteile erwerben als zu hohen Kursen, was langfristig vorteilhaft ist.

Mein Anlageberater hat mir empfohlen, meine Fondsanlage monatlich mit 200 Euro zu besparen. Es handelt sich um Mischfonds. Macht das Sinn?

Ja, durch die regelmäßige Besparung glätten Sie die Kursschwankungen und reduzieren Ihr Risiko. Sind die Kurse niedrig, erwerben Sie für 200 Euro mehr Fondsanteile, sind die Kurse hoch, erwerben Sie für 200 Euro weniger Fondsanteile. So ist ein Fondssparplan langfristig gut geeignet, um Vermögen aufzubauen.

Ich spare in einen Riester-Vertrag mit Fonds. Was ändert sich für mich 2018 wegen der Investmentsteuerreform?

Nichts – bei staatlich geförderten Riesterverträgen mit Fonds gibt es durch die neuen Steuerregeln ab 2018 keine Änderungen, da für die staatlich geförderte Altersvorsorge steuerliche Sonderreglungen gelten.

Wo kann ich mich kurz und knapp über die neuen Steuerregeln für Fonds informieren, die mich als Sparer ab 2018 betreffen?

Zum einen kann Ihr Bank- oder Sparkassenberater helfen, zum anderen können Sie sich im Internet unter www.bvi.de weitere Informationen zu dem Thema einholen und auch eine Informationsbroschüre zu dem Thema („Investmentsteuerreform kompakt“) herunterladen.

Ich habe seit 15 Jahren Fondsanteile eines offenen Immobilienfonds, mit dessen Entwicklung ich grundsätzlich zufrieden bin. Soll ich den Fonds behalten?

Man sollte seine Ersparnisse grundsätzlich breit streuen auf verschiedene Anlageprodukte. Offene Immobilienfonds sind im Rahmen dessen eine sinnvolle Beimischung im Depot.

Wie sicher sind meine Investmentfonds? Was passiert, wenn die Fondsgesellschaft pleite geht? Ist mein Geld dann weg?

Nein, Ihr Geld wäre dann nicht weg. Investmentfonds sind Sondervermögen, das heißt das Vermögen der einzelnen Fonds ist vom Vermögen der Fondsgesellschaften strikt getrennt. Im Fall einer Insolvenz der Fondsgesellschaft bliebe daher Ihr Fondsvermögen voll und ganz erhalten.

Wir haben Post von unserer Hausbank bekommen, dass sich im nächsten Jahr die Besteuerung für unsere Fondsanlagen ändert. Müssen wir die Anlage jetzt verkaufen?

Nein. Zum 1. Januar 2018 gibt es zwar eine Änderung bei der Besteuerung von Investmentfonds. Das Ziel des Gesetzes ist aber keine Steuererhöhung für die Kunden. Es ändert sich unter anderem die Art des Steuerabzugs.

Wir sind Eltern geworden und möchten für unser Kind monatlich etwas auf die hohe Kante legen. Das Sparbuch lohnt sich ja nicht mehr, weil es fast keine Zinsen mehr gibt. Würden Sie uns zu Fonds raten?

Für langfristiges Sparen mit regelmäßigen Sparbeträgen lohnt sich ein Fondssparplan, wobei Aktienfonds auf lange Sicht von 10 bis 20 Jahren und länger die höchsten Renditechancen bieten. In der Vergangenheit waren mit Aktienfonds langfristig Renditen vom im Schnitt etwa fünf bis acht Prozent erzielbar. Mit Aktienfonds beteiligen Sie sich am Produktivkapital der Wirtschaft. Damit dürften auch künftig attraktive Renditen erzielbar sein.

Müssen wir für einen Sparplan in Aktien- oder Mischfonds eine bestimmte Laufzeit festlegen?

Nein, Fondssparpläne sind sehr flexible Anlageprodukte. Sie müssen keine Laufzeit festlegen, das angesparte Kapital ist vielmehr in voller Höhe und auch in beliebigen Teilbeträgen jederzeit verfügbar. Auch die Sparbeiträge können Sie flexibel gestalten, das heißt Sie können die Sparrate senken, erhöhen, damit aussetzen oder zusätzlich Sondereinzahlungen vornehmen.

Ich lege meine vermögenswirksamen Leistungen (VL) in Fonds an. Gibt es dafür steuerliche Sonderregeln?

Nein, für VL-Sparer gibt es keine Sonderregeln. Sie werden genauso besteuert wie andere Fondssparer.

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