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Schwitzen in vier Wänden : Wer geht noch ins Fitnessstudio?

vom
Aus der Onlineredaktion

Deutscher Markt bleibt Milliardengeschäft mit steigenden Anmeldezahlen. Doch viele Mitglieder sind längst Karteileichen

svz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 20:45 Uhr

Ob Schwitzen im exklusiven „Boutique-Studio“ oder Strampeln beim „Wasser-Workout“: Fitnessstudios können sich derzeit über mehr Mitglieder freuen. Doch werden die Deutschen tatsächlich immer sportlicher? Nach Angaben der Branche sind erstmals mehr als zehn Millionen Menschen in einem Studio angemeldet. Die knapp 8700 deutschen Fitnessanlagen konnten damit im vergangenen Jahr wieder ein sattes Plus um 6,6 Prozent bei den zahlenden Kunden verbuchen. Bis zum Jahr 2020 peilt die Branche mehr als zwölf Millionen Mitglieder an.

Vorgestellt werden die neuen Fitnesstrends bis Sonntag bei der Fitnessmesse Fibo in Köln. Gewinner des Booms waren im vergangenen Jahr vor allem Studios aus dem Discount-Bereich. Insbesondere die großen „Top-Player“ der Branche seien überproportional im Vergleich zum Rest des Marktes gewachsen, berichtet Karsten Hollasch von dem Beratungsunternehmen Deloitte.

Die Monatspreise für Mitglieder schwanken dabei je nach Betriebsform: Während die Kunden in Kettenbetrieben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 34,47 Euro zahlen mussten, wurden Mitglieder in Einzelbetrieben mit 52,45 Euro zur Kasse gebeten. Am teuersten waren die durchschnittlichen Kosten in Mikrobetrieben mit 65,80 Euro. Rund 90 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche von 5,05 Milliarden Euro wurden dabei durch Mitgliedsbeiträge erwirtschaftet.

Damit konnte die Fitnessbranche sich im vergangenen Jahr als mitgliederstärkste Trainingsform in Deutschland feiern und die Konkurrenz aus Fußball, Turnen und Tennis deutlich hinter sich lassen.

Prof. Ingo Froboese

Prof. Ingo Froboese

Foto: dpa

Doch allein mit der Unterschrift unter den Fitnessvertrag ist nach Ansicht von Sportwissenschaftlern noch keine Karriere als regelmäßiger Sportler besiegelt: „Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio gehört mittlerweile zum guten Ton, wie früher Golf oder Tennis“, sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Denn nach der Anmeldung im Studio folge oft nach etwa acht bis zwölf Wochen ein Motivationstief, aus dem viele nicht mehr herausfänden, so Froböse. Würden alle zehn Millionen Mitglieder tatsächlich in die Fitnessstudios gehen, ginge das gar nicht, meinte der Experte. „Leider sind die Deutschen nicht sportlicher geworden“, stellte er fest. „Mindestens die Hälfte sind Karteileichen“, lautet sein Fazit.

Beim Fitnessverband DSSV verweist man dagegen auf eine vergleichsweise geringe Zahl von „inaktiven Mitgliedern“. Bei einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2014 unter Fitnessstudio-Mitgliedern hätte lediglich drei Prozent der Befragten angegeben, „nie“ im Studio zu trainieren, argumentierte DSSV-Sprecher Dustin Tusch. 18 Prozent der Befragten hätten dagegen angegeben, mindestens viermal in der Woche zum Training zu gehen. Aber das sind natürlich nur Auskünfte, die Menschen über sich selbst treffen.

Sportlich interessiert sind nach Ergebnissen der BAT-Stiftung vor allem junge Großstadtbewohner. „Innerhalb der Bevölkerung sagen etwas mehr Männer als Frauen sowie Großstädter als Dorf- oder Kleinstadtbewohner, dass sie regelmäßig in ein Fitnessstudio gehen“, berichtet der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Auch steige mit Bildung und Einkommen die Häufigkeit, mit der ein Fitnessstudio besucht werde. „Den größten Unterschied gibt es in Bezug auf das Alter. Unter-30-Jährige treiben deutlich öfter Sport in einem Fitnessstudio als der Rest der Bevölkerung.“

 

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