Wellness : Von Hyaluron bis Koffein

Die sensible Haut um die Augen braucht besondere Pflege. Doch nicht jede Creme hält, was sie verspricht.
Die sensible Haut um die Augen braucht besondere Pflege. Doch nicht jede Creme hält, was sie verspricht.

Kleine Fältchen oder dunkle Ringe unter den Augen mag niemand. Eine gute Augencreme kann helfen. Aber was sollte sie enthalten?

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01. Januar 2016, 15:22 Uhr

Auf die Augen fällt der Blick unseres Gegenübers meist zuerst. Dummerweise ist die Haut um die Augen auch die Partie unseres Gesichts, bei dem die natürliche Alterung besonders schnell sichtbar wird. „Dafür gibt es gleich mehrere Gründe“, erklärt die Dermatologin Uta Schlossberger. „Zunächst einmal ist die Haut rund um die Augen zehnmal dünner als die des restlichen Gesichts. Dann strapazieren die mimischen Bewegungen die Haut zusätzlich. Pro Tag kommt der Mensch auf rund 10  000 Lidschläge.“

Doch damit nicht genug: Wir blinzeln in die Sonne oder kneifen die Augen zusammen, weil wir etwas besser erkennen wollen. Auch UV-Strahlung oder Wind reizen die Region. Und: Die Haut hat an dieser Stelle so gut wie keine Talgdrüsen, ist also aus besonders trocken. Das führt zu feinen Linien und Knitterfältchen, bei denen die Haut wirkt wie zerknülltes Seidenpapier. Fest steht also: Die Partie rund um die Augen braucht große Aufmerksamkeit. „Dabei ist es wichtig, auf alle reizenden Stoffe in der Pflege zu verzichten“, erläutert Prof. Volker Steinkraus vom Dermatologikum in Hamburg. „Aufgrund der dünnen Haut kommt es in dieser Region schnell zu Irritationen.“ Deshalb sollte man die Augenpflege auch nicht verreiben, sondern auftupfen und dann mit leichten, klopfenden Bewegungen verteilen. Das schont die dünne Haut.

Viele Frauen glauben, dass ihre normale Tagescreme für die Augenpartie ausreichend ist. „Das ist in vielen Fällen jedoch nicht richtig“, erklärt Schlossberger. „Viele Feuchtigkeitscremes enthalten Duft- und Hilfsstoffe, die die Augen reizen können.“ Was sich als Wirkstoff bei Augencremes bewährt hat, ist Hyaluronsäure, erklärt die Düsseldorfer Hautärztin Anna Mokosch.

Hyaluronsäure wird vom Menschen in der Haut selbst produziert. Sie polstert den Teint von innen heraus auf und unterstützt die Kollagenfasern. Mit etwa Mitte 20 lässt die körpereigene Produktion von Hyaluronsäure aber nach - und das macht sich auch rund um die Augen bemerkbar. Die Haut neigt schneller zur Fältchenbildung und verliert zunehmend Feuchtigkeit. Hyaluronsäure saugt Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm, so dass der hauteigene Verlust ausgeglichen werden kann. Genau deshalb ist dieser Stoff in vielen Pflegeprodukten für die Augen enthalten. „Auch in der minimal-invasiven Schönheitsbehandlung spielt Hyaluronsäure heute eine große Rolle“, sagt Mokosch. „Sie wird beispielsweise bei der Behandlung von Augenringen – das heißt, einer Vertiefung der Tränenrinne durch Fettverlust unter den Augen – eingesetzt.“

Dunkle Schatten unter den Augen sind ein weiteres Problem, mit dem sich viele Menschen konfrontiert sehen. Sie entstehen etwa dadurch, dass die Haut mit den Jahren dünner wird und die Blutgefäße dadurch als dunkle Schatten sichtbar werden. „Darüber hinaus spielt eine genetische Veranlagung eine große Rolle“, sagt Mokosch. „Auch eine ungesunde Lebensweise kann dafür verantwortlich sein.“ So gilt Rauchen zum Beispiel als einer der Gründe für die unschönen dunklen Ringe, Schlafmangel ebenso.

Nicht nur Hyaluronsäure soll in diesen Fällen helfen – auch Koffein soll für eine glattere, straffere Augenpartie sorgen. „Dieser Stoff wirkt hautstraffend und regt gleichzeitig die Durchblutung an. Deshalb wird er vor allem bei geschwollenen Augen und gegen Augenringe eingesetzt“, erläutert Schlossberger.

Ein anderer Wirkstoff, der oft auf der Zutatenliste steht, ist Retinol. „Hinter diesem Begriff versteckt sich Vitamin A, das das Bindegewebe aufbaut und gleichzeitig Enzyme hemmt, die Kollagen abbauen“, sagt Schlossberger. Aber: „Frauen mit empfindlicher Haut sollten bei Retinol etwas vorsichtig sein“, so Mokosch.

Das gilt noch mehr für Stoffe mit den komplizierten Namen Methicone oder Dimethicone, denn dabei handelt es sich um Silikone. „Diese sorgen dafür, dass Fältchen aufgefüllt werden“, sagt Schlossberger. „Was sich auf den ersten Blick gut anhört, ist aber nicht ideal für die Haut. Es legt sich wie ein Film über die feinen Poren, die Haut kann schlechter atmen und sich dadurch auch schlechter regenerieren.“ Viele der heute erhältlichen Pflegeprodukte für die Augen versprechen gleich mehrere Dinge auf einmal: Sie sollen Fältchen mildern, Schwellungen verhindern und dunkle Augenringe vermindern. Diesen Mehrfachnutzen sehen Hautärzte jedoch kritisch. „Ein solches Versprechen kann man nur dann erfüllen, wenn man viele verschiedene Wirkstoffe in eine Creme packt“, sagt Steinkraus. „Gerade diese Fülle an Inhaltsstoffen sollte man rund um die Augen jedoch vermeiden.“ Schlossberger empfiehlt daher, sich vorher genau zu überlegen, welches Problem man angehen möchte – und speziell danach die Augenpflege auszusuchen.

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