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Fitness und Wellness

20. September 2017 | 03:52 Uhr

Training : Verkabelt: Training unter Strom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurze Trainingseinheiten mit hohem Wirkungsgrad: Mit der Elektromuskelstimulation verspricht die Fitnessindustrie viel.

Ein Kribbeln durchfährt den Sportler. Niederfrequenter, also ganz schwacher Strom, wird durch die Muskeln geleitet, die sich dadurch anspannen und so gekräftigt werden sollen. Das ist das Grundprinzip der Elektromuskelstimulation (EMS).

Heinz Kleinöder, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln, ist Leiter der Abteilung Kraftdiagnostik und Bewegungsforschung. Er sagt: „Es gibt mehrere Studien mit sehr positiven Ergebnissen.“ Im Fokus stehe dabei allerdings meist die Stimulation einzelner Muskelgruppen. Über aufgeklebte Elektroden werden beispielsweise nur die Oberschenkel angesprochen. Das EMS-Ganzkörpertraining, bei dem elektrische Impulse gleichzeitig von den Oberschenkeln bis zu den Schultern eingesetzt werden, ist neuer. Anbieter des Ganzkörper-EMS sind zum Beispiel die Ketten Fitbox und Bodystreet.

„Man sieht dabei ein bisschen aus, als wäre man in einer Taskforce“, umschreibt Bodystreet-Inhaber Christian Musche die ungewöhnliche Kleidung. Über eine spezielle, saugfähige Radlerhose plus T-Shirt wird eine mit Elektroden bestückte, angefeuchtete Weste gezurrt. An Oberschenkeln, Bauch, Rücken und Armen stecken dünne Kabel in Kontakten, eine dickere Leitung verbindet den Trainierenden mit dem EMS-Gerät. „Absolute Kontraindikationen für EMS sind ein Herzschrittmacher, Schwangerschaft und eine bakterielle oder virale Erkrankung“, erläutert Yvonne Kröhl, Filialleiterin und Trainerin in der Berliner Bodystreet-Filiale. Bei anderen medizinischen Auffälligkeiten muss ein Arzt zurate gezogen werden, etwa bei Diabetes. „Mittlerweile kennen die meisten Ärzte diese Methode und können eine Einschätzung abgeben“, sagt Johannes Pommerien, EMS-Experte im Verband Deutscher Fitness- und Gesundheitsunternehmen.

Musche hält das Training einmal die Woche für sinnvoll. Mehr als 20 Minuten sollte das Training nicht dauern, fügt Sportwissenschaftler Kleinöder hinzu. Er hält EMS auch im Breitensport für sinnvoll. „Damit kann man sehr gut an der Körperwahrnehmung arbeiten“, sagt er. Der elektrische Impuls, der an die Muskeln gesendet wird, lässt sich vom Trainierenden genau lokalisieren. Kleinöder empfiehlt dazu eine koordinierte Bewegung. Eine Anleitung sei sehr wichtig. „In der Regel schulen die Gerätehersteller die Trainer“, erläutert Pommerien. Danach sollten sich Interessenten beim Anbieter auch erkundigen.

In der ersten Trainingseinheit ist viel Koordination gefragt. Der spürbare Impuls in wechselnder Intensität ist gewöhnungsbedürftig. „Ab der zweiten Trainingseinheit lernt man, mit dem Reiz zu spielen“, sagt Kleinöder. Indem man gegen den elektrischen Impuls drückt, intensiviert sich das Training, und es stellen sich schneller Erfolge ein. Damit wird auch ein Abnehmeffekt oder die Straffung einzelner Körperpartien versprochen. Unabhängige Studien dazu gibt es allerdings nicht.

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