Fit in den Frühling : Stups für Stups zur zarten Haut

Ein besonderes Erlebnis: Laura Kirsten und Hinrich Hausmann genießen die Fischpediküre.   Fotos: Franziska Sanyang
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Ein besonderes Erlebnis: Laura Kirsten und Hinrich Hausmann genießen die Fischpediküre. Fotos: Franziska Sanyang

Eine Physiotherapie-Praxis in Schwerin bietet einmalig in Mecklenburg eine Fischpediküre an. Saugbarben entfernen die Hornhaut auf sanfte Art.

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17. März 2014, 12:00 Uhr

Langsam nähern sich die kleinen Saugbarben Laura Kirstens Füßen im Wasser. Zögerlich stößt der erste Fisch mit seiner Lippe gegen ihre nackte Haut. Dann fangen auch seine Kollegen an zu stupsen. „Ihhhhh, das kitzelt“, quietscht Laura vergnügt. „Es fühlt sich aber auch angenehm an“, fügt sie begeistert hinzu, während sich mittlerweile ein ganzer Schwarm der ca. zehn Zentimeter großen Fische an ihren Füßen zu schaffen macht. Auch Hinrich Hausmann, der gemeinsam mit seiner Freundin die ungewöhnliche Pediküre genießt, ist davon angetan. „Es fühlt sich gar nicht eklig an, sondern ist toll“, freut sich der junge Mann.

„Wir hätten das erst gar nicht gedacht, aber die Fischpediküre wird von unseren Kunden super angenommen“, erzählt Cornelia Liebenow von der Physiotherapie-Praxis „Pures Leben“ in Schwerin. Hier kann man das ungewöhnliche Wellnessangebot seit September vergangenen Jahres buchen. Dabei ist die Praxis die erste in Mecklenburg, die offiziell eine Genehmigung für die Fischpediküre hat.

Wer sich für die Anwendung entscheidet, taucht seine Füße 20 Minuten lang in eines der Fischbecken mit 28 Grad warmem Wasser. Die Saugbarben – oder auch Doktorfische genannt – stupsen währenddessen mit ihrer Lippe alte und trockene Hautschuppen ab. Das Resultat: Nach der Behandlung ist die Hornhaut deutlich gemindert und die Fußhaut fühlt sich zart an. „Viele glauben ja, dass Doktorfische die alte Haut abknabbern. Das ist allerdings falsch, denn sie haben ja keine Zähne“, erklärt Cornelia Liebenow. Die Tierchen würden stattdessen ihre Lippe benutzen, um Hautschuppen zu entfernen. „Das tut nicht weh. Manche Kunden haben gesagt, dass es sich eher so anfühlt, wie die Füße in ein Becken mit Sekt zu halten“, erzählt die Physiotherapeutin mit einem Schmunzeln.

Das Stupsen an den Füßen ist für die Tierchen dabei ein natürlicher Reflex. Bereits seit mehr als 300 Jahren wissen Menschen um die besondere „Gabe“ der Doktorfische. Bekannt wurde vor allem die Art der Kangalfische, die aus der Region Kangal in der Türkei stammt. Hier kommen sie vor allem im nährstoffarmen Wasser von Thermalquellen vor. Überliefert ist, dass sie seit jeher die Haut von Badenden abstupsen und diese als Teil ihrer Nahrung verwerten. Seit ein paar Jahren werden die Tiere in Laboren gezüchtet und zu kosmetischen oder auch medizinischen Zwecken eingesetzt. Dabei ist die Fischpediküre ein sanfter Weg, um die Füße nach dem Winter wieder frühlingsfit zu machen. Denn nicht nur die alte Haut wird sanft entfernt, die Fische geben zudem ein Sekret ab, das die Haut streichelzart macht. „Deshalb ist es nach der Anwendung noch nicht mal nötig, dass man sich eincremt“, sagt Cornelia Liebenow.

Viele ihrer Kunden würden sich darüber hinaus auch für die Fischpediküre entscheiden, weil es ein besonderes Erlebnis ist. „Wir hatten zum Beispiel schon öfters Junggesellinnenabschiede hier“, erzählt Liebenow. Auch wenn es ihr und ihren Kollegen von „Pures Leben“ darum geht, mit der Fischpediküre Kunden ein besonders Wellnessangebot zu bieten, stehen Hygiene und Tierschutzvorgaben an erster Stelle.

Das Wasser in den Fischbecken wird gefiltert und gereinigt. So soll gewährleistet werden, dass jeder Kunde seine Füße in frisches Wasser taucht. Vor der Anwendung werden außerdem die Füße eines jeden begutachtet und desinfiziert. Wer auch nur eine kleine Wunde hat, darf nicht ins Wasser. „So wollen wir sicherstellen, dass keine Krankheiten übertragen werden“, sagt die Physiotherapeutin. Damit es den Tieren gutgeht, mussten Liebenow und eine Kollegin sich vorab in der Haltung der Fische ausbilden lassen. Nur so erhielt ihre Praxis vom Veterinäramt eine Genehmigung. Und auch im täglichen Umgang mit den Saugbarben gibt es einiges zu beachten – so dürfen die Fische zum Beispiel jeden Tag nur maximal vier Stunden eingesetzt werden. Und auch sonntags müssen sie Ruhe halten. Denn laut Vorschrift dürfen die Fische nur an maximal sechs Tagen in der Woche „arbeiten“.

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