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Fitness und Wellness

20. November 2017 | 12:53 Uhr

Joggen : Mit dem Schweinehund anfreunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie man vom Nicht-Läufer zum Läufer wird: Anstatt sich etwas vorzunehmen, schließt man besser einen Vertrag mit sich selbst.

Wer mehrmals pro Woche joggt, hat gute Chancen, lange gesund zu bleiben. Doch meist kommt der Alltag dazwischen, wenn man sich fest vorgenommen hat, laufen zu gehen. Der Freizeitläufer und Buchautor Hajo Schumacher, der unter dem Pseudonym Achim Achilles übers Laufen schreibt, kennt dieses Problem. Er hat einen Weg gefunden, sein „mentales Haustier“, wie er den Schweinehund nennt, in Schach zu halten. Wie? Das verrät er im Interview mit Teresa Nauber.

Sie fallen aus dem Bett und laufen direkt los – auch, wenn es regnet und sogar im Winter. Wie überwinden Sie sich?

Achilles: Konfuzius sagt: Gegner, die du nicht besiegen kannst, sollst du dir zum Freund machen. Genauso halte ich es mit meinem mentalen Haustier. Der Schweinehund sagt: zu kalt, zu nass, zu müde. Und ich antworte: Danke mein Freund, das sind viele gute Gründe, um erst recht loszulaufen. Wenn ich nach Hause komme, weiß ich den Wert dieser Freundschaft wieder mal zu schätzen. Denn hinterher geht es mir immer besser. Das Gefühl, sich überwunden zu haben, ist tausendmal wertvoller als das Kneifen plus schlechtem Gewissen.

In Ihrem neuen Buch „Sehnen lügen nicht“ teilen Sie die Menschen in zwei Kategorien ein – Läufer und Nicht-Läufer. Wie schafft man den Übergang?

Die meisten Nicht-Läufer fürchten sich vor der Atemnot, der roten Birne und dem Eingeständnis, dass die letzten 20 Jahre nicht gerade gesundheitsfördernd gelebt wurde. Diese ganzen düsteren Gedanken müssen weg. Der Trick: Statt der ewigen Selbstvorwürfe und Schmerzensängste die Aufmerksamkeit auf andere Sachen lenken – den Wald im Frühling, eine Stunde ohne Facebook-Nerv, ein gutes Gespräch mit einem netten Menschen. Eine bessere Burn-out-Vorsorge gibt es nicht. Die Kilometer kommen dann von ganz allein.

Es soll ja Menschen geben, die, noch während sie auf dem Laufband stehen, twittern, dass sie gerade laufen. Machen diese Leute Sport aus den falschen Gründen?

Die Schwelle zum Irrsinn ist überschritten, wenn Sport oder vermeintliche Gesundheit zu einer Religion geworden ist und Menschen sich für Versager halten, weil sie nicht 24/7 vegan, antioxidantisch, fitnessorientiert und madonnahaft an sich gearbeitet haben. „Healthism“ nennen Experten diesen Wahn, der pathologische Züge annimmt, wenn es sich gleich anfühlt, ob man ein Wurstbrot vor den Mund hält oder eine Pistole an die Schläfe. Alles, was mit Druck, Zwang und schlechtem Gewissen zu tun hat, konterkariert den Kerngedanken des Breitensports, nämlich Freude und Erfüllung.

In Ihrem neuen Buch raten Sie zum Kalorien-Koalitionsvertrag. Was ist das?

Ganz einfach: Wenn es am Abend mal wieder richtig lange und richtig nett war mit den Freunden, dem Essen und dem Wein, dann präsentiert sich der nächste Morgen aus mehreren Gründen meist qualvoll. Wer jetzt losrennt und die aufgenommenen Kalorien tapfer verbrennt, fühlt sich hinterher wie nach einer Beichte: erleichtert, gereinigt – Katharsis pur. Profi-Tipp: Schon vor der Orgie rennen, das schafft Guthaben auf dem Kalorienkonto und macht das Schlemmen noch genussvoller. Am Ende hat immer die Mathematik recht: Was zu viel reingefüllt wird in den Körper, muss durch mehr Bewegung wieder abgefackelt werden. Das lässt sich vertraglich regeln.

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