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Fitness und Wellness

12. Dezember 2017 | 11:36 Uhr

Verkehr : Glaubensfrage Fahrradhelm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit oder ohne Schutz radeln? Helme schützen vor Kopfverletzungen, gern getragen werden sie trotzdem nicht

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 17:26 Uhr

Lässig und entspannt radelt der Holländer ohne Schutz auf dem Kopf. Kommt ihm ein Radfahrer mit Helm entgegen, ist sofort klar: Das ist ein Radtourist aus Deutschland. Dass alle Deutschen mit Helm fahren, ist allerdings ein Trugschluss.

Nach Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen haben sich im Jahr 2012 genau 13 Prozent der Radfahrer für einen Kopfschutz entschieden. Im Jahr davor waren es 11 Prozent. Die Tendenz ist steigend. Für Polizei und Mediziner geht es nicht schnell genug. Sie wollen möglichst alle Unfälle, bei denen Radler ums Leben kommen oder schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erleiden, mit Hilfe des Helms verhindern.

Hilft da vielleicht Zwang? Ein Forscher aus Münster hat in einer Studie berechnet, wie sich eine gesetzliche Helmpflicht auswirken würde. Dabei ging es dem Direktor des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Uni Münster, Gernot Sieg, nicht um die Frage, ob das Tragen eines Helms sinnvoll ist oder nicht. Der Forscher untersuchte mehrere Effekte und ihre Folgen für die Volkswirtschaft. Zum Beispiel, ob Radler bei einer Helmpflicht auf Auto und Bus umsteigen und damit wegen des Bewegungsmangels der eigenen Gesundheit schaden. Kosten entstehen auch dadurch, dass ein Helm gekauft werden muss, dieser sollte zudem regelmäßig erneuert werden. Andererseits kann ein Kopfschutz auch Kosten sparen, wenn ein Unfall glimpflicher abläuft – das verbuchte der Wissenschaftler unter gesellschaftlichem Nutzen. „Der gesellschaftliche Nutzen durch eine gesetzliche Helmpflicht in Deutschland wäre geringer als die gesellschaftlichen Kosten. Das ändert aber nichts daran, dass das Tragen eines Helms beim Radfahren die Folgen eines Unfalls reduziert“, sagte Sieg. Er selbst trägt auf dem Rad einen Helm, aber nicht bei allen Fahrten.

Als Sieg sein Forschungsergebnis veröffentlichte, brach ein Sturm der Entrüstung über ihn herein. Die Hannelore-Kohl-Stiftung, die sich um Unfall-Opfer mit Schäden im zentralen Nervensystem kümmert, sprach von schwer zu ertragenden Zahlen und einem zynischen Ergebnis. Allerdings sprach sich die Stiftung auch gegen eine Helmpflicht aus.

Das hatte auch Sieg getan. Sein Fazit: „Sinnvoller als eine gesetzliche Helmpflicht, um die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen, ist ein verschärftes Tempolimit für Autos, eine konsequente Kontrolle der Verkehrsregeln sowie die Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer.“ Der Forscher warnt vor einer (Über-)Betonung der möglichen Gefahren. In Ländern wie in Holland, wo es keine Helmpflicht gibt und die Radler den Helm strikt ablehnen, ist die Sicherheit der Radfahrer trotzdem höher als in Deutschland. Darauf weist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hin: „Erfolgsrezept für sicheres Radfahren sind breite, gut gepflegte Fahrradspuren. Und: Rücksichtsvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.“

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