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Richtig Gehen lernen? : Fitnesstrend Crawling: Wenn Erwachsene krabbeln

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Erwachsene, die auf allen Vieren krabbeln – klingt lustig, ist aber ein neuer Fitnesstrend. Dadurch sollen wir wieder richtig gehen lernen. Was hinter Crawling steckt:

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2017 | 11:45 Uhr

Crawling, englisch für Krabbeln, heißt der neue Fitnesstrend, der – wie so oft – aus den USA kommt. Dabei krabbeln Erwachsene in unterschiedlicher Körperhaltung über den Boden. Krabbeln, das kennt man eigentlich nur von Babys, die sich damit dem Gehen annähern. Warum sollten Erwachsene, die Gehen können, über den Boden krabbeln?

Glaubt man Crawling-Befürwortern, dann werden dadurch ein Reset-Knopf im Gehirn gedrückt und das Bewegungssystem nachhaltig verändert. Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation an der Sporthochschule in Köln, steht dem Hype kritisch gegenüber. „Wissenschaftlich ist nicht bewiesen, ob das Crawlen eine Neuprogrammierung ermöglicht“, sagt Froböse.

Viele gehen falsch

Grundsätzlich findet er es aber gut, wenn Erwachsene an ihrem Gang arbeiten. Denn: Viele Menschen würden heute nicht mehr richtig gehen. Durch Schuhe beispielsweise hätten wir verlernt, die entsprechenden Muskeln zu benutzen und richtig abzurollen. Auch die Arm- und Schulterhaltung sei bei Vielen falsch, immer weniger könnten noch richtig hüpfen, rollen oder federn. „Wir gehen nicht mehr dynamisch und generell zu wenig im Alltag“, sagt Froböse. „Das merkt das gesamte Bewegungssystem.“

Muskeln werden gereizt

Durch das Krabbeln könnte das richtige Laufen wie damals als Kleinkind wieder gelernt werden. „Das Zentrum wird gestärkt, die neuronalen Bahnen werden wieder geöffnet.“ Beim Krabbeln werden die Stützmotorik und die Stabilisationsfähigkeit trainiert, ebenso das ausbalancierte asymmetrische Bewegen der Extremitäten. Zusätzlich werden die Muskeln gereizt, die an der Wirbelsäule ansetzen. Um wieder richtig zu gehen, muss die Muskulatur gekräftigt werden. Je nachdem, wie trainiert jemand ist, reiche der Reiz, den das Crawling auslöst, dazu aber nicht aus.

Dieses Video zeigt verschiedene Crawling-Arten:

Gangschule statt Crawling?

Für Froböse geht der Weg zum richtigen Gang über das Crawling einen Schritt zu weit. Er würde eine Gangschule vorziehen. Zum einen würden viele Crawler wegen fehlender Körperspannung durchhängen. Zum anderen sei der Körper des Erwachsenen wegen des hohen Gewichts nicht fürs Krabbeln ausgerichtet. „Die Knie und Handgelenke werden stark belastet, weil man sich darauf abstützt. Wenn man schon veränderte Knorpelstrukturen hat, sollte man deshalb lieber nicht krabbeln. Außerdem werden die Handgelenke in der Haltung ungünstig abgeknickt“, sagt Froböse.

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