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Fitness und Wellness

21. November 2017 | 00:18 Uhr

Ein Selbstversuch : Das erste Mal auf Skiern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was kann man als blutiger Anfänger in vier Tagen auf der Piste lernen?

Der Winter ist da, und alle reden vom Skifahren. Nur ich nicht. Meine Eltern haben nie Wintersport betrieben. Meine Urlaube verbrachte ich fast immer am Meer. Doch in diesem Jahr soll es anders sein. Als Mittdreißigerin melde ich mich für einen Privatkurs an, in einer Skischule im Örtchen Fulpmes in Tirol.

Mit Skilehrer Jonas Oberrauch fange ich auf der „Übungswiese“ an, die man auch Idiotenhügel nennen könnte: ein kleines Stückchen Abfahrt für alle, die noch nicht auf die echte Piste dürfen. Erste Grundübung: auf Skiern stehen, die Füße und Beine abwechselnd links und rechts belasten. Skilehrer Jonas erklärt: „Wenn du parallel zum Hang stehst, zeigt der Bergski immer etwas nach vorne.“ Das kriege ich hin. Danach ist die alpine Skihaltung dran: „Mittig stehen, die Hüfte zum Berg drehen. Dabei bleibt der Oberkörper stabil und lehnt nach vorne.“

Langsam tasten wir uns an die erste Bremsposition heran: Gewicht auf die innen liegenden Kanten geben, Knie nach innen beugen und die Skispitzen zusammenführen. Schneepflug nennt das der Skifahrer. In dieser Position fahre ich schleichend den Hügel herunter. Kinder schauen mich an. Mein Fahrstil muss komisch aussehen.

Etwa auf der Mitte des Übungshügels beginnen wir, aus dem Pflug heraus einen großen Slalom zu fahren. Jonas fährt voraus, ich versuche zu folgen. Nach zwei Kurven falle ich rücklings zu Boden. „Du hast dich nach hinten gesetzt“, ruft Jonas. „Das darfst du nicht.“ Natürlich nicht. Mir ist nach einer Pause.

Beim nächsten Anlauf fahren wir ohne Stöcke. „Die brauchst Du eigentlich gar nicht“, weiß Jonas. Es stimmt. Ohne die Stöcke achte ich mehr auf meinen Körpereinsatz. Meine größte Angst hier am Hang, das Tempo, bekomme ich langsam in den Griff. Das sieht auch der Profi. „Morgen üben wir auf der blauen Piste“, sagt Jonas.

Der nächste Tag bricht an. Von der Talstation in Fulpmes fährt die Bergbahn bis hinauf zum Kreuzjoch in über 2000 Metern Höhe. Nach einem hastigen Blick auf die umliegenden Berge geht es auch schon los. Jonas fährt wie immer voraus. Irgendwann versagt meine Technik, und ich lande mal wieder in Schräglage. Ans Aufgeben ist trotzdem nicht zu denken. Ich probiere erneut, mich beim Parallelfahren in Richtung Tal zu drehen. Es funktioniert. Für ein paar Minuten fühle ich mich wie eine richtige Skifahrerin. Bis Jonas an einem Abzweig stehen bleibt und die nächste Anfängerübung zeigt: Tretroller fahren, das heißt Skilaufen auf einem Bein. So holprig, wie ich jetzt unterwegs bin, erkennt mich jeder von weitem.

Dritter Tag im Gebirge, es geht auf den Stubaier Gletscher bei Neustift. Es hat geschneit. Ich treffe Skilehrer Roland Lenzi. Der 25-Jährige ist ausgebildeter Lawinenretter. Um uns herum wirbelt der Schneesturm. „Hier kommst du mit den Pflugkurven nicht weit“, sagt Roland. „Versuche direkt parallel umzusetzen.“ Durch den pulvrigen Neuschnee sacke ich so tief ein, dass beim Drehen doppelte Kraft erforderlich ist. Schon nach den ersten Pistenmetern geht mir die Puste aus. Doch die Blöße will ich mir nicht geben. Ich bewege mich zwischen Fahren und Rutschen in großen Schlangenlinien den Berg runter. „Gut gemacht“, lobt Roland. „Du hast Talent.“ Bis zu einem bestimmten Punkt, räumt er später bei einem Kaffee im Bergrestaurant ein.

Am letzten Tag strahlt die Sonne, der Schnee glitzert, weiße Gipfel begrüßen die Wintersportler auf 3000 Höhenmetern. Die Angst habe ich abgelegt. Ich fahre und fahre. Kleine Kurven, große Kurven, ein paar Versuche in Parallelschwung. „Was Dir jetzt noch fehlt, ist ein bisschen mehr Geschwindigkeit“, sagt Roland. Aber Kondition und Kraft lassen langsam nach, die Oberschenkel brennen. Die letzten Meter überwinde ich mich und lasse die Skier einfach laufen. „Geht doch“, ruft Roland. Die Lektion habe ich bestanden.

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