Fit in den Frühling : Augen auf und ab in die Sonne

Wer mit Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen hat, geht am besten raus: Bewegung an der frischen Luft und leichte Ernährung steigern das Wohlbefinden.
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Wer mit Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen hat, geht am besten raus: Bewegung an der frischen Luft und leichte Ernährung steigern das Wohlbefinden.

Munter statt schläfrig: Wie man die Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen kann / Interview mit der Greifswalder Medizinerin Dr. Antje Steveling

svz.de von
11. März 2014, 12:00 Uhr

Kaum ist der Frühling da, leiden viele Menschen unter Schläfrigkeit. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun? Angela Hoffmann sprach mit Dr. Antje Steveling, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A an der Universitätsmedizin Greifswald und Leiterin des Diabetesteams.

Die Natur erwacht, der Mensch schläft ein: Woher kommt die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit?

Diese Müdigkeit hat vor allen Dingen hormonelle Ursachen, die in erster Linie durch die Umstellung des Tag-Nacht-Verhältnisses kommen. Dadurch, dass nun längere Zeit die Sonne scheint, wird ein Wachhormon gebildet, das Serotonin. Im Winter ist dagegen mehr Melatonin vorhanden – ein Schlafhormon. Die Neubildung des Wachhormons ist für den Körper relativ anstrengend. Gleichzeitig besteht noch ein Überhang des Schlafhormons aus dem Winter. Dieses Ungleichgewicht bewirkt, dass die Menschen müde sind.

Gibt es noch weitere Faktoren?

Ja, der Körper wird über den Winter oft weniger mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt, das macht ihm zusätzlich zu schaffen. Durch das wärmere Klima muss die Körpertemperatur außerdem ein kleines bisschen hoch reguliert werden. Das kostet ebenfalls Energie und Kraft. Darüber hinaus schlafen viele Menschen schlechter und kürzer, weil es morgens wieder heller ist. Nicht zuletzt geht durch die Wärme draußen der Blutdruck auch noch ein kleines bisschen runter. Deswegen haben Menschen, die sowieso zu niedrigem Blutdruck neigen, zusätzlich Probleme und fühlen sich müde und schlapp.

Expertenschätzungen zufolge leidet etwa jeder Zweite unter der Schläfrigkeit. Wie kommt es, dass manche Menschen mehr betroffen sind als andere?

Besonders häufig betroffen sind etwa Menschen, die als wetterfühlig eingeschätzt werden und ohnehin schon mit Kreislaufproblemen zu kämpfen haben. Gerade junge Frauen sind da gefährdet, aber auch alte Menschen, die teilweise bereits durch Medikamente ihren Blutdruck eingestellt haben. Sie spüren solche Schwankungen beim Blutdruck schon sehr. Wenn der Gesamtzustand von häufigen Krankheiten geprägt ist, sind sie auch besonders anfällig, wenn sich hormonelle Wandlungen einstellen.

Was kann man gegen die Frühjahrsmüdigkeit tun?
Man sollte schauen, dass man sich dem Wandel bewusst aussetzt und rausgeht, weil das Sonnenlicht dazu führt, dass das Wachhormon mehr gebildet und das Schlafhormon abgebaut wird. Dabei ist es wichtig, dass man die Augen auflässt. Nur wenn das Sonnenlicht die Augen erreicht, wird das Schlafhormon abgebaut.

Außerdem sollte man darauf achten, dass man genug schläft. Länger abends wach zu bleiben, aber morgens schon wieder früher wach zu sein – das zehrt einfach. Man sollte auch schauen, dass man den Vitaminmangel mit Obst und Gemüse ausgleicht und weniger Fett isst. Auch hilft es dem Körper, möglichst auf Alkohol zu verzichten. Ganz wichtig ist Bewegung, weil dadurch der Kreislauf stimuliert wird. Letztlich muss man schauen, was einem selber gut tut und dass man sich Ruhephasen gönnt.

Wer sich ohnehin schon schlapp fühlt, hat oft auch noch mit der Zeitumstellung im Frühling zu kämpfen. Wie wirkt die Verschiebung auf den Körper?
Am Anfang ist es ja so, dass man einfach immer eine Stunde früher wach wird. Wenn man sonst gewohnt ist, um sieben Uhr aufzustehen, muss man dann nach alter Zeit schon um sechs Uhr raus. Das heißt: Wenn der Körper wach sein soll, befindet er sich eigentlich noch in einer Phase, in der er es gewohnt ist, noch zu schlafen. Gleichzeitig hat man abends seinen gewohnten Rhythmus, wann man ins Bett geht. Morgens fehlt dann effektiv eine Stunde Zeit.

Hinzu kommt die Dunkelheit am Morgen. Da hat sich der Körper gerade jeden Tag ein kleines bisschen mehr daran gewöhnt, dass es früher hell wird, da bringt die Zeitumstellung wieder die Dunkelheit zurück. Das kriegt der natürliche Rhythmus des Körpers nicht gut verarbeitet, weil der Körper ein ganz träges System ist.

Wie kann man diesem trägen System denn dabei helfen, die Folgen der Zeitumstellung zu mildern?

Man kann sich ein bisschen daran orientieren, was beispielsweise viele Eltern machen, wenn der Urlaub zu Ende geht. Um zu verhindern, dass die Kinder am ersten Schultag knatschig sind, stecken die Eltern sie ein paar Tage vorher schon wieder etwas früher ins Bett. Dann können sie sich daran gewöhnen, dass bald eine Umstellung stattfindet. Eine Möglichkeit wäre also, ein paar Tage vor der Zeitumstellung bewusst etwas früher ins Bett zu gehen und jeden Tag eine Viertelstunde früher den Wecker zu stellen. Das ist zwar ein bisschen lästig, aber man kann den Körper so langsam an die bevorstehende Zeitumstellung gewöhnen.

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