zur Navigation springen
Ratgeber

19. November 2017 | 11:41 Uhr

Serie Finanz-Wissen : Finger weg von Zertifikaten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 6: Alternative Wertpapiere – was zu empfehlen ist und wo Fallen für unerfahrene Anleger lauern

Neben den klassischen Anlageformen wie Tagesgeld, Sparbriefe, Anleihen, Aktien und klassische Investmentfonds haben sich auch andere Formen der Geldanlage in Deutschland etabliert. Nicht alle sind für den Privatanleger geeignet. Es gibt aber Anlageformen, die für den Anleger gut und dennoch recht unbekannt sind.

Zertifikate

Sie gehören zu den Kombinationsprodukten und sind eine Anlageform, die meines Erachtens der Markt nicht braucht. Dennoch gehört der deutsche zu den größten Zertifikatemärkten weltweit.

Befürworter argumentieren mit den fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten und dass dadurch jeder Anleger für seine Markteinschätzung das richtige Anlageprodukt erwerben kann.

Gegner hingegen heben neben der Intransparenz das Emittentenrisiko hervor und verweisen dabei auf die Pleite von Lehman Brothers, bei der viele Anleger einen Totalverlust erlitten haben.

Bei Zertifikaten handelt es sich um Schuldverschreibungen eines Emittenten (meist eine Bank), die mit einer Wette (Option/Future) auf einen Basiswert verknüpft sind. Der Ertrag bzw. die Rückzahlung richtet sich nach der Wertentwicklung der Basiswerte wie Aktien, Indizes oder anderer Vermögenswerte.

 

Widersprüche

  • Anleger partizipieren an der Entwicklung von Aktien, Aktienkörben, Rohstoffen oder ganzer Märkte, ohne diese jemals zu besitzen.
  • Zertifikate haben eine definierte Laufzeit. Daher können Anleger weder Verluste aussitzen noch Gewinne laufen lassen.
  • Zertifikate beinhalten Derivate, obwohl der klassische Anleger in der Regel kein Spekulant ist.

Die Renditen der Zertifikate sind selbst für Profis schwer zu durchschauen, da sie aus hochkomplexen mathematischen Formeln bestehen.

Die Preisfeststellung erfolgt in der Regel durch den Emittenten selbst und wird nicht von unabhängigen Dritten untersucht. Sie kann damit von den Emittenten beeinflusst werden.

In extremen Marktlagen wurde in der Vergangenheit die Preisstellung sogar zeitweise eingestellt. Anleger kamen nicht an ihr Geld.

In den USA ist der Verkauf von Zertifikaten an Privatanleger verboten. Sie werden nur zertifizierten Investoren mit viel Erfahrung angeboten.

Tipp: Lassen Sie von Zertifikaten die Finger. Es verdienen auf jeden Fall der Emittent und die Bank. Sie tragen jedoch das volle Risiko.

ETF – die neue preiswerte Fondsart ohne Fondsmanagement

Mit einem ETF (Exchange Traded Funds – sprich: börsengehandelter Fonds) können Sie ganze Indexe wie den DAX, Dow Jones ect. erwerben und wie Aktien an der Börse handeln. ETFs nennt man auch passiv gemanagte Fonds, weil Sie den Index in der Entwicklung 1:1 abbilden. Da hier kein aktives Management stattfindet, sind auch die Kosten niedrig. So kostet beispielsweise der sehr indexnahe DAX-Fonds DWS Investa der Deutschen Bank Tochter DWS neben dem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent zusätzliche 1,4 Prozent jährlich an Verwaltungskosten, wovon allein 0,5 Prozent als Bestandsprovision jährlich an die vermittelnde Bank fließt. Den aus dem gleichen Konzern stammenden db x-tracker DAX, der den DAX 1:1 abbildet, erhalten Sie hingegen ohne den Ausgabeaufschlag über die Börse und mit nur 0,09 Prozent Kostenquote für das Jahr.

Tipp: Kaufen Sie nur ETFs, in denen auch tatsächlich die Aktien des jeweiligen Index enthalten sind. Diese ETFs nennt man Full-Replikation-ETF bzw. physisch investierende ETF.

Mit der Begründung, dass sie noch preiswerter sind, werden gerne auch Swap-ETF bzw. synthetische ETFs angeboten. Hier werden die jeweiligen Aktien nicht tatsächlich gekauft. Die Wertentwicklung der Indizes wird über ein SWAP- (Tausch-) abgebildet. Hier gilt wie bei einem billigen Erdbeerjoghurt nicht mehr das Prinzip der Produktwahrheit. Neben Aromen und Geschmacksverstärkern ist vieles drin – nur keine Erdbeeren.

Zusammenfassung

Geeignete Wertpapieranlagen sind aus meiner Sicht Anleihen, Aktien und deren indirekte Form über entsprechende Fonds – und hier insbesondere physisch abbildende ETF. Sie eignen sich hervorragend als kostengünstige Alternative zu klassischen Investmentfonds, da bei der Auswahl der ETF nicht auf die Qualität des Fondsmanagements geachtet werden muss. Sie können sehr preiswert in ganze Märkte investieren und damit Ihre Anlage breit streuen (diversifizieren).

Zertifikate sind kein Teufelszeug, jedoch Anlageformen, die es lieber nicht geben sollte, da diese Anlegergelder nie in der realen Wirtschaft ankommen. Sie sollten nur von sehr erfahrenen und risikobewussten Anlegern erworben werden. Wie sagte einst der große Börsenguru Warren Buffet? „Investiere nur in Dinge, die Du auch verstehst!“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen