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Vernichtung bei Rückgabe : Warum eingetauschte Babynahrung immer vernichtet wird

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Im Regal danebengegriffen und das falsche Milchpulver fürs Baby gekauft? Auch wenn die Rückgabe meist einfach ist, landet das Pulver immer im Müll.

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 16:01 Uhr

Eigentlich trinkt die kleine Ella normale Pre-Milch. Doch beim Kauf im Drogeriemarkt griff ihr Vater daneben und packte stattdessen eine andere Sorte Milchpulver ein. Sofort nach dem Bezahlen bemerkt er den Irrtum und fragte, ob er die Ware noch umtauschen könne. Die Kassiererin bejahte. Das Pulver müsse dann aber vernichtet werden, sagte sie. Auf die Frage nach dem ,Warum‘ bekam er nur die Antwort, dass dies eben die Vorgabe bei Babynahrung sei.

Tatsächlich kann man Babynahrung bei Deutschlands marktführende Drogerien DM und Rossmann allesamt eintauschen, sogar, wenn diese schon angebrochen wurde. Doch kehrt diese Ware nicht in die Regale zurück, sondern wird vernichtet. „Sobald die Produkte unsere Märkte verlassen, können wir keine 100-prozentige Garantie bezüglich der Qualität geben und damit nicht mehr gewährleisten, dass unsere Kunden nur Ware mit einwandfreier Qualität erhalten“, heißt es von Seiten der DM-Pressestelle auf unsere Anfrage.

Eine Frage der Kulanz

„Ob für Lebensmittel oder sonstige Dinge, die im Ladengeschäft gekauft werden: Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Umtausch mangelfreier Ware gibt es nicht“, erklärt dazu Armit Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber unserer Redaktion. Ob der Händler mangelfreie Waren zurücknimmt, ist allein seine Entscheidung.

Viele Unternehmen reagieren jedoch kulant, wenn die Kunden sich vertan haben oder ihnen das Produkt nicht gefällt. „Die Händler wünschen sich zufriedene Kunden, die gerne wieder kommen. Doch Fristen und Bedingungen bestimmt in diesem Fall der Händler“, so Valet.

Lebensmittel sind heikel

Der Umtausch von Lebensmitteln ist jedoch heikler, so der Verbraucherschützer. Hier gelte das Lebensmittelrecht. Beispielsweise müsse der Unternehmer gewährleisten, dass bei gefrorenen Lebensmitteln die Kühlkette nicht unterbrochen werde.

Wenn das Unternehmen frische Lebensmittel zurücknimmt, darf es diese nicht mehr in den Handel geben. Da bei sonstiger Nahrung eine Kontamination ebenfalls nicht ausgeschlossen werden könne, kommt verkaufte und dann zurückgegebene Ware nicht mehr in den Handel. Bei Babynahrung handelt es sich dazu noch um ein „besonders sensibles Lebensmittel“, so Valet.

Babybrei-Skandal bei Schlecker

Wie verheerend sich schlechte Qualität in dieser Sparte auswirken kann, hat der Babybrei-Skandal bei Schlecker gezeigt, der 1994 für massive Image-Probleme bei der mittlerweise insolventen Drogeriekette sorgte. Damals wurden in mehreren Breis‘ der Eigenmarke hohe Schadstoffwerte festgestellt. Pikant war, dass Schlecker zuvor aus Kostengründen seinen Breiproduzenten gewechselt hatte.

Ebenfalls aus Kostengründen hatten die meisten Filialen der Kette Telefonanschluss, sodass die Angestellten nur per Post dazu auffordert wurden, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Nach massiven Verbraucherprotesten nahm Schlecker seine Brei-Eigenmarke aus dem Programm und verkaufte nur noch Markenprodukte. Schlecker ist seit 2012 Geschichte, doch mit der Qualität von Babynahrung lassen die Deutschen weiterhin nicht mit sich spaßen.

Dass allerdings just gekaufte Milchpulver, das die Augen der Kassiererin nicht verlassen hat, vernichtet werden muss, findet Verbraucherschützer Valet persönlich „schon übertrieben“. Ellas Vater fand dies auch, hat das bereits gekaufte Pulver daher mitgenommen und später im Bekanntenkreis weitergegeben.

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