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Familie

20. November 2017 | 10:50 Uhr

Lampenfieber : Bühnenluft schnuppern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pia und Anna gehen zur Schauspielschule für Kinder und Jugendliche. Seitdem ist Lampenfieber bei Referaten kein Problem mehr.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2014 | 10:51 Uhr

Anna: „Du hässliches Gesicht!“ Pia: „Ich hässliches Gesicht? Du hässlicher Oberschenkel!“ Anna: „Ich hässlicher Oberschenkel? Du hässliche Nase!“ Pia: „Ich hässliche Nase? Du hässliche Füße!“ Was sich anhört wie totaler Quatsch, ist in Wirklichkeit eine Konzentrationsübung, die „Schimpfkanone“ heißt.

Bevor Anna und Pia diesen Dialog spielten, hatte Dozentin Viola Schnittger ihnen die Übung erklärt: „Ich möchte, dass ihr euch gegenseitig beschimpft. Erwähnt dabei nur lächerliche Äußerlichkeiten und versucht, die Beschimpfungen in der Intensität zu steigern.“ Damit die Übung gut klappt, hatte die Dozentin einen Tipp parat: „Sucht euch im Kopf einen Gedanken, der es euch leichter macht, in Rage zu kommen.“

Montag ist für Pia und Anna der spannendste Tag in der Woche. Dann fahren sie am Nachmittag direkt von der Schule zum Schauspielunterricht in das Kieler Kulturzentrum Pumpe. Seit über einem Jahr gehen die 15-jährigen Schülerinnen eines Gymnasiums auf die TASK-Schauspielschule. Dies ist deutschlandweit die größte Schauspielschule für Kinder und Jugendliche für Film und Theater. TASK gibt es in mehreren Städten, in der Nähe von Mecklenburg-Vorpommern sind das Hamburg und Berlin.

„Bevor ich mit dem Schauspielunterricht angefangen habe, ging ich sechs Jahre zum Ballett“, erzählt Pia. Irgendwann hatte sie Lust auf ein neues Hobby und hörte von dem Schauspieleinsteiger-Workshop. „Ich besuchte den Workshop und merkte, dass mir das Schauspielen viel Spaß bringt“. Als sie ihrer Freundin Anna davon erzählte, war auch die sofort begeistert. Gemeinsam meldeten sie sich zum Unterricht an.

Mit etwas Herzklopfen gingen die Mädchen zu ihrem ersten Treffen. In der Offenen Gruppe von zehn Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, darunter drei Jungs, fühlten sie sich sofort wohl. Ihre Dozentin Viola Schnittger, eine staatlich anerkannte Schauspielerin und Sängerin, mochten sie auf Anhieb. Mit ihrer umsichtigen und feinfühligen Unterstützung können die Schauspielschülerinnen in einem geschützten Rahmen individuell kreative Wege und Ausdrucksmöglichkeiten finden. „Der Unterricht ist ganz anders als in der Schule. Es gibt keine Bewertungen, dafür immer ein offenes und ehrliches Feedback. Es gibt auch kein richtig oder falsch. Die Kriterien hier sind wahrhaftig, echt und glaubwürdig“, erklärt Pia. Mut und Phantasie seien dabei ebenso gefragt wie Konzentration und ein feines Gespür für Situationen.

Die junge Schauspielgruppe beginnt ihren Unterricht immer mit einer Begrüßungsrunde, dann geht es mit einem Aufwärmspiel weiter. Danach stehen verschiedene Improvisationsübungen und das intensive Arbeiten mit Texten und Emotionen auf dem Plan.

Seitdem Anna und Pia in die Schauspielschule gehen, haben sie festgestellt, dass sie im Alltag von ihren Schauspielerfahrungen profitieren können.

„Wenn ich in der Schule ein Referat halten soll, habe ich jetzt kein Lampenfieber mehr. Auch meine mündliche Mitarbeit hat sich verbessert. Außerdem kann ich besser mit Kritik umgehen“, meint Anna. „Wir können auch leichter Grenzen setzen, wenn uns etwas gegen den Strich geht und sind selbstbewusster geworden“, fanden die Mädchen heraus. Ob sie sich vorstellen können, später einmal professionelle Schauspielerinnen zu werden? „Für mich ist die Schauspielerei ein Hobby. Ich will später Medizin oder Psychologie studieren oder einen Beruf im sozialen Bereich ausüben“, antwortet Pia. Anna sieht die Schauspielerei ebenfalls als reine Freizeitbeschäftigung.

 


Weitere Infos im Internet unter www.kinderschauspielschule.de

 

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