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Ratgeber

20. November 2017 | 05:17 Uhr

Stromsparen : Europa geht die Düse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was steckt hinter der Neuregelung für Staubsauger? Fragen und Antworten zur EU-Reform ab 1. September

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 17:19 Uhr

Der Kampf gegen den Alltagsschmutz wird ab 1. September mit deutlich schwächeren Staubsaugern geführt – dank einer Verordnung der EU. Was bringt das? Was sollen solche Vorschriften? Unser Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes erklärt, was hinter der nachlassenden Kraft der Staubsauger steckt.

Warum beschäftigt sich die EU-Kommission mit Staubsaugern, Kaffeeautomaten und Glühbirnen?
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich 2007 – übrigens unter dem Vorsitz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel – darauf verständigt, Energie 20 Prozent effizienter zu nutzen. Dieses Ziel fasste man in einer Grundsatz-Richtlinie (Ökodesign-Richtlinie) zusammen und arbeitet es nun Produktgruppe nach Produktgruppe ab. Das große Ziel besteht darin, alle Anstrengungen zu unternehmen, um stromsparende Geräte zu entwickeln.
Was gilt denn nun genau für neue Staubsauger?
Wichtig ist zunächst: Selbstverständlich kann jeder seinen alten Bodenreiniger benutzen, bis der seinen Geist aufgibt. Im Handel bekommt er, wenn die vorhandenen Geräte mit starker Leistung abverkauft wurden, nur noch Sauger mit einer Leistung von höchstens 1600 Watt, ab 2017 sinkt diese Schwelle auf 900 Watt. Um dem Käufer seine Wahl zu erleichtern, bekommen die Geräte ein Label verpasst, das alle wichtigen Daten offenlegen muss.
Weniger Leistung heißt aber doch auch weniger gründliche Reinigung?
Das ist, so die Hersteller, ein Irrtum. Mehr Watt bedeutet nicht unbedingt, dass das Produkt auch besser säubert. Wichtig ist nämlich, wie effizient der Strom in Leistung übertragen wird. Deshalb hat man bei den Mindeststandards, die die EU mit den Hausgeräte-Bauern vereinbart hat, auch die Qualitäts-Richtwerte für die Staubaufnahme festgelegt.
Und wie geht das – weniger Stromverbrauch, aber genauso gute Saugleistung?
Da wurden beispielsweise die Düsen verändert. Die Hersteller beschreiben das so: Wenn die Saugluft nicht komplett durch den Staubsaugerbeutel muss, sondern ein zusätzlicher Kanal nur zum Ansaugen eingebaut wird, spart das erheblichen Kraftaufwand, ohne die Leistung zu schmälern.
Und was bringt das am Ende? Ist die Stromersparnis wirklich so gravierend?
Die Brüsseler Kommission geht davon aus, dass ab 2020 19 Terrawattstunden an Elektrizität eingespart werden könnten, wenn alle Hausgeräte auf dem neuesten technischen Stand sind. Das wäre immerhin die Leistung von vier Atomkraftwerken. Und der Kunde spart auch, weil sein Energieverbrauch zurückgeht.
Geht die Rechnung denn wirklich auf?
In Brüssel verweist man gerne auf das Beispiel der Waschmaschine. Für die gibt es seit 1995 bereits Energieeffizienz-Klassen und Labels. Ein Haushalt mit einer Waschmaschine der Energieeffizienzklasse A hat über die Jahre hinweg mehr als 1000 Euro Stromkosten sparen können. Heute stehen in 90 Prozent aller Haushalte Geräte der A-Klasse, 1995 waren es nur zwei Prozent.
Warum spüre ich als Verbraucher davon aber nichts in meinem Geldbeutel?
Das ist tatsächlich das größte Problem. Weil die Bürgerinnen und Bürger die Einspareffekte kaum spüren, sind sie auch nicht motiviert, in neue Geräte zu investieren. Der Grund liegt im steigenden Strompreis. Denn der frisst die Einsparungen weitgehend wieder auf. Die eigene Energierechnung würde zweifellos um einiges höher ausfallen, wenn man heute noch mit den Geräten auf dem technischen Stand von 1995 arbeiten würde.

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