Ernährung : Wo lauern die Zuckerfallen?

Obst oder Süßes? Beides enthält Zucker – der in Kuchen und Co. ist aber verzichtbar.
Obst oder Süßes? Beides enthält Zucker – der in Kuchen und Co. ist aber verzichtbar.

Cola, Fleischsalat, Kekse und Co: Zucker kann man kaum entkommen. Wie sich die Menge trotzdem reduzieren lässt.

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22. Januar 2016, 23:30 Uhr

Hannah Frey war süchtig nach Süßem, als sie beschloss, etwas zu ändern. „Ich hatte vor einigen Jahren ständig das Verlangen, etwas Süßes essen zu müssen“, sagt sie. „Davon wollte ich wegkommen.“ Auch heute isst sie noch ab und an ein Stück Kuchen – aber meist selbst gebacken und ohne Haushaltszucker. Das heißt nicht, dass Frey ein Leben ohne Genuss und Süßes führt. „Ich benutze andere Süßungsmittel wie Trockenfrüchte oder Kokosblütenzucker“, fügt die Autorin des Blogs projekt-gesund-leben.de hinzu.

Andere Menschen sind radikaler und verzichten auch auf Fruchtzucker. „Das ist in meinen Augen nicht sinnvoll“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. Früchte haben viele wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe, die ein wichtiger Bestandteil unserer Nahrung sind, wie auch Martina Tischer sagt.

Zucker in Süßigkeiten, Kuchen und Co. sei dagegen „nichts als leere Kalorien, darauf können wir gut und gerne verzichten“. Die Ernährungsberaterin („100 Tage zuckerfrei“) verzichtet nicht komplett auf Zucker, meidet aber auch den raffinierten, zugesetzten Zucker. Mit den zuckerfreien Tagen habe sich ihr Wohlbefinden gesteigert: „Die Haut sah frischer aus, ich war weniger müde, und der Heißhunger auf Süßes verschwand ganz“, sagt Tischer.

Doch aller Anfang ist schwer. Zwar achten schon viele auf den Zuckergehalt in Lebensmitteln, doch nicht immer steht der schwarz auf weiß auf dem Etikett. Man werde durchaus mehr Zeit damit verbringen, sich mit seinem Ernährungsverhalten auseinanderzusetzen, sagt Tischer. Denn auch die versteckten Süßmacher müssen unter die Lupe genommen werden. Die Verbraucherzentrale hat in einer Untersuchung insgesamt 70 Begriffe für Süßungsmittel gefunden.

Der unabhängige Ernährungsinformationsdienst aid weist beispielsweise darauf hin, dass alle Zutaten, die wie Glucose, Laktose oder Maltose auf „-ose“ enden, auf Zuckerarten hinweisen. Es handelt sich dabei etwa um Fachbegriffe von Traubenzucker, Milchzucker und Malzzucker. Auch Zutaten mit der Bezeichnung „Sirup“ – wie Glukose- oder Fruktosesirup – deuten auf Zuckerhaltiges hin.

Zum süßen Geschmack tragen auch Magermilchpulver, Gerstenmalzextrakt, Dicksaft, Fruchtextrakt oder -püree, Molkenerzeugnis und -pulver bei. Auch Herzhaftes wie etwa Fertig-Fleischsalat kann Süßmacher enthalten.

Hat man sich erst einmal darauf eingestellt und sein Essen entsprechend organisiert, sei eine Ernährung ohne weißen Zucker aber durchaus alltagspraktikabel.

Die Zucker-„Gefahren“ lauern meist nicht in den eigenen vier Wänden, sondern etwa wenn man im Restaurant oder im Café etwas isst oder trinkt. „Entweder man schaut sehr genau, was man bestellt, oder man meidet es, außerhalb zu essen und bereitet sich sein Essen selbst vor und nimmt es unterwegs mit“, rät Hannah Frey.

Anfänger sollten nicht sofort alles Süße streichen. Damit überfordert man sich leicht. Besser: Schritt für Schritt Zuckerhaltiges reduzieren und durch „gesunde Süße“ wie Obst ersetzten – den Schokoriegel zum Beispiel durch eine Banane.

Mit Ersatz-Süßungsmitteln wie Honig oder Agavendicksaft sollte man sparsam umgehen. Die natürlichen Produkte sind zwar besser als Industriezucker, die Kalorienzahl aber ähnlich hoch. Ein Austausch ist also nicht sinnvoll, die Naturprodukte sollten eher sparsam wie Gewürze verwendet werden. Der Anfang sei schwierig, aber nach einiger Zeit nehme das Verlangen nach Zucker ab, berichten Frey und Tischer. Kuchen und Co. empfinde man bald als „viel zu süß“.

Autorin: Teresa Tropf

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