Ernährung : Weißbrot statt Tomaten

Doch nicht so gesund? In einigen Gemüsesorten wie Tomaten oder Gurken gibt es Lektine, die einem Mediziner zufolge schädlich für die Gesundheit sein sollen.
Doch nicht so gesund? In einigen Gemüsesorten wie Tomaten oder Gurken gibt es Lektine, die einem Mediziner zufolge schädlich für die Gesundheit sein sollen.

Ein amerikanischer Kardiologe warnt vor den in Obst und Gemüse enthaltenen Lektinen.

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29. März 2018, 05:00 Uhr

Jahrelang hatte Steven Gundry die Finger vom Fast Food gelassen und stattdessen Vollkorn-Müsli mit Obst sowie große Salat- und Gemüseportionen auf seinem Speiseplan. Außerdem joggte er fast 50 Kilometer pro Woche. „Gesünder als ich konnte man kaum noch leben“, so der Kardiologe, der als Absolvent der Elite-Universitäten Yale und Michigan großen Wert darauf legt, dass Medizin wissenschaftlich begründet ist.

Doch all seine Bemühungen um eine gesunde Lebensführung brachten: nichts. Er bekam Arthritis und Bluthochdruck, seine Zucker- und Cholesterinwerte stiegen, und seine Körpermaße, so Gundry, „gingen regelrecht aus dem Leim“.

Was war schiefgegangen? Gundry recherchierte in den wissenschaftlichen Datenbanken, stellte eigene Untersuchungen an, und kam am Ende zu dem Fazit: „Ich hatte mich offensichtlich falsch ernährt.“ Das viele Vollkorn, und all das Obst und Gemüse – es hatte seinen Körper geradezu vergiftet. Nämlich mit Lektinen, „der größten Gefahrenquelle der westlichen Ernährung“.

Der US-Mediziner verbannte Auberginen, Bohnen, Erbsen, Gurke, Paprika, Zucchini, Soja und Tomaten von seinem Speiseplan, und setzte stattdessen auf Salat und die bunte Welt des Kohls, von Brokkoli bis Wirsing, sowie auf Karotten, Knoblauch, Meerrettich, Pilze und Sellerie, von denen er erfahren hatte, dass sie praktisch lektinfrei sind.

Ebenfalls gestrichen wurden Erdnuss, Mais, Goji-Beere, Melone und Süßwaren sowie Vollkorn- und Kartoffelprodukte. Fleisch und Fisch wurden nur zugelassen, sofern sie nicht aus Massentierhaltung stammten, in der bekanntermaßen oft mit Getreide sowie genverändertem Mais und Soja gearbeitet wird. Es dauerte etwa ein Jahr, und Gundry hatte 35 Kilogramm abgespeckt. Seine Erkrankungen und Wehwehchen verschwanden ebenfalls.

Er beschloss, seine individuellen Erfahrungen zu einem Ernährungskonzept auszuarbeiten und an seinen Patienten auszutesten. „Mit zigtausendfachem Erfolg“, wie er betont. Nicht nur alltägliche Beschwerden wie Kopfweh, Verdauungsstörungen und chronische Müdigkeit reagierten auf die Lektin-Befreiung positiv, sondern auch schwerwiegende Erkrankungen wie Asthma, Arthritis, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und andere Stoffwechselstörungen.

Doch hat die Gundry-Diät auch eine echte Perspektive? Ihr Konzept jedenfalls ist klar: Es geht um das Vermeiden von Lektinen. Das hervorstechende Merkmal dieser zu den Eiweißen zählenden Stoffe besteht in ihrer starken Bindungsfreudigkeit. Sie verkleben sich gerne mit Körperzellen, und einige davon haben dabei vor allem die Darmwände im Visier.

Die lektinreduzierte Diät habe deshalb, so Gundry weiter, ein weitaus breiteres Einsatzgebiet und auch größere therapeutische Chancen als andere Diät-Hypes wie etwa die Paläo- oder die Low-Carb-Diät. Außerdem würde sie, so sein Argument, mehr Freiraum lassen. Denn sie würde ja nicht alle pflanzlichen Nahrungsmittel auf den Index setzen, und viele Lektine lassen sich beim Zubereiten zudem noch eliminieren.

Die meisten Ökotrophologen und Ernährungsmediziner halten das jedoch zumindest für entbehrlich. „Es gibt eigentlich nur eine Diät, deren positive Wirkung auf die Gesundheit halbwegs wissenschaftlich abgesichert ist“, betont Gastroenterologe Jon Rhodes von der University of Liverpool, „nämlich die Mittelmeer-Diät – und die ist mit ihrem Schwerpunkt auf vegetarischem Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten genau das Gegenteil von einer lektinfreien Kost.“

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