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Essen und Trinken

25. September 2017 | 01:08 Uhr

Ernährung : Warum Weizen nicht böse ist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer mehr Menschen essen kein Weizen und Gluten, obwohl sie keine Unverträglichkeit haben – das ist teuer und ungesund.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 06:25 Uhr

Reismehlbrötchen oder glutenfreier Pizzateig – in den Supermarktregalen stehen immer mehr Lebensmittel ohne Weizen und Gluten. Weil damit auf den Packungen geworben wird, halten viele die Produkte für irgendwie besser und gesünder. Manche glauben auch, Beschwerden wie Bauchschmerzen gingen auf Weizen und Gluten zurück, sagt die Ernährungsexpertin Astrid Laimighofer. In Deutschland vertragen jedoch nur sehr wenige Menschen aufgrund der Autoimmunerkrankung Zöliakie tatsächlich kein Gluten.

Gluten entsteht, wenn sich die Eiweiße der Getreidesamen durch Feuchtigkeit verbinden. Die meisten Getreidesorten, wie zum Beispiel Weizen, Dinkel und Roggen, enthalten diese Eiweiße und bilden Gluten.

Wer darauf verzichtet, schränkt seine Auswahl an Lebensmitteln dementsprechend enorm ein, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Und das ohne Not: Sich so zu ernähren ist weder gesünder, noch hilft es beim Abnehmen, wie viele hoffen.

Produkte ohne Gluten sind nicht kalorienärmer, stellt Laimighofer klar. Weil das Klebeeiweiß fehlt, sind sie häufig trockener. „Um das auszugleichen und den Geschmack zu verbessern, ist meist der Anteil an Zucker und Fett in solchen Produkten höher“, erklärt Bianca Maurer von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Sie enthalten also häufig nicht weniger, sondern sogar mehr Kalorien. Dafür fehlen sättigende Ballaststoffe. Man isst also tendenziell mehr, um satt zu werden.

Wer sich nicht abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, dem droht zudem ein Mangel an wichtigen Nähr- und Mineralstoffen – „zum Beispiel an den Vitaminen K, B1, B2 oder B6 und Mineralstoffen wie Magnesium, Zink oder Kupfer“, sagt Gahl. Außerdem seien Getreide wichtige Ballaststofflieferanten und unterstützen durch ihre präbiotische Wirkung die Darmflora. Auch das kann durch den Verzicht beeinträchtigt werden. Sich unnötig weizen- oder glutenfrei zu ernähren, schränkt nicht nur ein – es ist auch teuer. Denn häufig kosten glutenfreie Produkte mehr als normale.

Glutenfrei ernähren sollte sich nur, wer tatsächlich eine Zöliakie hat. Bei Patienten mit dieser Autoimmunerkrankung löst das Klebeeiweiß eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus.

Gar kein Gluten zu sich zu nehmen, ist allerdings nicht so einfach. Viele Getreidesorten, Fertiggerichte und sogar Wurst- und Käsewaren enthalten Gluten. Laut der DGE-Infothek „Essen und Trinken bei Zöliakie“ kann der Klebeeiweiß auch in Süßwaren, in Medikamenten und sogar Zahnpflegeprodukten verarbeitet sein.

Wer sichergehen will, sollte daher immer auf das Etikett schauen. „Reis, Mais, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, Hirse und die Produkte daraus sind von Natur aus glutenfrei“, sagt Astrid Laimighofer. Für Patienten, die Zöliakie haben, wurden zudem Ersatzprodukte entwickelt.

 

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