Grill, Thermometer, Pizzastein, App : Trend geht zum Zweitgrill

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Hersteller machen Milliardengeschäft mit der neuen Lust am Kochen unter freiem Himmel

svz.de von
18. Mai 2017, 11:45 Uhr

Wokeinsatz, Pizzastein oder Thermometer-App fürs Handy: Zum Start in die Grillsaison 2017 setzt die Barbecue-Branche verstärkt auf Zubehör. Vor dem Hintergrund einer eher bescheidenen Wachstumsrate von 1,7 Prozent 2016 denken die Hersteller verstärkt über das Geschäft rund um den Grill nach. Noch vor wenigen Jahren hatte die neue Lust am Kochen unter freiem Himmel der Branche zweistellige Zuwachsraten beschert. „Das Zubehörgeschäft wird immer wichtiger“, stellt Christian Lerch vom Kölner Handelsforschungsinstitut IFH fest. Seitdem viele Haushalte bereits mit einem Grill ausgestattet sind, sehen Experten nun einen „Trend zum Zweitgrill“.

1,2 Milliarden Euro wurden laut IFH im vergangenen Jahr in Deutschland für Grillgeräte, Brennstoffe und Grillzubehör ausgegeben. Nur noch etwa rund zwei Drittel des Umsatzes entfielen dabei auf Grillgeräte. Gekauft werden dabei sowohl kleine Modelle für unterwegs, die für wenige Euro zu haben sind, als auch teure Geräte für bis zu 6000 Euro.

Die Branche hofft nun auf neue Käufer. Marketing-Direktorin Simone Weber vom Grillgeräte-Anbieter Weber sagt, nach ihren Informationen werde ein Grill in Deutschland im Durchschnitt nach 6,8 Jahren ausgemustert. Oft gehe es dabei auch darum, einfach ein moderneres Gerät anzuschaffen, sagt Weber. Für das US-Unternehmen ist Deutschland mittlerweile der zweitwichtigste Markt hinter den USA.

Gekauft wird der neue Grill meist im Baumarkt, wo das Grillsortiment indes auch in den Wintermonaten nicht mehr beiseite geräumt wird. „Seit etwa drei bis vier Jahren gibt es den Trend zum Ganzjahresgrillen“, so der Handelsforscher. Bei der Kohle greifen Verbraucher gern beim Discounter oder im Supermarkt zu. Viele wollen noch die offene Flamme. „Der Markt wird von Holzkohle dominiert“, so der Experte.

Auf den Rost kommt dabei mittlerweile nicht nur klassisches Grillgut wie Würstchen oder Steaks. Möglich seien ganze Menüs von der Vorspeise bis zum Nachtisch, berichtet Lerch. Bei der Zubereitung könne man am Grill mittlerweile unter „extrem viel“ Zubehör wählen. Pfannen, Spieße, Thermometer, Reinigungszubehör: Per Handy-App können sich Grillfreunde zudem benachrichtigen lassen, sobald das fertig gegarte Steak vom Rost genommen werden kann.

Die Grillbranche gilt bereits seit einigen Jahren als einer der Garanten für Wachstum im deutschen Gartenmarkt. Insgesamt konnte das Geschäft rund um das Leben unter freiem Himmel nach Zahlen des Industrieverbands Garten (IVG) im vergangenen Jahr lediglich um 0,5 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zulegen. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben lagen die Niederlande und Luxemburg mit Ausgaben von jeweils über 350 Euro pro Jahr deutlich vorn, während Deutschland mit etwas über 200 Euro lediglich im Mittelfeld lag.

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