Schlank und Fit : Super ernährt mit Superfood?

Quinoa-Salat mit dem Superfood Brokkoli
Quinoa-Salat mit dem Superfood Brokkoli

Heimische Alternativen zu den Exoten / Viele Lebensmittel, die fast direkt vor der Haustür wachsen, können dazu gezählt werden

svz.de von
01. März 2016, 12:00 Uhr

Sie sollen schlank und fit machen, die Jugendlichkeit erhalten, das Immunsystem stärken, Krankheiten vorbeugen und die Laune heben. Die Erwartungen an Superfoods sind immens. Gojibeeren, Chiasamen, Moringablätter und andere Exoten gehören ebenso in diese Gruppe wie Zutaten aus der Alltagsküche – etwa Spinat, Kräuter und Brokkoli. Eine feste Definition gibt es nicht, aber: Superfoods sind natürliche Nahrungsmittel, die mit wertvollen Inhaltsstoffen einen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten. „Superfoods wie bestimmte Nüsse, Beeren oder Matcha enthalten große Mengen an Antioxidantien sowie Vitaminen und Mineralien“, sagt Vegan-Koch Attila Hildmann.

Damit können sie die körpereigenen Reparaturmechanismen unterstützen. Auch die Hamburger Ökotrophologin Iris Lange-Fricke schätzt die Wirkung der Antioxidantien: „Sie haben die Fähigkeit, freie Radikale im Körper zu binden und unschädlich zu machen.“ So verhinderten diese sekundären Pflanzenstoffe, dass freie Radikale, die unter anderem durch Stoffwechselprozesse, starke Sonneneinstrahlung, Stress oder Rauchen entstehen, Körperzellen angreifen und zerstören können.

Superfoods lassen sich leicht in den Speiseplan einbauen. Ein Salat mit Quinoa und dem Superfood Brokkoli ist gut zum Mitnehmen geeignet, sagt Hildmann. Und als wahre „Superfood-Bombe“ empfiehlt er einen Matcha-Banane-Schoko-Shake, der aus Hafermilch, Mandelmus, Agavendicksaft, Vanille, Matcha-teepulver, Kakao und Banane gemixt ist. Grundsätzlich könne die meisten Gerichte aufgewertet werden, indem beispielsweise ein paar gehackte Superfood-Nüsse wie Walnüsse verwendet oder bei süßen Gerichten etwa Blaubeeren darüber gestreut werden.

Die wertvollen Inhaltsstoffe von Nüssen, Beeren und Samen tragen auch nach Ansicht von Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung bei. Den Begriff Superfood sieht sie jedoch vor allem als „Marketing-Gag“, mit dem exotische Lebensmittel, verpackt in eine Geschichte über ihre Wunderwirkung, teuer verkauft werden können. Ein paar Superfoods in den Speiseplan aufzunehmen, „reicht nicht für eine gesunde Ernährung“, betont Clausen.

Kritisch sieht die Ernährungswissenschaftlerin Superfood-Extrakte wie Moringa-Pulver oder Granatapfel-Kapseln: „Das Beste aus einem Kilogramm Gemüse kann nicht in ein paar Gramm Pulver stecken.“ Extrakte seien ernährungsphysiologisch gesehen niemals so gut wie das ursprüngliche Lebensmittel.

Dass die Superfood-Welle auch europäische Lebensmittel ins Bewusstsein der Verbraucher rückt, bewertet Clausen positiv. Grüne Blattsalate, Kräuter, Nüsse und Samen seien reiche und wichtige Nährstoffquellen, die häufig unterschätzt werden. „Zu vielen der exotischen Superfoods gibt es Alternativen.“ So könnten Chia- durch Leinsamen ersetzt werden, und Oliven enthielten eine ähnliche Nährstoffzusammensetzung wie Acaibeeren aus den Regenwäldern Amazoniens. Die Kohlsorten sollten nicht vergessen werden: „Grünkohl ist in New York City ein gehyptes Superfood“, weiß Clausen.

Superfoods, die in unseren Breiten angebaut werden, sind aus Sicht von Lange-Fricke ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Vieles, wie Blaubeeren, Grünkohl, Feldsalat oder Spinat, gibt es auf dem Wochenmarkt. Sie seien meist frischer und vitaminreicher als importierte Lebensmittel.

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