Ernährung : „Salz des Lebens“?

Lieber maßvoll würzen – überhöhter Konsum kann aber sehr schädlich sein.
Lieber maßvoll würzen – überhöhter Konsum kann aber sehr schädlich sein.

Studien zeigen: Wir essen viel zu salzig – und das irritiert Darm und Immunabwehr

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15. Januar 2018, 12:00 Uhr

Als Laktobazille hat man es heutzutage in menschlichen Därmen nicht leicht. Denn sie wird dort permanent in ihrem Wachstum gestört, wie etwa durch Stress, Alkohol, Umweltgifte und Antibiotika. Und ein 39-köpfiges, internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat jetzt ermittelt: Auch hochdosiertes Kochsalz setzt unserer Darmflora zu. Es könnte erklären, warum unser übersalzter Speiseplan nicht nur Bluthochdruck, sondern auch Autoimmunerkrankungen wie Arthritis provozieren kann.

Die Forscher hatten zunächst den Salzgehalt im Speiseplan von Mäusen erhöht und dabei einen klaren Trend beobachtet: Die Zahl der Laktobazillen im Darm der Nagetiere ging deutlich zurück, und stattdessen erhöhte sich neben ihrem Blutdruck auch die Anzahl der sogenannten Th17-Zellen. Hohe Quoten dieser weißen Blutkörperchen zeigen an, dass im Körper massive Entzündungsreaktionen ablaufen, die das Immunsystem irritieren und am Ende zu Autoimmunkrankheiten wie Arthritis, Colitis, Schuppenflechte und Multiple Sklerose führen können. Doch immerhin: Als man den Mäusen einen probiotischen Laktobazillen-Cocktail servierte, kehrten Darmflora, Blutdruck und T-Helferzellen zu ihrem Ursprungsniveau zurück.

Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass die Forscher beschlossen, auch einen kleinen Versuch am Menschen zu wagen.

Also setzte man zwölf gesunde Männer zwei Wochen lang auf eine Tagesration von sechs Gramm Kochsalz. Wohlgemerkt zuzüglich der ungefähr sieben Gramm, die sie ohnehin schon auf ihrem alltäglichen Speiseplan hatten. Das Ergebnis war abermals: Die Laktobazillen im Darm gingen drastisch zurück. Dafür schoss die Zahl der TH17-Helferzellen in die Höhe, und der Blutdruck stieg an. Die Forscher planen jetzt Studien, inwieweit sich Bluthochdruck durch den Verzehr probiotischer Joghurts beeinflussen lässt. „Vielleicht gehört auch Multipile Sklerose zu den salzsensitiven Erkrankungen, die wir künftig mit individuell angepassten Probiotika behandeln können“, hofft Neuroimmunologe Ralf Linker von der Universität Erlangen, der an der Studie beteiligt war.

Ganz zu schweigen davon, dass sie womöglich eine Wissenslücke schließt. Denn bislang hat man sich in der Medizin zwar halbwegs darauf einigen können, dass 30 bis 50 Prozent der Menschheit salzsensitiv sind und dadurch Bluthochdruck und andere Krankheiten entwickeln. Aber eine befriedigende physiologische Erklärung gibt es dafür noch nicht. „Wenn wir diese nun mit der Darmflora und ihrem Einfluss auf das Immunsystem gefunden hätten, würde das wohl mehr Menschen überzeugen, sich gesünder zu ernähren“, vermutet Linker.

Der Schlüssel zum Verständnis liegt demnach in bestimmten Laktobazillen, die sich in der Darmflora nicht mehr behaupten können, wenn es dort zu salzig wird. Ihr Bestand schwindet, sodass dem Immunsystem ein wichtiger Mit-Kontrolleur der Th17-Zellen verloren geht, deren Anzahl daraufhin deutlich zunimmt. Was nicht nur Autoimmunkrankheiten provoziert, sondern auch den Blutdruck ansteigen lässt. Denn die Th17-Zellen wandern in die Blutgefäßwände, sodass dort zunehmend Bindegewebe wächst. In der Folge werden die Wände immer härter – und in unflexiblen Adern geht der Druck geradezu zwangsläufig in die Höhe. Welche verheerenden Auswirkungen das hat, belegte unlängst Dariush Mozaffarian von der Tufts University in Massachusetts. Nach Analyse von über 250 Studien kommt er zu dem Ergebnis, dass weltweit jährlich 2,3 Millionen Todesfälle auf exzessiven Salzkonsum zurückzuführen sind.

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